Lemgo. Immer wieder kommt es auf der Hamelner Straße (B 66) zwischen Lemgo und Dörentrup zu Unfällen - zuletzt Ende vergangenen Monats in Höhe des Erdbeer-Verkaufsstandes. Während der Saison gilt dort Tempo 50. Aber reicht das aus? Petra Schäferkordt vom gleichnamigen Obsthof wünscht sich jedenfalls mehr Geschwindigkeitsüberwachungen. Sie hat Angst um ihre Existenz. „Das ist wirklich eine Rennstrecke. Die sitzen dir schon auf der Stoßstange, wenn du dich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hältst. Ich bin mit dem Sprinter selbst vor der Kuppe nach Dörentrup schon überholt worden - trotz durchgezogener Linie“, berichtet Schäferkordt von ihren Erfahrungen. Schäferkordts müssen Schilder anbringen Sonntag vor einer Woche haben sie und ihr Mann die Schilder mit Tempo 50 und dem Zusatz „Gefährliche Ausfahrt“ für beide Fahrtrichtungen abgenommen, denn die Erdbeer-Saison ist vorbei. „Wir tragen dann immer Warnwesten. Mein Mann muss auf die Leiter und ich halte sie fest. Da sausen trotzdem die Autos an uns vorbei“, beschreibt die Lemgoerin die Situation. Die Schilder seien eine Auflage, nachdem es vor rund 15 Jahren einen tödlichen Unfall im Bereich der Abfahrt zu ihrem Erdbeerfeld samt Häuschen an der Hamelner Straße gegeben hat. „Die Unfallkommission wollte unseren Stand damals schließen. Aber das ist unser bester. Falls der wegfällt, wäre das existenzbedrohend“, verdeutlicht Schäferkordt die Situation. Dank einer Unterschriften-Aktion sei der Kompromiss mit den Schildern getroffen worden. Viele Jahre ist es gut gegangen an der Hamelner Straße. Doch jetzt der erneute Unfall, bei dem zwar vier Fahrzeuge beteiligt waren, aber nur eine Person leicht verletzt wurde. Bei Familie Schäferkordt weckt das die Angst, dass sie ihren Stand doch noch schließen müssen. „Es hält sich einfach kaum einer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen - nicht mal an Tempo 70. Ich würde mir wünschen, dass dort häufiger geblitzt wird“, sagt Petra Schäferkordt. „Nicht auffällig viele Unfälle“ Laut Verkehrsunfallstatistik handelt es sich bei der Hamelner Straße nicht um eine sogenannte Unfallhäufungsstelle - sie war es aber mal im Jahr 2016. Solch eine Unfallhäufung liegt vor, wenn ein bestimmter Wert gleich gelagerter Unfälle mit Getöteten, Verletzten oder schwerem Sachschaden in einem bestimmten Zeitraum überschritten wird. Die Unfallkommission, bestehend aus Mitgliedern der Straßenverkehrs-, Straßenbau- und Polizeibehörde des Kreises Lippe, versucht dann unfallbegünstigende Faktoren zu erkennen und auszuschalten. Im Fünf-Jahres-Vergleich sind laut Polizei „nicht auffällig viele Unfälle zu verzeichnen“. Im Abschnitt zwischen der Vogelhorster Straße und der Straße Hopfenfohr gab es seit 2021 acht Unfälle, davon vier in direkter Nähe zum Erdbeer-Stand. Es gab dabei einen Schwerverletzten bei einem Abbiegeunfall im Oktober 2022 und einen weiteren, der im Juli vergangenen Jahres von der Fahrbahn abkam. Diverse Fahrfehler, wie nicht Beachten des Vorrangs, führten zu den Unfällen. Weiter in Richtung Dörentrup gab es übrigens 13 Unfälle im gleichen Zeitraum. Bei drei Unfällen wurden laut Polizei insgesamt fünf Personen schwer verletzt. Vom letzten schweren Unfall im Juni zeugt noch immer ein kaputter Zaun entlang des Geh- und Radweges. In acht Fällen war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache.