Fall Lügde: Mehr als 2000 Spuren, U-Ausschuss und die Suche nach dem CD-Koffer

Erol Kamisli und Janet König

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Akten zum Fall Lügde: Der Prozess ist vorbei. Jetzt beginnt die politische Aufarbeitung im Untersuchungsausschuss.  - © Bernhard Preuss
Akten zum Fall Lügde: Der Prozess ist vorbei. Jetzt beginnt die politische Aufarbeitung im Untersuchungsausschuss.  (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Die Stimmung im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zum Missbrauchsfall Lügde ist angespannt. Da bisher nur ein Bruchteil der geforderten Akten in Düsseldorf eingegangen sind, gerät die politische Aufarbeitung ins Stocken. An den lippischen Behörden scheint das nicht zu liegen – diese haben alle Unterlagen abgegeben, um Ermittlungen, die Arbeit der Jugendämter und mögliche Pannen offenzulegen. Dabei spielen auch die derzeit laufenden Disziplinarverfahren gegen Polizeibeamte und der verschwundene CD-Koffer aus der Asservatenkammer der lippischen Polizei eine Rolle.

Polizei: Der Fall Lügde wird die Kreispolizeibehörde noch eine geraume Zeit beschäftigen. „Es laufen derzeit Disziplinarverfahren gegen Beamte, wann die abgeschlossen werden, steht noch nicht fest", sagte Polizeioberrätin Verena Mertens. Auch im Fall des verschwundenen CD-Koffers gebe es keine Neuigkeiten – die Polizei habe Anzeige erstattet und die Detmolder Staatsanwaltschaft ermittle.

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Für den PUA zum Fall Lügde habe die lippische Polizei Unterlagen – basierend auf 61 Fragen – zusammengestellt. Zum Beispiel: Welche Hinweise auf den Verdächtigen erhielten Behörden wann, wie und von wem? Wurden Akten manipuliert? Wie wurden die Opfer befragt? Wer wusste, dass Asservate verschwunden sind? „Wir haben das gesamte Material gesammelt und fristgerecht abgeliefert", so Mertens. Mit Einsetzung des Untersuchungsausschusses im Juni sei ein Löschungsmoratorium in Kraft getreten. Verena Mertens: „Ab diesem Zeitpunkt durfte kein dienstlicher Vorgang mehr gelöscht werden. Keine Datei, keine Gesprächsnotiz, kein Telefonverbindungsnachweis." Zudem sei das zentrale Laufwerk der Behörde durchforstet worden – etwa mit Suchbegriffen wie „Campingplatz", „Lügde" oder den Namen der Verdächtigen. Mehr als 1500 Mails seien zusammengekommen. Inzwischen liegen die Unterlagen aus Lippe beim LKA in Düsseldorf – hier wird alles überprüft und ans NRW-Innenministerium weitergegeben.

Staatsanwaltschaft: Auch die Detmolder Staatsanwaltschaft hat ihre Unterlagen zum Fall Lügde fristgerecht zum 23. August eingereicht. „Wir haben alles digitalisiert und der Generalstaatsanwaltschaft Hamm zukommen lassen", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Dort oder direkt im Justizministerium müsse entschieden werden, ob nachträglich noch die Namen der Geschädigten geschwärzt würden. Da der Abgabetermin für den U-Ausschuss mitten in den laufenden Prozess fiel, seien die Akten noch weiter bearbeitet worden. „Bisher mussten wir nichts nachschicken, das kann aber natürlich noch kommen", sagt Vetter. Inzwischen hätten die Ermittler mehr als 2000 Spuren verfolgt. Ob es zu weiteren Strafverfahren kommt, müsse der Abschluss der Ermittlungen zeigen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir hier bald zu einem Ende kommen", sagt Vetter. Die Hoffnung, dabei auch noch auf den verschwundenen Koffer zu stoßen, sei äußerst gering.
Landgericht: Die Prozessakten zum Fall Lügde sind ebenfalls längst an das Oberlandesgericht Hamm weitergeleitet worden. „Hier wird entschieden, ob Namen geschwärzt werden", sagt Landgerichtssprecherin Melanie Rüter. Die Akten hätten bereits in digitalisierter Form vorgelegen, um Prozessbeteiligten Einsicht zu gewähren.

Kreis Lippe: Rund 13.000 Seiten aus Akten und weiteren Dateien wurden am 26. September und 18. Oktober nach Düsseldorf geliefert. „In den Akten wurden keine Namen geschwärzt. Damit lassen sich für die Untersuchungen des PUA alle notwendigen Erkenntnisse aus den Akten ziehen", so Kreissprecher Steffen Adams. Für den Kreis sei der Opferschutz von besonderer Bedeutung.

Politik: „Wir haben bisher Sachverständige gehört. Bis Anfang kommenden Jahres hören wir noch weitere Fachleute an, dann sind die ersten Zeugenbefragungen geplant", sagt Jürgen Berghahn, SPD-Sprecher im Ausschuss. Die Betroffenheit in Lügde, das in seinem Wahlkreis liegt, sei immer noch spürbar. Viele fragten, warum die Missbrauchsfälle so lange unerkannt bleiben konnten, wie es zu Behördenfehlern und Ermittlungspannen kommen konnte. „Diese Antworten sind wir den Menschen schuldig", so der 59-Jährige. Der Abschlussbericht müsse bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2022 vorliegen.

Die Doku zum Fall Lügde

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