Lemgo. Uriel war das jüngste Opfer der Nazi-Barbarei der 1940er-Jahre gegen die Familie Frenkel. Gerade mal 17 Monate alt, wurde der Lemgoer Junge zusammen mit seinen Geschwistern, Eltern und Großmüttern 1942 über Bielefeld in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Zwei Jahre später schickten ihn die Nazis wahrscheinlich direkt nach der Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ins Gas.
Ein großes Foto mit angeschlossener Biographie erinnert an das traurige Schicksal Uriels - der nur drei Jahre alt werden durfte -, präsentiert an der Wand der Durchgangs-Passage von der Echternstraße 70 in den Innenhof des Frenkel-Hauses. Dort halten die großformatigen Bilder die Erinnerung an die jüdische Familie Frenkel wach, zu der auch Karla Raveh gehörte.
Sara Elkmann, Mitarbeiterin der Gedenkstätte in der Echternstraße 70, führte rund 30 Besucher in die neue Ausstellung ein. Die Fotogalerie ergänzt die „Stolpersteine“ vor der Haustür auf anschauliche und eindringliche Weise. Die Bilder sind nämlich mit kompakten Darstellungen der jeweiligen Lebensgeschichten auf Tafeln kombiniert, die der Betrachter am Bildrand herausziehen kann.
Ein kleiner Sonnenschein
So erfährt er zum Beispiel, dass Karla Raveh, geborene Frenkel, damals angesichts der prekären Lage, in der sich die Familie durch den Nazi-Terror befand, „aufschnappte“, dass die Verwandten von der Geburtsnachricht „nicht begeistert“ waren und Bedenken äußerten: „In so einer schweren Zeit ein Kind?“ – Aber dann folgt der Nachsatz: „Dieser kleine Junge brachte aber Sonnenschein ins Haus, und die Gemüter beruhigten sich.“
Ein kleiner Sonnenschein war Uriel also in den drei Jahren, die er leben durfte. Dazu passt Karla Ravehs weitere Beobachtung. Da die Großmutter oft krank war, mussten Karla und ihre zwei kleinen Brüder zusehen, wie sie etwas in den Magen bekamen. „Der kleine Uriel mit den blonden Locken lief mit seinem Blechschüsselchen herum und stellte sich bei jeder Schlange nach Essen mit an.“
Name war Vorgabe der Nazis
Nicht alle Stationen zeigen ein Portrait-Foto. Von einigen Familienmitgliedern gibt es einfach keine Abbildung. Aber wenigstens ein Stück Biographie. Die Großeltern Louis und Laura stehen an der Spitze des Stammbaumes; 15 Personen mussten insgesamt auf engstem Raum im kleinen „Judenhaus“ Platz finden, das die Nazis der Familie zugewiesen hatten. Nur Karla Raveh und Helene Rosenberg überlebten am Ende die Tortur im Konzentrationslager.
Den jüdischen Namen „Uriel“ für ihr viertes Kind hatten die Eltern nicht aus freien Stücken gewählt. Die Nazis gaben mögliche Namen für jüdische Kinder mit einer Namensliste vor. Am häufigsten erzwungen auch bei den Erwachsenen: Israel und Sara.
Charisma Boos steuerte mit ihrer schönen Stimme – begleitet von Gitarrenspiel - Songs zur Ausstellungseröffnung bei, die zur besinnlichen Atmosphäre der Veranstaltung beitrugen. „Ich habe Stücke rausgesucht, die zum Thema passen, wollte aber Trauermusik vermeiden“, erläutert sie. Vorher hatte die Gästeführerin Liesel Kochsiek-Jakobsfeuerborn Besuchern die Stationen des jüdischen Lebens in Lemgo nahegebracht. Dieser wird von „Lemgo Marketing“ angeboten.