Kreis Lippe. Der Kreis möchte ein „Welcome-Center“ für internationale Fach- und Arbeitskräfte einrichten. Ziel: eine schnellere Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt. Denn der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel stellen Arbeitsmarkt, Wirtschaft und gesellschaftlichen Wohlstand vor große Herausforderungen - auch im Kreis Lippe, weiß Landrat Dr. Axel Lehmann. „Für 100, die ausscheiden, rücken nur 66 nach“, sagt er. „Wir müssen eine Möglichkeit finden, dem entgegenzusteuern.“ Doch das Thema Integration von ausländischen Fachkräften ist komplex, sagt Stefan Susat, Vorstand vom Jobcenter Lippe. Um dem demografischen Wandel auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen, muss laut Lehmann in vielerlei Hinsicht etwas getan werden: bei der Aus- und Weiterbildung etwa. Die „stille Reserve“ müsse besser ausgeschöpft werden, aber auch Regionalmarketing gehöre dazu - und eben Migration. „Viele Menschen, die hierher kommen, werden nicht an die Hand genommen, das Bleiben wird ihnen nicht leicht gemacht“, sagt der Landrat vor allem mit Blick auf die Bürokratie. Da solle das Welcome-Center eingreifen: ein Ort, ein Ansprechpartner, an den sich Ankommende wenden können mit ihren Fragen rund um Arbeit, Wohnen und Zivilgesellschaft. Bleiben bedeutet integrieren Denn zum Bleiben gehöre auch, wie man eine Wohnung finden, auf welche Schule das Kind gehen, was man in der Freizeit unternehmen kann. Das mahnt auch Stefan Susat an: „Es reicht in der Regel nicht, die Arbeitnehmer im Betrieb zu integrieren, vielmehr müssen wir sie und ihre Familien auch in die Gesellschaft einbinden. Ansonsten verlassen sie uns nach kurzer Zeit wieder.“ Das fange bei der Wohnung an und gehe bis zur Begleitung der Familie bei der Eingliederung in die Gesellschaft, etwa beim Vereinsleben oder Ähnlichem. Und da seien auch die Arbeitgeber gefragt. Erst einmal gehe es beim Welcome-Center darum, interne Strukturen zu vernetzen, ohne zusätzlich Geld auszugeben - hier spielt Lehmann auf die klammen Kassen des Kreises an. Dazu gehören das Kommunale Integrationsmanagement (KIM), das Ausländeramt, die Agentur für Arbeit und das Jobcenter sowie die Kommunen. Jessica Keitel vom KIM ergänzt, es gehe darum, Ankommensprozesse zu erleichtern, zu gewährleisten, dass beteiligte Stellen ineinandergreifen und es trotz vieler Akteure zügig gehe. Denn bei den Bedürfnissen der Menschen handele es sich immer um Einzelfälle, man müsse mit den Betroffenen zusammen nach Möglichkeiten und Lösungen suchen. Das KIM mache bereits jetzt genau das: Einzelfallbearbeitung. Etwa 1000 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren hier seien anerkannt oder geduldet, weiß der Leiter der lippischen Ausländerbehörde Björn Schröder. Manche von ihnen arbeiteten bereits, doch er sehe noch jede Menge Potential. „Der Gang zur Behörde ist immer einer, den man nicht gern macht.“ Deswegen sei ein verbindliches Auftreten wichtig - und es brauche eine Willkommenskultur mit sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen, dazu gebe es beispielsweise gemeinsame Schulungen mit dem KIM. Anerkennung von Abschlüssen schwierig Doch ganz so einfach ist es nicht, gibt Stefan Susat zu bedenken. Schließlich sei nicht nur die Sprachbarriere eine Herausforderung, auch die berufliche Ausbildung sei nicht immer vergleichbar. „Wir haben in Deutschland ein sehr differentes Ausbildungs- und Qualitätsniveau“, weiß er. Die Anerkennung der Vergleichbarkeit liege in unterschiedlichen Händen - für das Handwerk etwa bei den Kammern, bei medizinischen Berufen bei der Bezirksregierung. Es dauere teils sehr lange, bis ausländische Abschlüsse anerkannt werden - wenn überhaupt. Sicherlich könne man auf viele junge Menschen mit Fluchthintergrund bauen - auch wenn hier ebenfalls die Sprache eine wesentliche Herausforderung sei. Manchen fehle dann der notwendige Schulabschluss, andere scheiterten „aufgrund nicht ausreichender Deutschkenntnisse an den Theoriebereichen der Ausbildung“. Doch Lehmann ist überzeugt, dass zudem bereits viel im Zuge der Planung des Welcome-Centers dadurch gewonnen worden sei, dass die einzelnen Akteure sich kennen und wissen, wer wofür der richtige Ansprechpartner ist, betont Lehmann. Nach und nach sollen daher laut Lehmann auch der Kreissportbund, Industrie- und Handelskammer, TH OWL, Handwerkskammer, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände involviert werden. Bei ihrer Suche nach Mitarbeitern sollen sich dann auch Unternehmen vor Ort sich mit ihrem Bedarf ans Welcome-Center wenden können.