Lemgo. In fünf Sekunden von Null auf Hundert und eine Geschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde: Kein Problem in einem Ford Mustang V8 mit 450 PS. Doch Mark Kiefer, Klient der Lebenshilfe, hat die Möglichkeiten des Wagens nicht in Gänze ausprobiert. Für ihn war es schon ein Traum, überhaupt in einem solchen Auto zu sitzen – und vor allem, es selbst zu fahren. Dieser Traum hat sich für den 45-Jährigen vor einigen Wochen erfüllt. „Es war super", sagt er und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Er wollte immer schon ein Auto mit „richtig Pferden unter der Haube" fahren, erzählt er – auch wenn er sonst eher sparsam unterwegs ist. „Ich habe ein eigenes Auto und bin seit 1997 unfallfrei unterwegs", erzählt er. Sein Wagen allerdings sei nicht annähernd so schnell und sportlich wie der Mustang. Im Alltag fahre er eher zurückhaltend und möglichst sparsam. Und zur Arbeit bei der Lebenshilfe Lemgo gehe es für ihn sowieso mit dem Bus. Die Idee zu der Fahrt in dem rasanten Flitzer hatte Thomas Zimmermann, Mitarbeiter der Lebenshilfe im Bereich „Ambulant unterstütztes Wohnen". Er betreut Mark Kiefer und weitere Nutzer, wie die Betreuer ihre Schützlinge nennen. „Wir unterstützen die Nutzer im Alltag nach einem gemeinsam ausgearbeiteten Plan", beschreibt Zimmermann seine Arbeit, „je nachdem, in welchem Bereich Schwierigkeiten der jeweiligen Person liegen." Dazu gehöre auch die Freizeitgestaltung, und in diesem Rahmen seien auch mal besondere Aktionen wie eine Sportwagenfahrt möglich, erklärt er. Zumindest, wenn sie für die weitere Entwicklung des Nutzers sinnvoll sind. Und das sei die Mustang-Fahrt als eine intensive, körperliche Erfahrung gewesen. Ein weiterer Klient, der ebenfalls mit von der Partie war und leidenschaftlich gern Videospiele spielt, sollte so beispielsweise erfahren, wie sich die Fahrt in einem echten Sportwagen anfühlt – im Gegensatz zum Spiel.Wenn möglich, verbinden die Mitarbeiter der Einrichtung wie Thomas Zimmermann solche „Grenzerfahrungen" damit, ihren Schützlingen besondere Wünsche zu erfüllen- wie in diesem Fall. Denn beide Nutzer teilen eine besondere Leidenschaft für Autos. Mark Kiefer mag vor allem Oldtimer, doch „eigentlich interessiere ich mich für alles, was mit Autos zu tun hat", sagt er und grinst. Deshalb ist für ihn mit der Fahrt im Mustang ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen. Doch eine solche Wunschaktion muss nicht immer eine Fahrt im Sportwagen sein. Auch ein Ausflug zum Tanzen nach Detmold oder in ein Bowlingcenter kann da schon mal auf der Wunschliste stehen. Aus einer Dart-Aktion hat sich so etwa eine Dartgruppe zusammengefunden, die regelmäßig spielt. „Unser Ziel ist es, dass die Nutzer allein gut zurechtkommen und wir uns selbst quasi überflüssig machen", sagt Betreuer Thomas Zimmermann. Hilfe für ein selbstbestimmtes Leben Die Lebenshilfe Lemgo unterstützt Menschen mit Behinderung bereits seit 1964. Ziel der Einrichtung ist es nach eigenen Angaben, diesen eine bestmögliche Lebensqualität und ein selbstbestimmtes Leben zu sichern. Der gemeinnützige Verein berät Menschen mit Behinderung und deren Angehörige und setzt sich für ihre Interessen ein. Die Lebenshilfe unterhält unter anderem die Kindertagesstätte Kieselstein, Wohngruppen und Werkstätten, in dernen die Nutzer ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten gemäß arbeiten und gefördert werden.