Ideenschmiede mit Roboter-Barista: Das CIIT hat große Pläne

Till Brand

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Geschäftsleiterin Anja Moldehn und Vereinsvorsitzender Professor Jürgen Jasperneite gehen der Zukunft des Centrum Industrial IT (CIIT) mit Optimismus und Tatendrang entgegen. - © Till Brand
Geschäftsleiterin Anja Moldehn und Vereinsvorsitzender Professor Jürgen Jasperneite gehen der Zukunft des Centrum Industrial IT (CIIT) mit Optimismus und Tatendrang entgegen. (© Till Brand)

Lemgo. Das Centrum Industrial IT (CIIT) auf dem Lemgoer Innovation-Campus lebt ausgerechnet das, was in der Corona-Zeit mal so gar nicht en vogue war: den lockeren Austausch am Kaffee-Automaten, gemeinsames Pläneschmieden unter Kollegen, gern auch über Firmengrenzen hinweg. Ging doch bis zuletzt alles hauptsächlich online, um dem Virus nicht noch Vorschub zu leisten.

Auch das CIIT als lebendiger Ort des Austauschs und der Innovation hat daher ruhige Monate und leere Büros gesehen. Jetzt aber, sind Geschäftsleiterin Anja Moldehn und Vereinsvorsitzender Professor Jürgen Jasperneite überzeugt, werde der Prototyp für die Verzahnung von (regionaler) Wirtschaft und Wissenschaft wieder durchstarten.

Verluste auf dem Weg durch die Pandemie gab es im CIIT allerdings auch, wie Jasperneite einräumt: Das Unternehmen Bosch Rexroth (Stuttgart) hat sich aus dem Lemgoer Science-to-Business-Center zurückgezogen. Der CIIT-Vorsitzende spricht mit Blick auf Bosch Rexroth von einer „Vorstandsentscheidung, alle dezentralen Aktivitäten im neuen Innovationszentrum in Ulm zu konzentrieren“. Auf der Streichliste habe demnach auch die alte Hansestadt gestanden, wo Bosch Rexroth unter anderem am Einsatz von Augmented Reality in der Montage forschte. Eine Idee made in Lemgo, die nun vom Unternehmen zu Geld gemacht werden soll und auf der Messe „Bosch ConnectedWorld“ in Berlin vorgestellt worden ist.

Drei neue Partner

Gleichwohl: Die Mitarbeiter, die für Bosch Rexroth in Lemgo waren, hat das CIIT vor Ort halten können – in anderen Unternehmen und Projekten. Zudem gibt es gleich drei neue Partner: den hessischen Automatisierungs-Spezialisten Hilscher, den international tätigen Schweizer Technologiekonzern Stäubli und den Kölner IT-Sicherheitsspezialisten RT Solutions. Außerdem hat das CIIT ganz aktuell Verträge mit einem überregional tätigen Anbieter von Co-Working-Arbeitsplätzen abgeschlossen, der bis zum Sommer Flächen im Gebäude an der Campusallee einrichten und dann anbieten will – für Unternehmen, die sich auf Zeit im CIIT engagieren möchte, aber auch für Start-ups, Gründer und Freiberufler.

Wenn sie und die CIIT-Partner künftig den lockeren Plausch beim Kaffee suchen, können sie den aus ganz besonderer Hand empfangen: In der großen Halle hat das CIIT, passend zu seinem Forschungsschwerpunkt, einen selbst entwickelten Roboter-Barista aufgestellt, der schon bald das weltweite Heißgetränk Nummer eins servieren soll. Anja Moldehn: „In erster Linie ist er für uns ein Eyecatcher, denn die menschliche Hand ist beim Zubereiten von Kaffee momentan einfach noch schneller.“ Doch die Zukunft hat schon oft klein angefangen ...

Campus soll „Industriegebietscharakter“ verlieren

Apropos klein anfangen: Nach Einschätzung von Jürgen Jasperneite ist das CIIT die Keimzelle für die aktuelle Entwicklung auf dem Innovation-Campus mit den großen Investitionen beispielsweise in den „Spin“ und die Smart-Food-Factory. Letztere soll die „SmartFactoryOWL“ von Fraunhofer und der Technischen Hochschule OWL im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus erfolgreich auf die Nahrungsmittelbranche übertragen. Jasperneite nicht ohne Stolz: „Ich sehe uns da als Blaupause.“ Wichtig sei nun, dass der Campus seinen „Industriegebietscharakter“ verliere und durch die städtischen und geförderten Investitionen in die Infrastruktur (Boulevards, Plätze, Wiesen ...) auch zu einem für die Nutzer und die Lemgoer attraktiven Stadtviertel werde.

Mit dieser Idee, die am Regionale-Tag am 1. Mai wohl das erste Mal im großen Rahmen erfahrbar wird, schlägt CIIT-Chefin Anja Moldehn auch den Bogen zu „New Work“, also der neuen – modernen? – Form des Arbeitens. Vier, fünf Jobs oder Projekte gleichzeitig und weltweit, gemeinsames Arbeiten über Unternehmensgrenzen hinweg – all das dank moderner Technik virtuell und in Präsenz: „Ich denke, so wird es kommen“, sagt Moldehn mit Blick auf die rasante Entwicklung, die Corona noch beschleunigt habe. Für Arbeitgeber, die Sicherheit und Engagement von ihren Mitarbeitern brauchen, werde diese Situation nicht immer einfach. Umso wichtiger, dass Lemgo ein Angebot mache, das man schwer ausschlagen könne: gut arbeiten und gut leben. „Für diese Idee wollen wir als CIIT eine Bühne sein“, sagt Jasperneite.

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