Augustdorf. Augustdorfer Eltern sammeln Unterschriften gegen die Art und Weise, wie ihre Kinder von Montag an zweimal wöchentlich getestet werden sollen. Sie fordern in einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet unter anderem, dass Grundschüler wenn überhaupt mit Lolli-Tests auf eine Corona-Infektion getestet werden – nicht mit Stäbchen, die sie sich zu tief in die Nase stecken könnten. Nach Angaben von Dina Töws, eine der Unterschriftensammlerinnen, sind bereits 600 Unterschriften zusammengekommen. Den an die Redaktion weitergeleiteten Brief selbst hat niemandem unterzeichnet. Der Infektionsschutz dürfe nicht absoluten Vorrang gegenüber anderen Bedürfnissen der Kinder haben, heißt es darin. „Wir lehnen es ab, dass unsere Kinder in den Schulen getestet und nach einem positiven Test isoliert werden. Eltern befürchten eine Stigmatisierung der Kinder und einen „Verstoß gegen die informelle Selbstbestimmung". Bei 96,4 Prozent der Deutschen sei „noch keine Infektion" festgestellt worden. „Rechtfertigt diese Zahl eine Testpflicht?" Die Unterzeichner sehen zudem ein Verletzungsrisiko durch die Wattestäbchen. Wenn überhaupt, dürften Tests nur zuhause oder von einer Person, die der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt, gemacht werden – und zwar als Spucktest. Außerdem sei wichtig: „Augustdorf als jüngste Kommune in NRW hat mitunter relativ hohe Inzidenzwerte, aber die mit Abstand niedrigste Sterbequote in NRW. Wenn bei überwiegend jungen Menschen eine Infektion festgestellt wird, ist das grundsätzlich anders zu beurteilen, als wenn es einen Hotspot im Altersheim gibt." Das sagt der Bürgermeister Auch wenden die Eltern sich gegen Bürgermeister Thomas Katzer, der – wie berichtet – vehement bei Laschet die Testpflicht eingefordert und Test-Gegnern „latente Körperverletzung" vorgeworfen hatte. Er habe das Gespräch nicht mit ihnen gesucht, klagen sie dem Ministerpräsidenten. „Mit wem hätte ich denn sprechen sollen?" fragt Katzer rhetorisch zurück, der Brief sei ja „mit gewisser Feigheit" gar nicht unterschrieben, auf ihn sei niemand zugekommen. Davon abgesehen, sei es gutes Recht für alle, sich an Laschet zu wenden – wie er selbst es ja getan habe. „Ich kann die Inhalte des Briefes aber in keiner Weise nachvollziehen. Es geht hier um die Gesundheit von ganz Augustdorf." Da müsse jede Chance genutzt werden, um Infektionsketten zu unterbrechen. Die Gesundheit aller stehe im Vordergrund. Persönlich glaube er nicht, dass ein Kind stigmatisiert werde. „Es ist schlimm, wenn ein Kind positiv getestet wird. Aber was wiegt denn schlimmer: Dass Mitschüler das mitbekommen, oder dass sie angesteckt werden?" Die Gefahr durch Tests sei viel geringer, als die, dass das Kind das Virus in die Familie tragen könnte. Er sei bei den Eltern, die sich an vernünftige Regeln hielten und ihr Kind nicht in eine Klasse schicken wollten, von der sie vermuten müssten, dass dort infizierte andere Kinder sind. Erfahrungen der Schule Der Beratungsbedarf der Eltern „quer durch die Schulgemeinde" sei immens, berichtet Konrektor Oliver Meierjohann. (Grundschule „Auf der Insel"). Viele Eltern riefen an. Grob geschätzt rechne er mit etwa 30 Prozent „Test-Verweigerern". Dies bleibe abzuwarten, schließlich gehe es ja mit den verpflichtenden Tests erst los – von heute an sind sie allerdings schon in der Notbetreuung Pflicht. „Zwei Eltern haben ihr Kind deswegen abgemeldet." Manche seien generell gegen die Tests, manche speziell gegen die Stäbchen. Die Schulleitung habe nicht erlaubt, in der Schule zu sammeln, habe aber Verständnis für Sorgen der Eltern. „Die Kinder müssen mit den Stäbchen schon klarkommen." Das müsse geübt werden, ebenso wie Masken zu tragen. Allerdings: Das Ministerium selbst habe vor den Ferien gesagt, dass Nasenbohrer-Tests für Grund- und Förderschüler nicht geeignet seien. Die Gewerkschaft Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist unbedingt für die Testungen, bei denen mit Stäbchen sei ihr aber „nicht wohl", sagt die lippische Vorsitzende Susanne Huppke. Deswegen müssen vor allem jüngere Kinder in der Schule von Fachpersonal getestet werden. „Sicherlich gibt es Gründe, warum Eltern das nicht wollen, vor allem aus der Sorge, dass die Lehrer das Testen nicht können oder dass Kinder bei einem Positivtest diskriminiert werden. Das kann man nicht ausschließen, da werden Lehrer alles tun, um das möglichst angenehm zu gestalten."