Lemgo. Die Traditionsgeschäfte haben es Dr. Imke Tappe-Pollmann angetan. Die Unternehmen, die Lemgo im Kleinen und im Großen über Jahrzehnte prägten. Viele gibt es nicht mehr, immer mehr dieser alt eingesessenen Unternehmen haben aufgegeben: Ob Schlingmann, Burre, die alte Gärtnerei Kaufmann oder auch Käse Deppe. Sie alle haben Spuren hinterlassen und manche - wie etwa Feinkost Räker - sind noch immer da. Imke Tappe-Pollmann will die Geschichte dieser Lemgoer Institutionen ergründen und für die Nachwelt festhalten. Dafür sucht sie Gleichgesinnte und hat den Arbeitskreis Stadtgeschichte des Vereins Alt Lemgo neu belebt. In Kooperation mit der VHS Lemgo ruft sie Interessierte auf, den Lemgoer Traditionsunternehmen nachzuforschen. „Lemgo erlebt gerade eine extreme Veränderung“, sagt die vormalige Referentin für Volks- und Landeskunde im Lippischen Landesmuseum Detmold, die ganz frisch im Oktober in Rente gegangen ist. Traditionsgeschäfte verschwinden, das Stadtbild verändere sich, aber - und das sei die gute Nachricht - es gebe noch viele Zeitzeugen, die von diesen Unternehmen berichten können. Auf sehr großes Interesse gestoßen Und das Interesse an eben dieser Lemgoer Zeitgeschichte ist groß, wie sie erfahren hat: Im vergangenen Jahr hat sie in Kooperation mit dem Generationenbeirat der Stadt Vorträge zu Lemgoer Traditionsbetrieben gehalten. Und der erste kam gleich so gut an, dass sie nachgeliefert hat. Dabei haben sich die Zuhörer aktiv eingebracht, viele konnten eigene Erinnerungen oder Erfahrungen beitragen und die Aufzeichnungen damit bereichern. Und es ist eben dieser persönliche Bezug, auf den Imke Tappe-Pollmann auch bei den Treffen im Arbeitskreis hofft. „Dabei geht es darum, historisch zu arbeiten, auf der anderen Seite aber auch Zeitzeugen zu befragen.“ 15 Teilnehmer habe sich für die Termine bis Ende Dezember bereits angemeldet. Sie treffen sich alle zwei Wochen im Vereinshaus von Alt Lemgo an der Breiten Straße. Dabei verzichtet die Arbeitskreisleiterin bewusst auf Vorgaben, sondern setzt auf das persönliche Interesse der Teilnehmer. „Gemeinsam wählen wir einzelne Betriebe aus, die wir erforschen werden“, erklärt die Historikerin, ob Möbelindustrie, die alte TEKA, die Buchhandlung Weege, das Sportgeschäft Ruthe oder auch Handwerksbetriebe - die Auswahl ist groß und natürlich sind da auch noch Traditionsbetriebe, die weiterhin ihre Produkte anbieten, wie etwa das Spielwarengeschäft Niehaus oder auch Feinkost Räker. Anleitung auch im Stadtarchiv Geplant sind auch Besuche im Stadtarchiv; Archivquellen, Hausgeschichten und Zeitzeugeninterviews sollen helfen, ein Stück Lemgoer Kultur- und Zeitgeschichte aufleben zu lassen und damit zu bewahren. Im Arbeitskreis werden die Ergebnisse und das weitere Vorgehen besprochen, es gibt Tipps und Hilfen. Ziel ist es letztlich, die Ergebnisse in einem der „Gelben Hefte“ des Vereins Alt Lemgo zu sammeln und zu präsentieren. Damit leben die „Gelben Hefte“ wieder auf, die sich über Jahrzehnte großer Beliebtheit erfreuten und ganz unterschiedliche Themen Lemgoer Geschichte bis hin zur Rezeptsammlung umfassen. Die letzte Veröffentlichung liegt schon etwas zurück, auch weil der Arbeitskreis Stadtgeschichte nach Corona und mit dem Weggang von Stadtarchivar Marcel Oeben, der den Arbeitskreis des Vereins Alt Lemgo zuletzt leitete, zunehmend in den Dornröschenschlaf verfiel. Daraus will ihn Dr. Imke Tappe-Pollmann jetzt erwecken und freut sich darauf, die Lemgoer Kulturgeschichte mit vielen Interessierten weiter zu ergründen. So geht es weiter Wer dabei sein möchte, der meldet sich bitte beim Vereinsvorsitzenden Hans-Otto Pollmann per Mail unter hans-otto.pollmann@gmx.de. Der Arbeitskreis Stadtgeschichte „Unternehmen, Betriebe und Geschäfte - Geschichte(n) aus dem alten Lemgo“ trifft sich alle zwei Wochen. Der nächste Treff ist am Mittwoch, 22. Oktober, 17 bis 18.30 Uhr, im Vereinshaus Alt Lemgo, Breite Straße 7, geplant.