Lemgo. Florian Kehrmann, seit Dezember 2014 Chefcoach des Handball-Bundesligisten TBV Lemgo Lippe, freut sich schon auf die neue Saison. Der 48-Jährige sagte bei einem LZ-Besuch im Pressecenter der Phoenix-Contact-Arena, dass es sein Ziel sei, „von Beginn an vor ausverkauftem Haus“ die Heimspiele zu bestreiten. Zum Auftakt kommt mit dem SC Magdeburg (Freitag, 29. August, 20 Uhr) gleich ein Aushängeschild des deutschen Handballs in die Hansestadt: „Mit den Fans im Rücken spielt meine Mannschaft eine Klasse besser, dann dürfen sich alle auf ein geiles Spiel freuen. Ob es dann zu Punkten reicht, werden wir sehen.“ Der dienstälteste Trainer der Handball-Bundesliga, der als Spieler 15 Jahre mit der Nummer 15 für den TBV auflief, sprach zudem über folgende Themen. Die Statistiken der vergangenen Serie: „Ich bin schon ein Zahlenmensch und ziehe daraus meine Schlüsse. Aber eine Statistik kannst du so oder so lesen. Wir stellten beispielsweise eine der besten Abwehrreihen der Liga, hatten aber auch nicht so viele Angriffe“, meinte der Coach. Das bedeute ja nicht, „dass wir im Angriff eine schlechte Truppe waren. Wir haben hier präzise agiert.“ Am Ende sei Handball ein Ergebnissport: „Platz acht erreichten wir mit herausragenden 39 Punkten. Das ist das, was zählt. In der Serie davor holten wir nur 28 Punkte und belegten Platz zehn.“ Entsprechend sei es eine „sehr, sehr gute Saison mit vielen Höhepunkten und ein paar Rückschlägen“ gewesen. Das stellte Kehrmann heraus: „Die Jungs brachten die Mentalität auf die Platte, die ich von ihnen einfordere. Die Zuschauer waren ein entscheidender Faktor. Uns ist es gelungen, die Fans zu begeistern, entsprechend sind wir begeistert gewesen. Der berühmte Funken sprang über, die Tickets für die Spiele waren stets sehr schnell weg.“ Ausgezeichnet habe sein Team, „dass wir sehr flexibel waren“. Dies gelte für die Abwehr, „wo wir durch Wechsel im Innenblock Spiele auf unsere Seite zogen“, das Sieben-gegen-Sechs und auch die Variante mit dem vierten Rückraumspieler: „Während der Saison hat sich die Mannschaft weiter entwickelt.“ Zugänge erwähnen immer wieder, dass die Gespräche mit dem Coach entscheidenden Einfluss auf ihre Entscheidung für den TBV hatten. Das steckt dahinter: „Wir haben mit die besten Trainingsbedingungen in der Bundesliga, sind professionell und familiär. Die Spieler müssen keine weiten Wege zurücklegen. Wir haben des Weiteren eine tolle Halle, es herrscht nie Stillstand– das sind alles Dinge, mit denen wir werben können“, erläutert der ehemalige Weltklasse-Rechtsaußen. Die neuen Gesichter beim TBV: Jan Mudrow (18) sei das Nesthäkchen: „Er ist ein großes Talent, ich bin froh, ihn in unseren Reihen zu haben. Jan muss die Lemgo-DNA aufsaugen und umsetzen. Es geht darum, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, der Schritt von der dritten in die erste Liga ist ein großer.“ Den Schweden Adam Nyfjäll (32) beschreibt Kehrmann als „erfahrenen Bundesliga-Spieler und vorbildlichen Profi, der eine klare Meinung hat und sie auch vertritt“. Seine Spielintelligenz zeichne ihn „vorne und hinten“ aus: „Wir brauchen einen guten Mix aus jungen und älteren Spielern.“ Über Joel Willecke (21) sagt der Lemgoer Trainer: „In der Schweizer Liga hat er es sehr, sehr gut gemacht und er kam auch zu den ersten Einsätzen in der Nationalmannschaft. Bisher ist Joel etwas ruhiger, aber sehr ehrgeizig. Und er bringt Härte rein.“ Willecke habe mit seinen 2,04 Metern „unglaublich lange Beine und Arme. Seine Größe wollen wir für Anspiele nutzen.“ Den Kader: „Im Kern ist er zusammen geblieben, ja, das war auch unser Ziel! Aber wir müssen drei Spieler in unsere Abläufe einbinden. Die Bundesliga ist unglaublich spannend und ausgeglichen. Wir bleiben weiter demütig, es läuft nichts von alleine. Das haben wir in der vergangenen Saison ja selber im Pokal erlebt. Unser Ziel ist es, auch 2026/2027 in der ersten Liga zu spielen.“ In der Abwehr sei der Kader nun flexibler: „Darüber wollen wir unser Tempospiel verbessern.“ Der erste Eindruck vom Team 2025/2026: „Es ist sehr schön, dass alle 15 Kaderspieler alles machen können. Okay, ein, zwei Jungs haben ein paar Wehwehchen, sie müssen aber nicht pausieren. Ich hoffe, dass das so bleibt. Die Ergebnisse der Leistungsdiagnostik sind gut. Nun gibt es die intensivsten Wochen der Vorbereitung, wir können voll durchstarten.“ Die Brosch-Nachfolge: „Wir sind da sehr flexibel, haben mit Adam und Joel zwei Innenblocker dazu bekommen“, freut sich Kehrmann, der in der vergangenen Saison auf Simak, Hutecek, Wagner und Brosch (nun wieder ASV Hamm-Westfalen) als zentrale Abwehrspieler setzte: „Hutecek können wir auch auf die Halbposition schieben, da kann er Kräfte für den Angriff schonen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wagner und Nyfjäll schon in Wetzlar erfolgreich zusammen spielten. Da sind Automatismen vorhanden. Allgemein gilt: Für ein funktionierendes Abwehrsystem brauchen wir viel Kommunikation, und es ist reichlich Trainingsarbeit nötig.“ Den Deutschen Meister 2026: „Ich tippe, es wird der SC Magdeburg.“ Testspiel gegen Hannover-B. „Das größte Handball-Event, das es jemals in Borken gab, steht vor der Tür. Mit zwei hochwertigen Spielen in der Mergelsberg-Sporthalle ist es ein Event, das hervorragend zur 800-Jahr-Feier der Stadt Borken passt.“ Das steht auf der Homepage des TV Borken, der für zwei Spiele wirbt. Am Donnerstag trat der TV gegen TSV Hannover-Burgdorf an, am heutigen Freitag kommt es zum Duell des TBV Lemgo Lippe mit Hannover-B. Anwurf ist um 17 Uhr. Für die Lipper ist es nach dem 38:24 gegen SF Loxten das zweite Testspiel zur Vorbereitung auf die neue Saison.