Schieder-Schwalenberg. Es ist später Nachmittag, die Mitarbeiterin im Vorzimmer hat längst Feierabend gemacht, gerade hat er noch eine Besprechung mit den Fachbereichsleitern hinter sich. Marco Müllers (parteilos) würde dem Besuch noch mal eben fix einen Kaffee kochen, doch der lehnt dankend ab. An der Anordnung der Möbel hat der neue Hausherr nichts geändert, und so nimmt er entspannt Platz am großen Besprechungstisch mit dem riesigen Fenster, hinter dem es langsam dämmert. Herr Müllers, am 1. November 2025 haben Sie Ihr Amt angetreten. Was ist das Gravierendste, was sich seither für Sie persönlich verändert hat? Marco Müllers: Ganz privat: Dass ich noch nicht wieder regelmäßig im Ehrenamt Sport machen kann, obwohl es mir so sehr am Herzen liegt. Sie meinen, dass Sie nicht mehr Trainer sein können? Marco Müllers: Ja. Denn es ist ja nicht nur das Training selbst, ich habe im Sport eine große Gemeinschaft erlebt, da habe ich ganz viele sehr gute Bekannte, und der Kontakt fehlt mir schon sehr. Aber ich gehe davon aus, dass das - natürlich in viel geringerem Maße als früher - auch irgendwann wieder klappen wird, wenn ich mich erst einmal richtig eingearbeitet habe. Und wir haben ja auch noch die ehrenamtlichen Bürgermeister, die mich bei repräsentativen Anlässen auch mal vertreten können. Schauen wir mal auf Ihren Arbeitsalltag. Haben Sie sich das so vorgestellt? Marco Müllers: Es gibt unglaublich viele unplanbare Termine. Man braucht eine Weile, bis man die Wertigkeit erkannt hat und entscheiden kann: Wo muss ich hin, was kann ich lassen? Mein Vorgänger Jörg Bierwirth hat mir den Rat gegeben: „Lerne, auch mal Nein zu sagen.“ Eine kleine Entscheidung habe ich für mich ja erst mal getroffen: Mir sind vorerst die lokalen und regionalen Termine wichtiger als Termine in Düsseldorf oder Berlin. Mit lokalen Terminen meinen Sie welche? Marco Müllers: Beispielsweise die Konferenz der lippischen Bürgermeister. Wie sind Sie denn da aufgenommen worden, so als absoluter Neuling? Marco Müllers: Sehr freundlich. Aber ich bin ja nicht der Einzige, der den Job zum ersten Mal macht. Da sitzt man erst mal und hört sehr viel zu. Wenn Sie nicht in so einer Runde sitzen, wie sieht dann Ihr Tag aus? Marco Müllers: Sehr vielfältig. Jeden Tag kommt was Neues. Mein Vorteil ist, dass ich von hier komme und sehr viele der einzelnen Protagonisten schon kenne. Neulich, als es um den Hochwasserschutz in Wöbbel ging, habe ich mir die Sache mit einem Bürger mal vor Ort angeschaut und bin mit ihm durch die Wiesen gegangen. Wie? Sie haben sich mit dem in Ihr Auto gesetzt und sind mit ihm nach Wöbbel gefahren? Marco Müllers: Warum denn nicht? Manchmal ergeben sich ein paar kleine Ansätze, etwas, was schnell umsetzbar ist. Da müssen wir dann dran. Kommt eigentlich jeder zu Ihnen durch, der was von Ihnen als Bürgermeister möchte? Marco Müllers: Ich bin immer der Meinung, es gibt keine Idee, die zu blöd ist, um angehört zu werden. Manche Dinge, die früher einfach nicht möglich waren, sind heute vielleicht die Lösung. Mir geht es auch darum, den Menschen zu begegnen, ihnen zu vermitteln: Ich bin froh, dass Du damit kommst. Wie erleben Sie Ihren Arbeitsalltag? Marco Müllers: Es ist bisher nicht langweilig. Die gesamte Post geht über meinen Tisch, so langsam werde ich schneller darin, sie zu sortieren. Aber seien wir mal ehrlich. Die Arbeit im Rathaus würde auch laufen, wenn es keinen Bürgermeister gäbe, dazu gibt es kompetente Fachbereichsleiter, auf die ich mich verlassen kann. Ich verstehe mich selbst als Mittler zwischen Verwaltung und Politik - ein Ansprechpartner für alle. Was Ihren Alltag sicher als Privatmensch nicht immer einfach macht... Marco Müllers: Ja, irgendwie bin ich immer im Dienst, selbst wenn ich in der Gastronomie unterwegs bin. Irgendwo habe jetzt sogar einen eigenen Knobelbecher, auf dem „Bürgermeister“ steht (lacht). Und es ist klar, dass ich da dann spätestens nach dem ersten Bier auf alkoholfreies umsteige. Wann fangen Sie eigentlich morgens an und wie lange sitzen Sie dann hier? Marco Müllers: Manchmal sogar schon um sieben Uhr, aber manchmal auch später - das hängt auch davon ab, wie spät es am Vortag geworden ist. Am vergangenen Wochenende war ich zwischendurch auch noch mal im Büro. Wenn ich beispielsweise meinen Blog schreibe, da habe ich am meisten Ruhe dafür. Der kommt zwar ganz gut an, aber ich muss mich dringend kürzer fassen. Wie läuft es denn auf der politischen Ebene? Treffen Sie sich mit den Vertretern der Fraktionen zur interfraktionellen Runde hinter verschlossenen Türen? Marco Müllers: Bis jetzt ist die Zusammenarbeit sehr angenehm. Zu den interfraktionellen Gesprächen lade ich auch die stellvertretenden Fraktionschefs ein. Es geht mir darum, im Vorfeld Vorhaben auf Unstimmigkeiten abzuklopfen. Denn wenn klar ist, dass ein Beschlussvorschlag vor die Wand laufen würde, muss die Verwaltung gar nicht erst Zeit darauf verschwenden. Sie sind ja ein Zahlenmensch und jetzt sicher tiefer im Haushalt als jemals zuvor. Wie ist Ihr Eindruck? Haben Sie es sich so schlimm vorgestellt? Marco Müllers: Es ist wirklich nicht einfach. Aber es war vollkommen klar: Wir werden in dieser Situation nicht einfach die Hebesätze für Steuern hochsetzen. Das Problem liegt ja ganz offensichtlich nicht in den Städten und Gemeinden, die Schieflage ist anderen Faktoren zu verdanken, die in Bund und Land liegen.