Lagenser Mergelkuhlen: Ein Paradies für Tier und Pflanze

Lorraine Brinkmann

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Margarete Wißmann erläutert den Ausschussmitgliedern die Besonderheiten des Naturschutzgebietes. - © Lorraine Brinkmann
Margarete Wißmann erläutert den Ausschussmitgliedern die Besonderheiten des Naturschutzgebietes. (© Lorraine Brinkmann)

Lage. Es umfasst 18 Hektar und doch kennt es kaum jemand: Das Naturschutzgebiet Stadenhauser Mergelkuhlen, das sich zwischen der Breitenheider Straße und der Bielefelder Straße erstreckt ist neben dem Hardisser Moor eines der beiden bedeutendsten Naturschutzgebiete in Lage. Als solches zumindest beschreibt es Jürgen Rosenow (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzender des Ausschusses für Klimaschutz und Umwelt, dessen Mitglieder sich im Rahmen der jüngsten Sitzung das riesige Areal angeschaut haben. Eines aber stellt Rosenow direkt zu Beginn klar: Das Gelände befindet sich in Privatbesitz. Der Zutritt ist nur mit Erlaubnis der Eigentümer gestattet, das Gebiet also etwa für einen ausgiebigen Spaziergang zu betreten, ist verboten. Und das hat gute Gründe.  

Sechs Naturschutzgebiete gibt es insgesamt in Lage. „Wesentlicher Schutzzweck des Gebietes Stadenhauser Mergelkuhlen ist der Erhalt eines artenreichen Komplexes aus seltenen Pflanzen, vielfältigen Gebüschflächen, Gehölzen, Kleingewässern und Tierarten", erläutert Margarete Wißmann vom Fachteam Umweltplanung, die die Führung durch das Areal übernommen hatte. Seinen Namen hat das Gebiet wegen der sieben ehemaligen Mergel-, also Gesteinskuhlen, die inzwischen in einer vielfältigen Vegetation und ackerbaulich genutzten Flächen liegen.

In einigen Teilen des Gebietes gibt es Stehgewässer. - © Lorraine Brinkmann
In einigen Teilen des Gebietes gibt es Stehgewässer. (© Lorraine Brinkmann)

Neben vielen gefährdeten Laubwäldern wie dem Eschenmischwald und dem Buchenwald finden sich hier auch selten gewordene Strauchgruppen aus Weißdorn, Schlehe und Brombeere. Wegen seiner unterschiedlichen Vegetation und Bodenfeuchte bietet das Naturschutzgebiet vielen gefährdeten Pflanzen und Tieren ein Zuhause. „Zu letzteren zählen zum Beispiel die Feldlerche, der Sumpf-Grashüpfer, die Goldammer, die Nachtigall oder der Rotmilan", sagt Margarete Wißmann. Aufgrund der Seltenheit verschiedener Vegetationen und seines Strukturreichtums ist das Areal seit 2006 Naturschutzgebiet.

Weniger Amphibien, mehr Vögel

Landwirt Dieter Hagedorn erinnert sich noch gut an den früheren Zustand des Gebietes. „Als ich Kind war, stand das Wasser teils bis Mai oder Juni in den Kuhlen." Inzwischen hätten sich deutlich mehr Büsche angesiedelt. „Darüber freuen sich natürlich viele Vogelarten." Bedroht seien die aber teils durch ein erhöhtes Fuchs- und Krähen-Aufkommen. Und auch wenn im Naturschutzgebiet etwa der Einsatz von Düngern und Pestiziden verboten ist, so müssten einige Eingriffe doch sein. „Der Schwarzdorn breitet sich beispielsweise rasant aus", sagt Hagedorn. „Auf Dauer könnte er wegen seiner Wurzelausläufe die Kuhlen verschließen."

Weil das Gebiet inzwischen immer schattiger wird, seien außerdem kaum noch Salamander und andere Amphibien vorhanden. Zum Zwecke der naturnahen Entwicklung des Gebietes wurden einige Bereiche aus der intensiven Landwirtschaft herausgenommen. Ob die Landwirte dafür einen Ausgleich erhalten, möchte Titus Donhauser (Bündnis 90/Die Grünen) wissen. Das sei vertraglich geregelt, erläutert Margarete Wißmann, die zum Thema naturnahe Gestaltung auch auf vorhandenes Totholz hinweist. „Das wird nicht geforstet, um die natürliche Entwicklung zu erhalten." Und dazu trägt auch die Tatsache bei, dass das Naturschutzgebiet von Unbefugten eben nicht betreten werden darf.

Regionalplan

Über die Ausweisung von Potenzialflächen für Gewerbe-, Wohn- und Industrieflächen innerhalb des Regionalplans hatte es im Rat große Diskussionen gegeben (die LZ berichtete). Thema waren auch die Naturschutzgebiete. Die Koalition aus CDU, Grünen und FDP hatte letztlich durch ihre Stimmenmehrheit einen Änderungsantrag für drei Punkte durchgesetzt. Der Knotenbereich der B 239n/B 66n in Ehrentrup beispielsweise soll demnach nicht als Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzung erweitert, das Gewerbegebiet „Oberes Land" um zehn Hektar reduziert und die Elisabethstraße nicht als Allgemeiner Siedlungsbereich ausgewiesen werden. Bereiche für den Naturschutz sollen dagegen im Ohrser Holz und und an den Stadenhauser Mergelkuhlen beibehalten werden.

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