Lemgo. Die Stadtwerke laden erstmalig zur Bürgerbeteiligung ein. Ziel sei es, die Bürger auf dem Weg der Energiewende mitzunehmen und finanziell zu beteiligen, so die Stadtwerke. Über eine digitale Plattform haben zunächst vorrangig Energiekunden und gegebenenfalls später auch weitere Interessenten die Möglichkeit, so genannte Nachrangdarlehen zu zeichnen. Über sechs Jahre können sie sich mit 500 bis 25.000 Euro einbringen. Am Dienstag, 27. Januar, ist die digitale Plattform online gegangen und zahlreiche Energiekunden der Stadtwerke haben bereits Verträge gezeichnet und 30 Prozent des Kapitals sind auch schon am ersten Tag eingezahlt, wie Susanne Reuter, Prokuristin und im Team „Finanzen und Controlling“ maßgeblich an dem Projekt beteiligt, auf Nachfrage erklärt. Zinsen über Tages- und Festgeldniveau Konkret geht es bei der Beteiligung um den Großwärmespeicher, der derzeit an der Ecke Isringhausenring/Liemer Weg auf die beeindruckende Größe von 50 Metern wächst. Mit ihm wollen die Stadtwerke einen „Meilenstein in der klimaneutralen Wärmeversorgung setzen“ und die Bürger auf diesem Weg ganz direkt beteiligen. Dafür werden erstmalig Nachrangdarlehen ausgegeben, die für Energiekunden mit 4 Prozent und für Nichtkunden mit 3,5 Prozent pro Jahr verzinst werden; gebunden über sechs Jahre bis zum 31. Dezember 2031. Damit, so erkärt Susanne Reuter, liegen die Stadtwerke über dem aktuellen gängigen Zins für Fest- oder Tagesgeld auf dem Markt, aber natürlich dürften Kunden von den kommunalen Stadtwerken keine Margen einer Projektgesellschaft erwarten. Nachrangdarlehen seien bei Bürgerbeteiligungen durchaus üblich, wie auch der Blick auf andere kommunale Energieversorger zeige. Generell gilt solch eine Form der Darlehen als Anlage mit hohem Risiko, da im Falle einer Insolvenz zunächst die übrigen Gläubiger vorrangig bedacht werden. Dass die Stadtwerke als kommunales Unternehmen insolvent gehen, sei aber mehr als unwahrscheinlich, wie die Prokuristin nüchtern erklärt. Weitere Beteiligungen könnten folgen Die Bürgerbeteiligung diene jetzt als eine Art Einstiegsprojekt. Dabei handele es sich neben einem Beitrag zur Finanzierung über die Bürger vor allem auch um das Angebot, die Energiewende konkret mitzugestalten, wie es die Stadtwerke beschreiben. Das Projekt werde jetzt zeigen, „wie attraktiv das für die Bürger ist“. Auf mindestens eine Million Euro wollen die Stadtwerke über die Nachrangdarlehen kommen. Die Vorzeichnungspflicht für Stadtwerkekunden läuft sieben Tage, im Anschluss haben gegebenenfalls noch Nicht-Kunden die Möglichkeit, sich finanziell einzubringen. „Dabei ist uns jede Summe recht, ob 500 oder 25.000 Euro.“ Im Anschluss an die laufende Bürgerbeteiligung planen die Stadtwerke noch weitere Projekte. Dabei sollen bei Bedarf auch die Tochtergesellschaften zum Zuge kommen. „Die Plattform als Projektseite steht, jetzt können wir sie mit weiteren Inhalten füllen.“ Die Online-Beteiligungsplattform steht unter https://energie.stadtwerke-lemgo.de/gws-lemgo. Interessenten können sich dort registrieren, ihren Beteiligungsbetrag wählen und das Nachrangdarlehen verbindlich zeichnen. Das ist zunächst für Kunden der Stadtwerke möglich, sollten noch nicht alle Anteile verkauft sein, können sich ab Dienstag auch weitere Interessierte einbringen. Das leistet der Wärmespeicher Der Wärmespeicher der Stadtwerke entsteht derzeit am Liemer Weg. Mit 50 Metern Höhe wird er das zweitgrößte Gebäude der Stadt Lemgo sein und hat auch in anderer Hinsicht Vorzeigecharakter. Denn der Speicher soll überschüssige erneuerbare Energie aufnehmen, zwischenspeichern und je nach Bedarf wieder in das Lemgoer Fernwärmenetz abgeben. Gespeichert wird die Energie über heißes Wasser. Aufgrund der Höhe des Turmes kann das ins Fernwärmenetz gelangen, ohne dass ein energieintensives Pumpen nötig wird. In das nebenstehende Anlagegebäude wird eine Luft-/Wasser-Großwärmepumpe mit 3500 Kilowatt Heizleistung einziehen. Über Wärmekollektoren auf dem Dach nimmt die Wärmepumpe Wärme aus der Umgebungsluft auf. Als Ergänzung werden noch zwei Elektrokessel integriert, die regenerativ erzeugten Strom in Wärme umwandeln und für das Fernwärmenetz nutzbar machen sollen. Die Luft-/Wasser-Großwärmepumpe und die Elektrokessel decken zusammen 20 Prozent des derzeitigen Fernwärmebedarfes mit erneuerbarer Wärme ab, heißt es von den Stadtwerken. Die Kosten für die Wärmespeicher-Anlage wurden 2024 mit rund 13 Millionen Euro angesetzt. Spatenstich war im Mai 2025, im Oktober soll der Probebetrieb voraussichtlich starten.