Idee für Lemgoer „Campus-Steg“ droht der Schiffbruch

Till Brand

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Hans-Eckhard Buschmeier und Jürgen Georgi vom BUND wenden sich gegen die Befestigung der Wege und den Bau der Steganlage im Wäldchen. - © Till Brand
Hans-Eckhard Buschmeier und Jürgen Georgi vom BUND wenden sich gegen die Befestigung der Wege und den Bau der Steganlage im Wäldchen. (© Till Brand)

Lemgo. Der Steg durch das so genannte Campus-Wäldchen wackelt gewaltig. Dem Widerspruch des Umweltverbandes BUND sowie der Grünen-Ratsfraktion werden sich Montag im Hauptausschuss auch die SPD und Bürger für Lemgo (BfL) anschließen. Damit stünde die hauchdünne Mehrheit, die umstrittene Ertüchtigung des Pfades durch das Feuchtbiotop an den alten Tonkuhlenteichen abzulehnen.

Sinn des Projekts, das im Masterplan für den Innovation Campus sogar noch den weitergehenden Eingriff in Form einer Art Amphitheater vorgesehen hatte, ist nach Erklärung von Landschaftsarchitekt Nils Kortemeier vom Herforder Büro Kortemeier und Brokmann, Menschen zwischen Stadt und Campus in Bahnen zu lenken. „Der Verkehr wird zunehmen", zeigt sich Kortemeier überzeugt. „Mit vielen neuen Ansiedlungen wird der Campus zunehmend zum attraktiven Zielpunkt." Eine Kanalisierung tue deswegen Not.

Trampelpfade im „Wäldchen" gibt es bereits, meint Kortemeier. Die zwischenzeitlich angedachte Beleuchtung sei außerdem vom Tisch, weshalb von einem „minimalinvasiven Eingriff" mit kleinen Fundamenten die Rede sein könne. Unter dem Steg könne sich die Tier- und Pflanzenwelt dann weitgehend ungestört entwickeln. Das glauben die Grünen und glaubt der BUND indes nicht.

Der Steg (rot) wird wohl gekippt. Fragt sich noch, ob die übrigen Wege (gelb) ertüchtigt werden.  - © NRW-Geobasisdaten, Till Brand
Der Steg (rot) wird wohl gekippt. Fragt sich noch, ob die übrigen Wege (gelb) ertüchtigt werden.  (© NRW-Geobasisdaten, Till Brand)

Angst vor Müll und Unruhe

Wenn die momentan im Winterhalbjahr noch matschigen Wege attraktiver für Fußgänger werden, ziehe das die Menschen an – damit auch Müll und Unruhe. Eine Belastung für Tiere und Pflanzen, kritisiert der BUND.

Nils Kortemeier hingegen glaubt, dass ein schmaler gepflasterter Weg und ein Steg mit klarer Wegeführung besser sind als Wildwuchs, wo jeder geht und steht, wo er will. Eine Argumentation, die nach ihren internen Beratungen SPD und BfL nun auch nicht mehr mitgehen. Die Fraktionschefs Alexander Baer (SPD) und Wolfgang Sieweke (BfL) kündigen gegenüber der LZ an, den Grünen beizuspringen.

Als Entscheidung für das Biotop, aber nicht gegen den Campus als das Lemgoer Zukunftsprojekt wolle er die Abkehr vom Steg als Detail des Masterplan verstanden wissen, sagt Baer. „Hinter dem Campus stehen wir doch alle. Bei Einzelheiten haben Politiker aber auch das Recht, ein zweites Mal nachzudenken."

"Der ganze Wald ist schützenswert"

Ein alter Schaufelradbagger erinnert an die Historie der ehemaligen Tonkuhlenteiche. Auch im Bereich des Wäldchens wurde einst der Rohstoff abgebaut.


 - © Till Brand
Ein alter Schaufelradbagger erinnert an die Historie der ehemaligen Tonkuhlenteiche. Auch im Bereich des Wäldchens wurde einst der Rohstoff abgebaut. (© Till Brand)

So möchte die SPD nach Worten ihres Fraktionsvorsitzenden noch diskutieren, wie das restliche Wegenetz rund um Wald und Teiche – ohne Steg – aussehen könnte.

Die BfL mit ihrem Chef Sieweke legt sich dazu schon fest: Für sie darf auch der Weg zwischen Wäldchen und Teichen, den die SPD noch für diskutabel hält, „nicht gepflastert werden", sagt Sieweke. „Der ganze Wald ist laut Biotopkataster als schützenswert einzustufen."

Bleibt die Frage, ob der Regenrückhaltewall nördlich der Mulde als Verbindung zum Steinstoß genutzt werden könnte. Aber hier sind die Eigentumsverhältnisse in Teilbereichen wohl ein Problem.

Tennisclub in Sorge vor ungebetenen Besuchern

Zu Wort meldet sich auch der Tennisclub Blau-Weiß, der von der Achse betroffen wäre, da er nördlich der Teiche seine Anlage betreibt. „Wenn der Weg besser begehbar gemacht wird, kommen automatisch mehr Leute am Vereinsgelände vorbei", sagt Pressewart Michael Koderisch. Oder sie laufen quer hindurch.

Schwer vorstellbar, findet Koderisch – sowohl während des Sport-, aber auch Gastronomiebetriebes. „Die Bedienung, die mit den Getränken zu den Tischen flitzt – und dazwischen Radfahrer?", formuliert Koderisch seine Sorge. Ein Zaun sei dann das Mindeste. An Gerüchten, der TC sei sogar Initiator der Idee, den Weg auszubauen, sei nichts dran, stellt der Pressewart klar.

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