Lage. Das Familienzentrum Maßbruch ist die größte Kindertageseinrichtung in Lage. Allerdings auch ein Sorgenkind, denn das 1965 gebaute Gebäude ist in die Jahre gekommen und inzwischen so weit von Schimmel befallen, dass es nicht mehr vollumfänglich genutzt werden kann. Zwei der insgesamt sechs Gruppen sind mittlerweile im Gemeindehaus der Martin-Luther-Kirche untergebracht und werden wohl vorerst auch dort bleiben müssen. Denn die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde als Eigentümerin und die Stiftung Eben-Ezer als Trägerin sehen als einzige Lösung einen Neubau. An einem anschließenden Mietmodell soll sich auch die Stadt beteiligen. Darüber allerdings ist in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses sowie im Rat intensiv diskutiert worden. Aber von vorne: Die inzwischen 60 Jahre alte Kita ist erst seit Kurzem in Trägerschaft der Stiftung Eben-Ezer. Die Kirchengemeinde hatte zuvor dem bisherigen Träger, dem Verband der Evangelischen Tagesstätten für Kinder in Lippe mit Sitz in Oerlinghausen, gekündigt. Dass die Einrichtung nicht mehr den räumlichen und pädagogischen Ansprüchen einer modernen Kita genügt, ist unterdessen nicht neu. Sie wird aber weiter benötigt, erklärt die Stadt. Und so beabsichtigen die Kirchengemeinde und die Stiftung Eben-Ezer einen Abriss und Neubau an selber Stelle. In der heutigen Zeit lasse sich der Neubau einer Kita allerdings oft nur noch als Mietmodell realisieren, so die Stadt. Seitens Eben-Ezers sei inzwischen auch ein Investor gefunden worden, namentlich wurde dieser allerdings in den Sitzungen nicht genannt. Seine Planungen habe er aber bereits vorgestellt. KiBiz-Zuschuss reicht nicht aus Ein Mietmodell für Kitas eines freien Trägers werde aktuell mit einem Mietkostenzuschuss in Höhe von 10,74 Euro pro Quadratmeter pro Monat refinanziert. Von der nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) anerkannten Miete tragen das Land und die Kommune 89,7 Prozent und der Träger 10,3. Allerdings zeigen die Erfahrungen, dass der Mietkostenzuschuss aus dem KiBiz nicht ausreicht, um die Investitionskosten abzudecken, erläutert die Stadt. Der Investor habe aber deutlich gemacht, dass er die Baumaßnahme nur umsetzen werde, wenn ein weiterer - über die KiBiz-Miete liegender Zuschuss von acht Euro pro Quadratmeter und Monat gewährt wird. Der Träger werde diesen allerdings nicht zahlen, sodass die Stadt einspringen möchte. Ohne noch genauer auf die Zahlen einzugehen, lässt sich am Ende festhalten, dass das im ersten Jahr eine Miete von 14.413,02 Euro pro Monat für die Stadt bedeuten würde. „Es gibt eigentlich nichts Wichtigeres als die frühkindliche Bildung und gute Kitas“, begann Martina Hannen (FDP) ihre Ausführungen im Hauptausschuss und rechnete anschließend vor, wie viel mehr die Stadt als der Träger im vorgeschlagenen Mietmodell investieren würde. Die Stadt zahle, wie von Fachbereichsleiter Frank Rayczik ausgeführt, acht Euro pro Quadratmeter mehr, das seien aber immerhin „zwei Fünftel des gesamten Preisbudgets, das der Investor aufruft“, so Hannen. „Das kann nicht richtig sein und wir werden das Modell so nicht mittragen“, führte die Fraktionsvorsitzende weiter aus. Noch mal im Fachausschuss beraten Die baulichen Mängel müssen beseitigt werden, fand auch Gerd Lütge (CDU), schlug aber gleichzeitig