Kneipen-Gäste trinken Desinfektionsmittel, weil sie es für Schnaps halten

Svenja Ludwig

Manchem Kölner Papa dürfte am Vatertag der Schädel brummen (Symbolbild). - © Pixabay
Manchem Kölner Papa dürfte am Vatertag der Schädel brummen (Symbolbild). (© Pixabay)

Köln. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Vielleicht hatten einige Besucher einer Kölner Kneipe dieses Sprichwort im Sinn, als sie sich über die kleinen Fläschchen mit klarer Flüssigkeit hermachten, die die Wirte auf jedem Tisch verteilt hatten. Hauptsache, es knallt. Allerdings handelte es sich nicht um einen üblichen Klaren - sondern um Desinfektionsmittel.

 Bei Facebook wenden sich die Betreiber nun an ihre Gäste. "Liebe Väter, wir verstehen ja dass ihr gestern wegen heute (Vatertag, Anm. d. Red.) schon sehr durstig gewesen seid. ABER bitte sauft nicht unser liebevoll abgefülltes Desinfektionszeug."

Spätestens seitdem US-Präsident Donald Trump in einer Pressekonferenz laut darüber nachgedacht hatte, das Coronavirus mit gespritztem Desinfektionsmittel zu bekämpfen - alles nur Satire, wie er nach weltweiter Empörung behauptete - und nachdem zahlreiche Mediziner schockiert genau davor gewarnt hatten, wissen wir: Desinfektionsmittel ist nur was für die äußere Anwendung.

Dass einige Kneipengäste die zehn Milliliter Virenkiller unwissentlich trotzdem tranken, tut den Betreibern im Nachhinein Leid. "Wir geben zu, eventuell war es etwas fahrlässig, es in kleine Fläschchen zu füllen und auf jeden Tisch zu stellen. Aber dass es dann mehrfach auf Ex getrunken wird und anscheinend für Grappa oder Obstler gehalten wird, damit hatten wir dann doch nicht gerechnet", teilen sie bei Facebook mit.

Jetzt sorgen die Wirte vor

Wie es den Herren, die zugeschlagen haben sollen, geht, ist unklar. Mittel für die Händedesinfektion enthalten in der Regel hochkonzentrierten Alkohol wie Isopropanol. In einigen seien auch Chlor-freisetzende Substanzen enthalten, erklärt die kommissarische Leiterin des Giftnotrufs Erfurt, Dagmar Prasa. Diese Mittel reizten den Magen-Darmtrakt und könnten zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall führen.

Damit es nicht noch weiteren durstigen Gästen so ergeht, sorgen die Betreiber sicherheitshalber vor. Von nun an würden die Fläschchen beschriftet. "Das ist dann also kein leckeres Destillat und Vatertagsgeschenk, sondern desinfiziert euch bitte die Hände damit".

Mit Material der dpa

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