Halbnackter im Käfig sorgt in Bielefelder Innenstadt für Aufsehen

Mareike Köstermeyer

  • 0
Rabea (v. l.), Anne, Anne-Sophie und Elisa unterstützen Jens Vogt (im Käfig) beim Protest gegen das Leid der Tiere als Weihnachtsgeschenke. - © Wolfgang Rudolf
Rabea (v. l.), Anne, Anne-Sophie und Elisa unterstützen Jens Vogt (im Käfig) beim Protest gegen das Leid der Tiere als Weihnachtsgeschenke. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld. Jedes Jahr landen zu Weihnachten Kleintiere in Deutschland unterm Weihnachtsbaum - und später im Tierheim. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat jetzt die Tierschutzorganisation PETA in der Bielefelder Innenstadt dagegen demonstriert. Mit einer Aktion, die am Montag einiges Aufsehen erregt.

Mit einem in ein rotes Samt-Tuch gehüllten Käfig ziehen die Aktivisten die Blicke auf sich: Denn im Käfig sitzt ein leicht bekleideter Mann. Mit Hundeohren. Jens Vogt, PETA-Aktionskoordinator, möchte auf das Leid der Tiere aufmerksam machen. Dafür setzt er sich am Montag sehr spärlich bekleidet bei gerade einmal ein paar Grad über Null an der Bahnhofstraße/ Ecke Arndtstraße eine halbe Stunde lang in den kleinen Käfig. Auf den Schildern der Aktivisten ist zu lesen: "Tiere sind keine Geschenke" und "Adoption statt kaufen".

Passanten zücken das Handy

Vogt sagt, ihm mache die Kälte nichts aus. Denn für ihn seien es nur 30 Minuten, die er frieren müsse. "Die ungewollten Weihnachtsgeschenke, die später im Tierheim landen oder ausgesetzt werden, müssen allerdings ihr Leben lang leiden, und darauf wollen wir mit der Aktion aufmerksam machen." Ziel erreicht: Die Aufmerksamkeit der Passanten ist Vogt jedenfalls sicher.

Passanten zücken sofort das Handy, um den leicht bekleideten Aktivisten im Käfig zu fotografieren. Die meisten schütteln ungläubig den Kopf. Die Aktivisten verteilen Flyer und wollen ins Gespräch kommen. "Uns ist klar, dass wir mit dieser Aktion nicht alle davon abhalten können, ein Tier zu Weihnachten zu verschenken", sagt Vogt. "Aber wenn der ein oder andere wenigstens in Erwägung zieht ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren, anstatt ein neues beim Züchter oder in der Zoohandlung zu kaufen, dann haben wir unser Ziel erreicht."

Bielefelder Auffangstationen sind überfüllt

Nach Schätzungen der Tierschutzorganisation PETA werden jedes Jahr rund 100.000 Haustiere zu Weihnachten verschenkt, die häufig in der Zoohandlung oder beim Züchter gekauft werden. Nicht wenige von ihnen landen nach Angaben von Vogt später in einem Tierheim, wenn sie den Besitzern doch zu lästig werden. "Denn einem Tier ein Zuhause zu bieten, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die sowohl zeit- als auch kostenintensiv ist. So ein Kauf sollte daher keinesfalls unüberlegt geschehen", warnt der 33-Jährige.

Vogt rät dazu, stattdessen zum Beispiel eine Patenschaft für einen Vierbeiner aus einem nahe gelegenen Tierheim zu übernehmen. "Wir stehen in Kontakt mit mehreren Auffangstationen in der Bielefelder Umgebung, die allesamt überfüllt sind", sagt der Aktionskoordinator. Diese freuten sich über jedes Tier, das ihnen abgenommen werde.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!