vor, „das Projekt noch mal zu überdenken“ und nach anderen Lösungen zu suchen. Wenn die vorgeschlagene Lösung die einzig mögliche sei, müsse man „in den sauren Apfel beißen“, aber möglicherweise sei das Thema zunächst besser in einem Fachausschuss aufgehoben. Bürgermeister Matthias Kalkreuter erinnerte daraufhin an das Projekt Ärztehaus, in dem ein ähnlicher Quadratmeterpreis aufgerufen worden sei, und stellte klar: „Wir haben uns nicht von einem Investor oder Träger in ein Modell drücken lassen, sondern genau gerechnet.“ Die Kita zu übernehmen sei für die Stadt keine Option, gleichzeitig habe die Kirchengemeinde aber sehr deutlich gemacht, nicht mehr in das Bestandsgebäude zu investieren. Ob es nicht die Möglichkeit gebe, ein Vergleichsgutachten einzuholen, wollte Uwe Detert (AfD) wissen. „Hier wird uns schon wieder ein Modell vorgeschlagen, das als alternativlos verkauft wird, aber in der Größenordnung muss man doch auch mal über Alternativen nachdenken“, sagte Detert. Eine Kita selbst neu zu bauen, die überhaupt nicht im Eigentum der Stadt ist, sei keine Option, so Matthias Kalkreuter. „Wir haben genug eigene Baustellen, für die Manpower und finanzielle Mittel benötigt werden“, so der Bürgermeister. „Wir sprechen von einem Gebäude, das in keiner Hinsicht zukunftsfähig sind“, sagte Ute Habigsberg-Bicker (Grüne). „Der Bedarf an Plätzen ist da und wir brauchen dort auch weiterhin eine gute Kita, um alle Kinder versorgen und attraktiv für Familien bleiben zu können.“ Er glaube nicht, dass sich ein Investor findet, der es günstiger macht, sagte Hans Hofste (SPD). „Die Stadt braucht diese Kita und wir werden das Modell, auch wenn es wehtut, mittragen“. Auf Vorschlag von Marvin Detert (AfD) wurde schließlich festgehalten, zunächst eine Ortsbegehung durchzuführen. Entscheidung wird vertagt Diese fand im Vorfeld der Ratssitzung statt, in der sich ebenfalls noch mal eine intensive Diskussion anschloss. Grüne und SPD erklärten, sich für das Mietmodell aussprechen zu wollen, die übrigen Fraktionen sahen das Thema und die Prüfung von Alternativen besser im nächsten Jugendhilfeausschuss aufgehoben, für den Aufbruch C einen umfangreichen Fragenkatalog eingereicht hatte. Da konnten auch die mahnenden Worte des Bürgermeisters, wertvolle Zeit zu verlieren, nichts mehr ausrichten. Die Entscheidung wurde vertagt. Zum Unverständnis der Grünen, die sich im Nachgang mit einer Pressemitteilung an die Redaktion wenden: „Wir sehen es als unsere Verantwortung, die langfristige Versorgung mit Kitaplätzen im Sozialraum Maßbruch zu sichern. Der Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung lässt sich nur erfüllen, wenn wir notwendige Investitionen ermöglichen. Der Mietkostenzuschuss ist dafür ein vernünftiger und tragfähiger Weg“, wird Ute Habigsberg-Bicker zitiert. Besonders positiv bewerte die Fraktion, dass durch die gesetzlich vorgesehene jährliche Anpassung der KiBiz-Miete der kommunale Zuschuss im Laufe der Zeit schrittweise sinke. Nach etwa 20 Jahren werde die KiBiz-Miete voraussichtlich die Gesamtmiete erreichen, so dass der städtische Mehrzuschuss vollständig entfällt. Der Neubau der Kita Maßbruch stärke nicht nur Familien, sondern auch den gesamten Sozialraum. „Investitionen in frühkindliche Bildung sind immer Investitionen in die Zukunft der Stadt“, finden die Grünen.