<p data-end="907" data-start="410">Lemgo. Mit einem Theaterstück, das tief berührt und lange nachwirkt, hat das Ensemble von Regisseur Sascha Dücker am Montag das Stück „Zeitspiel – Das Mädchenorchester von Auschwitz“ nach Lemgo gebracht. Im Publikum saßen die Oberstufenschüler des Marianne-Weber-Gymnasiums (MWG). Das „Junge Ensemble Mariengarden“ spielte bereits im Landtag, im Pariser Théâtre Saint-Léon, war in unzähligen deutschen Städten zu Gast und auch eine Einladung nach Auschwitz gibt es bereits. Denn das Stück, das das Ensemble auf die Bühne bringt, macht die Grauen des Nationalsozialismus besonders spürbar. Dementsprechend gut gefüllt war der Saal.</p> <p data-end="907" data-start="410">„Wir spielen gegen das Vergessen und gegen die Verharmlosung des Holocaust“, betonte Regisseur Dücker in seinem Vorwort an das junge Publikum. Durch die zahlreichen Auftritte habe sich das Ensemble zu einem eingespielten Team entwickelt.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Nur ein gutes Orchester rettet vor Selektion</h2> <p data-end="1455" data-start="909">Das Theaterstück basiert auf Texten von Fania Fénelon und Arthur Miller, berichtete Dücker, und erzählt die wahre Geschichte des sogenannten Mädchenorchesters von Auschwitz – einer Gruppe von Frauen und Mädchen, die im Konzentrationslager musizieren mussten, um zu überleben.</p> <p data-end="1974" data-start="1457">Im Mittelpunkt steht die französische Sängerin und Jüdin Fania Fénelon, gespielt von Tiana Wilting, die im Januar 1944 aus dem Sammellager Drancy in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wird. Auf der Fahrt lernt sie die junge Marianne, gespielt von Ida Roleff, kennen mit der sie später in das Orchester aufgenommen wird.</p> <p data-end="1974" data-start="1457">Unter der Leitung der bekannten Geigerin Alma Rosé, gespielt von Sophia Lechler, müssen die Frauen Musik spielen, beim Aus- und Einmarsch der Arbeitskolonnen und bei privaten Veranstaltungen der SS. Die Musikerinnen erhalten zwar etwas bessere Lebensbedingungen, doch sind sie völlig von der Willkür der SS abhängig. Ihre Musik dient der Unterhaltung der Täter – und zugleich ihrem eigenen Überleben. Die Dirigentin Alma Rosé verlangt höchste Disziplin und musikalische Präzision, weil sie weiß: Nur ein gutes Orchester kann die Frauen vor der Selektion bewahren.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Musik als Hoffnung</h2> <p data-end="2786" data-start="2348">Zwischen den Musikerinnen verschiedener Nationen entstehen Konflikte, Misstrauen, aber auch tiefe Freundschaft und Solidarität. Fania Fénelon erlebt all das hautnah. Sie gerät in Streit mit Mitgefangenen, verliert ihre Freundin Marianne und findet doch immer wieder Kraft im gemeinsamen Musizieren. Die Musik wird zum Symbol der Hoffnung – ein „Spiel um Zeit“, bei dem jedes Lied, das Leben um einen weiteren Tag verlängern kann.</p> <p data-end="2786" data-start="2348">Magdalena Botterbusch, Lehrerin am MWG sagt über die Inszenierung: „Es ist ein sehr berührendes Stück. Vor allem, weil es von den Schicksalen der vielen jungen Menschen erzählt.“ Das Projekt wird von der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und tourt derzeit durch verschiedene Schulen des Landes.</p>