Bielefeld. Mit Schrauben und Muttern, Nieten und Gewinden ist die Böllhoff-Gruppe zu einem Global Player geworden. Als wichtigste Kundengruppe gelten Autokonzerne in aller Welt, aber auch Schiffe und Flugzeuge, Maschinen oder medizintechnische Geräte werden mit der Bielefelder Verbindungstechnik produziert. Um den Anforderungen im globalen Wettbewerb gerecht zu werden und die internen Prozesse zu optimieren, wird laut nw.de jetzt eine Umstrukturierung vorgenommen. Der Abbau von deutschlandweit bis zu 140 der weltweit gut 3.300 Arbeitsplätze ist eine Folge, und dem Vernehmen nach ist der Stammsitz mit seinen rund 1.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen seiner Größe entsprechend am stärksten betroffen. Schwierige Rahmenbedingungen Das Unternehmen hat den Vorgang bestätigt. Die europäischen Standorte sind demnach ebenfalls von Stellenabbau betroffen, hier geht es um bis zu 40 weitere Stellen. „Auch die Böllhoff Gruppe blieb 2024 und 2025 nicht von den schwierigen Rahmenbedingungen verschont“, teilte Unternehmenssprecherin Andrea Meyer mit. Sie verweist auf ein „insgesamt volatiles weltwirtschaftliches Umfeld, einen Rückgang der Kundenbedarfe quer durch alle Industrien sowie einen hohen Preis- und Kostendruck.“ Gesunken sei vor allem die Nachfrage aus der Automobilindustrie, deren Bestellungen etwa 50 Prozent des Böllhoff-Umsatzes ausmachten, und aus dem Maschinenbau. 2024 habe das Unternehmen daher Umsatzeinbußen um fast sieben Prozent von 809 Millionen Euro (2023) auf 754 Millionen Euro hinnehmen müssen. Um der negativen Entwicklung zu begegnen, solle die Gruppe jetzt „noch stärker sowie resilienter“ aufgestellt werden. „Deshalb organisiert sich Böllhoff aktuell neu – und richtet seine Struktur auf die vier Weltregionen Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien aus“, erklärt Andrea Meyer. „Standorte rücken länderübergreifend näher zusammen, Synergien sollen stärker gebündelt und so gehoben werden.“ Den Informationen zufolge haben sich die Arbeitnehmerseite und die Geschäftsführung mit Wilhelm A. Böllhoff und Michael W. Böllhoff an der Spitze bereits im ersten Quartal 2025 über das Vorgehen geeinigt. Dabei soll die Umstrukturierung über etwa zwei Jahre gestreckt werden. Freiwilligenprogramm, Frühverrentungen und Altersteilzeit „Der Stellenabbau wird komplett sozialverträglich und ausschließlich im Einvernehmen durchgeführt, es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen“, betont Gewerkschaftssekretär Jens Engelbrecht von der IG Metall. Im Wesentlichen gebe es stattdessen Frühverrentungen, Altersteilzeit sowie ein Freiwilligenprogramm mit Abfindungen. „Das Ganze ist sehr Böllhoff-typisch abgelaufen, die Gespräche waren ungewöhnlich entspannt“, lobt er die Verhandlungsatmosphäre im Vergleich zu aktuellen Personalmaßnahmen bei anderen Unternehmen. Auf den friedlichen Ablauf lege die Familie Bölllhoff „großen Wert“, weiß Engelbrecht – dementsprechend komfortabel seien die Bedingungen für die Betroffenen. Zudem klinge die Zahl von allein in Deutschland 140 gestrichenen Arbeitsplätzen schlimmer, als es der Maßnahme eigentlich entspreche: Demnach waren die ersten Betroffenen bereits freiwillig ausgeschieden, als die Konditionen verhandelt waren. Stellenabbau gebe es nun in allen Unternehmensbereichen, von der Produktion bis zur Verwaltung. Neben der Bielefelder Zentrale sei auch der Standort in Sonnewalde im Süden von Brandenburg betroffen. Hier betreiben die Bielefelder seit 1991 ein Werk zur Herstellung von Nieten und Bolzen. Optimierung zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit Bei Böllhoff seien keine tieferliegenden und grundsätzlichen wirtschaftlichen Probleme zu erkennen, denkt Engelbrecht, es gehe jetzt wohl eher um eine Optimierung zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit im Wettbewerb. Dabei sei sehr akribisch und kleinteilig vorgegangen worden, um überflüssige Prozesse, Doppelstrukturen und potenzielle Synergien zu erkennen. Die Böllhoff-Gruppe produziert in weltweit 13 eigenen Fabriken, insgesamt werden bisher mehr als 3.300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an mehr als 40 Standorten in 25 Ländern beschäftigt. Parallel zu der Neustrukturierung investiere Böllhoff weiter in strategisch wichtige Bereiche wie Ausbildung, Digitalisierung und Innovation, um sich zukunftsfähig aufzustellen, so Andrea Meyer. Für den Standort Bielefeld nennt sie etwa den neuen Bildungscampus Böllhoff - ein hochmodernes Aus- und Weiterbildungszentrum, das am 30. September 2025 offiziell eröffnet wird.