Herford/Berlin/Gießen. Die SPD tritt den im Internet kursierenden Behauptungen, „Hitler-Redner“ Alexander Eichwald aus Herford sei früher Mitglied bei den Sozialdemokraten gewesen, entschieden entgegen. Ein Bundestagsabgeordneter erneuert angesichts der jüngsten Ereignisse zudem seine Forderung nach einem Verbot der AfD. Nicht einmal eine Woche ist es her, dass die Videos von Alexander Eichwalds Bewerbungsrede um einen Vorstandsposten bei der AfD-Nachfolgeorganisation „Generation Deutschland“ beim Gründungskongress in Gießen viral gegangen waren. Rund um den Globus berichteten Medien seither über den skurrilen Auftritt – im Stil von Nazi-Größen wie Adolf Hitler oder NS-Propagandaminister Josef Goebbels – vom vergangenen Samstagabend, 29. November. Noch in der Halle hatte ein AfD-Mitglied den 30-Jährigen gefragt, ob er ein „V-Mann der Bundesrepublik Deutschland“ sei. Eichwald verneinte. Das Gerücht wabert seither trotzdem durchs Netz. Zudem wird auf Facebook, Instagram und Co. behauptet, der Herforder – er ist seit knapp acht Wochen AfD-Mitglied, unterstützte die Partei zuvor im Kommunalwahlkampf, soll aber nun ausgeschlossen werden – sei von der SPD, den Grünen oder den Linken eingeschleust worden, um bei der AfD für Unruhe zu sorgen. SPD-Bundestagsabgeordneter: „AfD will Debatte verzerren“ Stefan Schwartze, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Kreis Herford und die Stadt Bad Oeynhausen, sagt dazu: „Die Lesart, dass Eichwald angeblich früher SPD-Mitglied gewesen sei, kursiert ja gerade wie wild im Netz. AfD-Sympathisanten versuchen, das als bewiesene Wahrheit zu verkaufen. Das stimmt aber so nicht. Nach interner Prüfung können wir klar sagen, dass Alexander Eichwald früher kein Mitglied der SPD gewesen ist – insbesondere nicht der SPD Herford.” Im Nachklapp der Vorkommnisse rund um den AfD-Kongress hatte Schwartze zudem ein Statement zur „Causa Eichwald“ abgegeben. „Statt sich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass einer ihrer eigenen Redner auf offener Bühne nationalsozialistische Sprache verwendet, versucht die AfD die Debatte mit Spekulationen über angebliche linke V-Männer zu verzerren.“ Das sei „ein durchschaubares Ablenkungsmanöver“, so der Berlin-Parlamentarier. Stefan Schwartze betont, dass Aussagen wie die von Eichwald keine Einzelfälle seien: “Rechtsextreme Aussagen werden in der AfD seit Jahren geduldet, teilweise sogar befördert. Die Rede zeigt erneut, wie tief diese Ideologie in der Partei verankert ist.“ Stefan Schwartze: „AfD vertritt seit Jahren rechtsextreme Positionen“ Der SPD-Mann stellt mit Blick auf die Empörung über die „Hitler-Rede“ auch in den Reihen der AfD klar, dass die Partei „nicht Opfer irgendwelcher Verschwörungen“ ist: „Sie ist eine Partei, in der rechtsextreme Positionen seit Jahren offen vertreten werden und zunehmend Zustimmung erfahren.“ Und das dürfe man nicht aus den Augen verlieren, so Schwartze weiter. Denn viele AfD-Mitglieder, die offen nationalsozialistische und völkische Aussagen gemacht hätten, hätten in der Partei Karriere gemacht und seien nicht ausgeschlossen worden. „Als Abgeordneter stehe ich weiter klar zu meiner Aussage: Die AfD muss verboten werden”, findet Schwartze deutliche Worte. So lange müsse auf allen Ebenen dafür gesorgt werden, dass ihr Einfluss nicht größer werde: Eine Zusammenarbeit sei nicht verhandelbar. Auch auf seinen eigenen Social-Media-Kanälen hatte der Sozialdemokrat ein Video mit ähnlichem Inhalt gepostet. Das gefiel – wenig überraschend – nicht jedem. „Mit rund 3.400 Kommentaren ist das Video, das ich zu der Debatte hochgeladen habe, das meist kommentierte Video auf meiner Facebook-Seite. Tatsächlich mischen sich dort viele sehr negative, beleidigende und auch hasserfüllte Kommentare, die mein Team dann auch meldet, mit vielen, die durchaus zustimmend oder konstruktiv sind.“ Das Video: Statement von Stefan Schwartze zu Alexander Eichwald Viele zustimmende Kommentare zu Eichwald-Statement Das nehme Schwartze zwar im Gegensatz zu anderen Videos, die er schon zum Thema AfD hochgeladen habe, zwar als „eine gute Entwicklung“ wahr. Der Bundestagsabgeordnete ergänzt jedoch: „Man muss sich aber auch der Online-Dominanz des rechten Spektrums in der heutigen Zeit sehr bewusst sein.“ Thematisiere man die AfD, würden die Beiträge mit blauen Herzen und Hass-Kommentaren geflutet – teilweise in wenigen Minuten. Dennoch steht für den Sozialdemokraten fest: „Man darf nicht den Mut verlieren und aufhören. Die Gefahr, die von der AfD und rechten Strukturen ausgeht, klar zu benennen, ist wichtiger denn je.“ Mut würden Schwartze daher vor allem die Reaktionen vieler Nutzer der Social-Media-Plattform TikTok machen. Schwartze: „Wo normalerweise die Kommentarspalte nur so glüht vor rechten Hetz-Kommentaren, versammeln sich diesmal viele zustimmende Nutzerinnen und Nutzer. Das bestärkt mich darin, auch online weiter klar Position gegen Rechts zu beziehen.”