Arzt aus Ostwestfalen sitzt in Hotel auf Teneriffa fest

Jemima Wittig und Sigrun Müller-Gerbes

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Polizisten mit Mundschutz stehen an einem Kontrollpunkt vor dem Hotel H10 Costa Adeje Palace. Das wegen Coronavirus-Fällen unter Quarantäne gestellte Hotel auf Teneriffa ist weiterhin durch die Polizei. - © Str/AP/dpa
Polizisten mit Mundschutz stehen an einem Kontrollpunkt vor dem Hotel H10 Costa Adeje Palace. Das wegen Coronavirus-Fällen unter Quarantäne gestellte Hotel auf Teneriffa ist weiterhin durch die Polizei. (© Str/AP/dpa)

Bielefeld/Paderborn/Teneriffa. Eigentlich hätte Klemens Liekmeier am Mittwochmittag mit seiner Frau im Flugzeug Richtung Heimat sitzen sollen. Nun sitzt er stattdessen auf dem Balkon des Viersterne-Hotels Palace Costa Adeje auf Teneriffa und darf das Gelände nicht verlassen. Seit in dem Hotel zwei italienische Gäste positiv auf das Coronavirus getestet worden, ist die gesamte Hotelanlage mit 1.000 Gästen und Personal Sperrzone. Niemand darf raus, niemand rein.

Auf zwei Wochen "Zwangsurlaub" hat sich der Arbeitsmediziner eingerichtet. Und nimmt es gelassen. "In meiner Studienzeit habe ich immer davon geträumt, mal zwei Wochen gesund isoliert zu sein, um all das lesen zu können, wofür sonst die Zeit nicht reicht." Am Telefon erreicht ihn diese Redaktion kurz nach dem Frühstück: "Schön auf dem Balkon in der Sonne. Wir werden hier wirklich gut versorgt."

Mediziner Liekmeier warnt davor, Panik zu machen. Das Virus, inzwischen auf den sperrigen Namen Sars-CoV-2 getauft, sei nach allen bisherigen Erkenntnissen "nach wie vor weniger gefährlich als die Influenza, an der jedes Jahr bei uns viele Menschen sterben". Er selbst und seine Frau fühlten sich gesund und seien fieberfrei - das hat die Messung ergeben, die die Gesundheitsbehörden der Insel bei ihm vor einigen Stunden um Mitternacht vorgenommen haben, ebenso ist es bei einem Paar aus Bielefeld.

Zettel vor der Tür

Marlies Auracher ist nicht ganz so entspannt. Für die 71-jährige Bielefelderin hat der Urlaub eigentlich gerade erst begonnen. Erst am Samstag ist sie mit ihrem Mann am Urlaubsort angekommen. Am Dienstagmorgen lag dann ein Zettel vor der Tür: Das Hotel stehe unter Quarantäne, sie sollten ihr Zimmer nicht verlassen. Zunächst hätten sie sich noch im Hotel bewegen können, bis irgendwann ein Mitarbeiter des Hotels sie auf ihre Zimmer geschickt habe mit der Ansage, dass bald ein Arzt komme, der sie untersucht. Dann hieß es warten. Fünf Stunden habe das Paar ausharren müssen.

Der Mediziner habe bei ihnen dann Fieber gemessen und ihnen ein Fieberthermometer und Mundschutze dagelassen. Auracher ist etwas verunsichert, weil sie nicht weiß, wie es weiter geht. "Alles was wir wissen, haben wir uns im Internet zusammen gesucht. Vom Hotel bekommen wir keine Informationen." Am Mittwochnachmittag bekommen sie endlich eine Rückmeldung vom Reiseunternehmen TUI: Ihr Rückflug sei für den 10. März geplant. Eigentlich wollte das Paar nur zehn Tage bleiben und am 3. März zurück nach Deutschland fliegen.

Zuvor durften sie am Mittwoch schon mit Mundschutz wieder das Zimmer verlassen und auf dem Gelände spazieren gehen. Es gebe ausreichend Sitzgruppen, die weit genug voneinander entfernt stünden, sodass man Abstand zu den anderen Gästen halten könne, so Auracher. Sie sitzt am Nachmittag, als diese Redaktion sie erreicht, in der Sonne.

Sperrungen nicht in Frage gestellt

Der Paderborner Arzt Liekmeier ist allerdings skeptisch, ob die Quarantäne-Maßnahmen die weitere Verbreitung des Virus tatsächlich verhindern werden. Die positiv getesteten Italiener seien zuvor neun Tage lang Gäste in der großen Anlage gewesen, seitdem seien viele Reisende längst wieder nach Hause geflogen - und mit ihnen vielleicht auch das Virus. Auch Bedienstete der Anlage, die beim Start der Sperrung dienstfrei gehabt hätten, seien zuhause bei ihren Familien. Gleichwohl stellt Liekmeier die Sperrung nicht grundsätzlich in Frage. Die internationale Staatengemeinde habe sich Regeln gegeben, wie beim Ausbruch der Krankheit zu handeln sei - und an die müsse man sich nun auch halten.

Der Reiseanbieter TUI hat für das Hotel inzwischen einen Buchungsstopp verhängt. Bereits gebuchte Gäste würden auf andere Hotels umgebucht, heißt es von der dortigen Pressestelle. Man kümmere sich um alle Gäste und das Hotel betreue die Urlauber. Wie das geschehe, sagt Liekmeier, sei für "eine wahre Heldentat": "Die Leute sind eingesperrt, müssen rund um die Uhr für uns arbeiten, können nicht zu ihren Familien - und bleiben dabei sowas von freundlich."

Viele deutsche Hotelgäste

In dem wegen einer Coronavirus-Infektion isolierten Hotel auf Teneriffa halten sich offenbar mehr als hundert deutsche Urlauber auf. "Wir gehen derzeit von einer niedrigen dreistelligen Anzahl Deutscher aus, die sich in dem Hotel befinden", heißt es im Auswärtigen Amt in Berlin.

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