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Lemgo

Studenten der TH OWL bereiten ihr Boot jetzt für den Gardasee vor

Lemgo. Die Jungfernfahrt ihres Segelbootes haben Studenten der Technischen Hochschule (TH) OWL auf dem Steinhuder Meer gefeiert. Das Besondere: Die jungen Menschen haben ihr Schiff selbst gebaut – vom Ruder bis zum Mast, wie die TH in einer Pressemitteilung schreibt.

Das meiste am Boot sei aus Holz gefertigt. So segele das Schiff „unter der Flagge der Nachhaltigkeit“. Mit bei der Jungfernfahrt: Professor Adrian Riegel, der das Regatta-Segelboot zusammen mit seinem Vorschoter Sebastian Plate langsam vom Ufer wegschob. Sowohl Riegel als auch Plate sind leidenschaftliche Segler und bringen somit die Erfahrung mit, die es für eine Jungfernfahrt mit so einem Boot braucht.

„Der erste Test auf dem Steinhuder Meer lief gut“, bilanziert die Hochschule. Und das sei angesichts der herausfordernden Bedingungen nicht selbstverständlich: Es gab wenig Wind, der dazu noch aus ständig wechselnden Richtungen kam. „Fährt gut“, so das Resümee von Sebastian Plate. Er hat an der Hochschule seinen Bachelor und Master im Lehrgebiet Holztechnik gemacht und ist dort jetzt wissenschaftlicher Mitarbeiter.

An ein paar Stellen will das Team nun noch nachjustieren – das sei aber normal bei so einem Bauprojekt. „Auf der einen Seite hat der Mast zum Beispiel gedreht, auf der anderen nicht“, sagt Riegel rückblickend auf einen langen Weg bis zur Jungfernfahrt.

Komplexes 3D-Modell am Computer

Im Frühjahr 2019 war Justus Doerfert, Bachelor-Student der Holztechnik, auf die Idee gekommen, ein Boot zu bauen. Aus ersten Zeichnungen per Hand entstand später mit Hilfe weiterer Studenten ein komplexes 3D-Modell am Computer. Daraufhin wurde der Prototyp gebaut. Einige Beschläge und einen Querschnitt des späteren Mastes stellen die Studenten mit Lasercutter und 3D-Drucker im FabLab der Hochschule und im SLS-Drucker der Smart-Factory OWL her. Schwert und Ruder wurden CNC-gefräst. Die meisten Bauteile aber sind aus Holz. „Anders als bei der üblichen Bau-Methode von Regattabooten entsteht so möglichst wenig Abfall“, heißt es.

Die Lemgoer haben sich damit für eine klassische Bauweise entschieden: Der Rahmen beziehungsweise das Gerüst besteht nur aus wenigen Millimeter dicken Sperrholzplatten, die geschlitzt in einander gesteckt wurden. Für den Boden des Rumpfes hatte ein Student Spezial-Planken entwickelt. In dem Boot sind auch Hölzer verbaut, die normalerweise nicht im Schiffbau verwendet werden. Die hat das Team durch Klebstoffe so behandelt, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann.

Das fertige Boot ist etwa viereinhalb Meter lang, zwei Meter breit und hat eine Segelfläche von etwa 30 Quadratmetern. Weil Regatta-Boote schnell und leicht sein müssen, sollte das Skiff nicht mehr als 100 Kilo wiegen. Die Materialkosten schätzt das Team auf 9000 Euro. Dazu kommen noch viele, viele Stunden Arbeitszeit der etwa 60 Studenten, die sich in Studium und Freizeit engagierten.

Ursprünglich sollte das Rennboot diesen Sommer beim Vela Cup antreten. Bei dieser Regatta auf dem Gardasee dürfen nur Boote an den Start gehen, die mindestens zu 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut sind. Die Auflage hätten die Lemgoer erfüllt, doch der Cup wurde wegen Corona kurzfristig abgesagt. So bleibt dem Team nun mehr Zeit, das Boot auf Herz und Nieren zu prüfen und für einen möglichen Regatta-Start 2021 fit zu machen.

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