Aus alten Brautkleidern werden Decken für Sternenkinder

Sandra Castrup

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Vanessa Pivit und Diana Friesen (von links) mit einigen Unikaten, die die Gruppe "Sternchenklee" herstellt. - © Sandra Castrup (LZ)
Vanessa Pivit und Diana Friesen (von links) mit einigen Unikaten, die die Gruppe "Sternchenklee" herstellt. (© Sandra Castrup (LZ))

Lage-Müssen. Für Vanessa Pivit ist Trauerbegleitung eine Herzensangelegenheit. Seit über einem Jahr bietet sie auch Eltern von Sternenkindern Gesprächskreise an. Jetzt hat die Müssenerin mit „Sternchenklee" ein neues Hilfs-Projekt initiiert, für das sie zahlreiche ehrenamtliche Helfer gewinnen konnte.

Das lang ersehnte Kind vor, während oder kurz nach der Geburt zu verlieren, gehört wohl zu den traurigsten Erlebnissen, die Mütter oder Väter durchmachen müssen. Manche negativen Erinnerungen verblassen auch mit der besten Trauerarbeit nicht. So wie das Erlebnis einer Betroffenen, welches Vanessa Pivit als Initialzündung zur Gründung der Aktion „Sternchenklee" beschreibt.

Ein löchriger Lappen gibt den Anstoß

„Eine junge Frau hat für ihr im Klinikum verstorbenes Frühchen um Kleidung gebeten und es war nichts anderes vorhanden, als eine Art löchriger Lappen", zeigt sich die ausgebildete Erzieherin erschüttert. Die Frage: „Was kann man tun?" ließ Vanessa Pivit nicht mehr los. Im Freundeskreis sowie per „Dorf-Funk" fanden sich schnell ein paar Frauen, die häkeln, stricken oder nähen können und die von der Idee, Familien mit Sternenkindern zu unterstützen, genauso begeistert waren und es nach wie vor sind, wie die Initiatorin selbst.

„Die Resonanz auf einen Beitrag in den sozialen Medien hat uns überwältig. Wir haben Stoff- und Wollspenden für die Herstellung von Kleidung und Trosttieren erhalten, Brautkleider zur Umwandlung in Deckchen und Kissen und sogar Geldzuwendungen", schwärmt Vanessa Pivit. Aus verschiedenen Materialien werden zudem kleine Schiffchen hergestellt, in denen die Sternenkinder beerdigt werden können. „Unser Anliegen ist es, nicht nur den Eltern eine kleine Freude zu machen, sondern auch Bestatter, Hebammen und das Klinikum zu unterstützen", ergänzt Helferin Diana Friesen und hofft dabei auf ein wachsendes Netzwerk.

„Auch Eltern, deren Verlust schon länger zurückliegt, können sich bei uns melden", sagt Vanessa Pivit, denn es werden zudem individuelle Erinnerungsstücke angefertigt. Bei der letzten Anfrage an „Sternchenklee" seien vier Tage Zeit bis zur Beerdigung gewesen, deshalb habe man noch ein personifiziertes Trost-Stofftierchen für das verstorbene Kind sowie für das Geschwisterchen beilegen können.

„Sternchenklee" braucht noch mehr Unterstützung

„Eigentlich wollten wir das Angebot auf Lippe eingrenzen, doch das erste Paket ging nach Spanien und das zweite nach Schleswig-Holstein", schmunzeln die engagierten Damen. Da für die betroffenen Eltern keine Kosten entstehen sollen, hat sich die „Sternchenklee"-Gruppe überlegt, einige Trosttierchen und andere Basteleien auf Spendenbasis im Lagenser Handel anzubieten. Die Gärtnerei Schling sowie die Bücherfee Sonja Bernsee machten bereits mit. Die Ehrenamtlerinnen sind dankbar, mit dem Verkauf etwas Geld einnehmen zu können.

„Wir brauchen noch Hilfe bei der Herstellung von Oberteilen für Frühchen", wirbt Vanessa Pivit außerdem um weitere Unterstützung. Der Trauerbegleiterin ist es wichtig, mit den Helferinnen in engem Kontakt zu stehen und ihnen wichtige Informationen zu Trauerprozessen zu geben. „Hinter jeder Handarbeit steckt eine traurige Geschichte. Das darf nicht zur Belastung werden", nennt sie den Grund, warum dieser Austausch enorm wichtig sei. Sternenkindereltern können sich jederzeit bei „Sternchenklee" melden. Zudem leitet Vanessa Pivit in Lemgo eine Trauergruppe für Betroffene.

Weitere Informationen gibt es unter www.trauerbegleitung-pivit.de im Internet.

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