Lemgo. Der Wohnraum wird immer knapper. Einer aktuellen Prognose des Bundesinstitutes Bau-, Stadt- und Raumforschung zufolge gibt es bis 2030 einen jährlichen Bedarf von 320.000 Wohnungen. Doch nur ein Bruchteil davon wird gebaut. Die Folgen davon sind auch in Lemgo deutlich zu spüren. Die Stadt will jetzt unter anderem mit einer Wohnbaugenossenschaft reagieren. Dafür hat sie bereits ein Areal im Neubaugebiet am Oberen Pahnsiek im Blick. Auf einer Fläche, die bislang in Gänze an einen Investoren vergeben werden sollte, könnten drei Grundstücke für die Wohnbaugenossenschaft genutzt werden. Gut 50 Wohneinheiten, großteils im Sozialen Wohnungsbau, könnten dort in Mehrfamilien- und Reihenhäusern entstehen, wie Bürgermeister Markus Baier auf Nachfrage erklärt. Die andere Hälfte der Fläche würde weiterhin einem Investoren vorbehalten, der dann ebenfalls in Teilen sozialen Wohnungsbau, unter anderem auch für ältere Menschen, umsetzen könnte. Bausektor liegt auch in Lemgo flach Ersten Plänen zufolge würde die Wohnungsbaugenossenschaft zunächst von drei Mitgliedern gegründet: der Stadt, den Stadtwerken und der Pyramis Immobilien Entwicklungsgesellschaft, die bereits an anderen Baugenossenschaften beteiligt ist. Die Stadt würde als Einlage die drei städtischen Grundstücke vom Neubaugebiet Oberer Pahnsiek/Am Stiftsland einbringen. Damit könnten Investitionen selbst oder über Fremdkapital getragen werden. Aufgabe der Genossenschaft sei es dann, vorrangig geförderten und sozialen Wohnraum zu schaffen. Damit hofft die Verwaltung, den Wohnungsmarkt in der alten Hansestadt zu entlasten. Denn generell passiere im Bausektor auch in Lemgo derzeit relativ wenig, wie Bürgermeister Baier erklärt. Entstanden in den vergangenen Jahren durchschnittlich 100 bis 150 Wohneinheiten in der alten Hansestadt, so würde derzeit lediglich ein Drittel davon gebaut. Auf den wachsenden Bedarf an Wohnraum hatte bereits 2018 das Handlungskonzept Wohnen hingewiesen. Etwa 50 Wohneinheiten pro Jahr seien nötig, um der Nachfrage bis 2035 zu entsprechen, hatte das beauftragte Büro damals festgestellt. Vor allem bezahlbarer Wohnraum sei gefragt, schließlich hätten auch in Lemgo etwa 40 Prozent der Einwohner, inklusive Mittelstand und Rentnern, ein unterdurchschnittliches Einkommen. Geförderte Wohnungen fallen aus der Bindung In Lemgo gibt es knapp 1330 geförderte Mietwohnungen (Stand 2023), damit 55 weniger als noch 2020. Die Verwaltung geht zudem davon aus, dass in den kommenden Jahren bis zu 50 Prozent der Wohnungen aus der Preisbindung fallen und damit teurer würden. Um den Mangel aufzufangen, hat die Stadt unter anderem die verpflichtende Vorgabe für Investoren eingeführt, ab einer bestimmten Größe bei Neubaugebieten auch sozialen Wohnungsbau umzusetzen. Mit der geplanten Wohnungsbaugenossenschaft hat die Stadt aber nicht nur Familien oder Senioren im Blick, sondern vor allem auch Studierende der TH OWL und Auszubildende. Während viele Studenten der Hochschule aus dem Umfeld aus Kostengründen bei den Eltern und/oder in ihrer Heimatkommune wohnen blieben, hätten vor allem Studierende aus dem Ausland große Schwierigkeiten, in Lemgo Wohnraum zu finden, so die Verwaltung. Dabei würden allein über den bilingualen Bachelor-Studiengang General Engineering, den die TH seit 2024 anbietet, auf längere Sicht etwa 100 Einschreibungen pro Jahr erwartet. Ohne passenden Wohnraum aber gebe es letztlich wenig Chancen, diese jungen Menschen mit ihrem Potenzial auch vor Ort zu halten. Umsetzung schon im kommenden Jahr? Die Politiker müssen jetzt über die Pläne beraten und die Verwaltung hofft, noch im Oktober die Gründung der Genossenschaft im Rat beschließen zu können. Dann würde es gegebenenfalls bereits Ende 2026 in die Umsetzung gehen. Zwar gibt es noch keine konkreten Pläne für die Häuser, doch die Erschließungsarbeiten für das größte Lemgoer Neubaugebiet am Oberen Pahnsiek mit rund 200 Wohneinheiten sind bereits gestartet. Vermutlich im Herbst diesen Jahres soll es an die Vermarktung der übrigen Grundstücke gehen. Beispiele für Wohnungsbaugenossenschaften mit kommunaler Beteiligung gibt es unter anderem in Detmold (Breitenfelde mit 127 Wohneinheiten, Britensiedlung mit 44 Reihenhäusern), in Bad Salzuflen (Wohnen in Bad Salzuflen,16 Wohneinheiten) oder auch in Horn-Bad Meinberg (Kommunale Immobiliengesellschaft Horn-Bad Meinberg, 3 Bestandsimmobilien).