Lage. Das Gebrüder-Humboldt-Gymnasium Lage entwickelt sich und nimmt ein Stück weit Abstand vom Dalton-Konzept. Weiterhin gibt es das selbstständige Lernen, aber ab der 5. Klasse werden Leitplanken in den Kernfächern gesetzt, die Wahlfreiheit wird beschränkt, und es gibt ab der Klasse 6 ein neues Einstufungssystem. Schulleiterin Nadine Höner hat es verwundert, dass das Gymnasium im Wahlkampf zum Thema wurde. Immer wieder gab es Kritik an den geringen Anmeldezahlen, der Abwanderung von Schülerinnen und Schülern. Dabei hatte das Kollegium des Gymnasiums im vergangenen Jahr längst damit begonnen, das Dalton-Konzept zu überarbeiten. „Das muss man mit Bedacht machen, im Sinne der Kinder, Jugendlichen und Lehrer. Unser Ziel ist es, unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern, auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen“, sagt Höner. Wobei einige Falschinformationen in der Welt seien. Das Dalton-Konzept erlaube nicht, dass die Schülerinnen und Schüler alles selbst entscheiden. Die Zahl der Fachstunden sei gesetzt, nur die Entscheidung, wo und mit welcher fachlichen Unterstützung die Aufgaben erledigt wurden, sei frei gewesen. Die Lernfortschritte mussten dokumentiert werden, aber es bleibt eben auch ein „aber“, das einige Eltern abgeschreckt haben könnte, das Lagenser Gymnasium zu wählen. Es gebe eben sehr unterschiedliche Voraussetzungen: Kinder, die sehr selbstbestimmt lernen können und die, die eher Anleitung brauchen oder aber auch ermutigt werden müssen, die, die später durchstarten oder sehr gut starten, aber in der Pubertät weniger Interesse an der Schule haben - die Liste ist lang. Mehr Unterricht im Klassenverband Außerdem habe es auch im Kollegium kritische Stimmen zum Dalton-Konzept gegeben. Deshalb, so Höner, habe man Veränderungen vorgenommen. „Wenn man merkt, dass ein Konzept nicht so ankommt, wie es gedacht war, dann muss man auch den Mut haben, etwas zu verändern.“ Der Neuanfang ist gemacht, im aktuellen 5. Jahrgang gehen 62 Kinder an den Start. Sie werden engmaschiger begleitet. Mathe, Englisch und Deutsch werden jeweils 1 Stunde mehr im Klassenverband unterrichtet. Zusätzlich gibt es mit der gewohnten Fachlehrkraft eine Schulstunde Übungszeit. „Die Fachlehrkräfte können die Kinder in den Hauptfächern besser einschätzen und schneller reagieren, wenn sie Förderbedarf sehen.“ In den sogenannten Nebenfächern bleibt es wie gehabt, denn das Dalton-Konzept habe auch Vorteile. „Ehemalige spiegeln uns, dass sie im Studium sehr gut selbstbestimmt den Stoff erarbeiten können, weil sie das am Gymnasium gelernt haben“, sagt Höner. Ab der 6. Klasse bis zur Oberstufe gibt es ein Einstufungssystem, das mit den Ampelfarben funktioniert. Die Zeugniskonferenz am Halbjahresende entscheidet über den Status: Wer sehr gut selbstständig lernen kann, bekommt ein grünes Label auf der Titelseite seines Dalton-Planers. Die Kinder haben mehr Freiheit zu entscheiden, wo und wie sie lernen. Sie melden sich zum Beispiel ab und lernen draußen. „Auch das passiert unter Aufsicht und auch hier gibt es Kontrollen, ob die Aufgaben auch erledigt werden“, stellt Höner klar. Gelb sei für die Kinder, die dazwischen stehen, die sich vielleicht noch nicht präzise selbst einschätzen können oder unsicher sind. Sie planen ihre Woche in einer Tutorstunde, müssen innerhalb von zwei Wochen alle Fachlehrkräfte einmal besuchen und sich Stempel abholen und auch die Aufgaben des jeweiligen Faches vorrangig bearbeiten. Bleibt Rot, und das steht für eine engmaschigere Begleitung. Die Kinder bekommen keinen Aufkleber, dafür aber einen gebundenen Dalton-Plan von ihrer Klassenleitung und eine intensive Unterstützung. Einstufung wird fortlaufend überprüft Dass diese Farben als stigmatisierend aufgefasst werden könnten, dessen ist sich die Schulleiterin bewusst. „Man kann es aber auch als Motivationshilfe sehen. Wir halten alle Chancen offen, denn die Einstufung wird immer wieder überprüft. Es geht auch nicht um Noten, sondern darum, wie die Kinder lernen. Es können auch Kinder mit schlechteren Noten die Stufe Grün haben oder sehr gute Schüler Rot oder Gelb.“ Dass Eltern ihre Kinder oft anders einschätzten, liege in der Natur der Sache. „Kinder lernen zu Hause anders als in der Schule. Wir haben hier den direkten Vergleich.“ Die Klassenleitung entscheide nach Rücksprache mit den Fachlehrkräften der Klasse über das Auf- und Absteigen. Anhaltspunkte für einen Statuswechsel seien vermehrte Einträge - positive wie negative - im Planer, die Rückmeldungen unter den Aufgaben, aber auch Verstöße gegen die Schulordnung. Und letztlich können auch die Schülerinnen und Schüler einen Antrag auf Neueinstufung stellen. Sie bekommen dafür eine schriftliche Antragsformulierung an die Hand. Der Vorteil des überarbeiteten Konzepts sei, dass es den Eltern mehr Sicherheit gebe, wenn nach der Erprobungsstufe die Entscheidung ansteht, ob das Gymnasium die richtige Schulform ist. „Die Sorge, dass die Hauptfächer vernachlässigt werden und die Kinder im System die Orientierung verlieren, wollen wir nehmen. Wir wollen die bestmöglichen Lernbedingungen schaffen und setzen deshalb quasi Leitplanken für das Lernen.“