Bielefeld. Im Umfeld des Bahnhofes Bielefeld-Brackwede gibt es 57 Parkplätze. Und sie sind fast immer ausgebucht. Daher ist es ein wichtiges Anliegen der Stadt und auch der Brackweder Bezirkspolitiker, mehr Stellplätze zu schaffen, um den Umstieg auf Bus und Stadtbahn attraktiver zu machen. Nur, wo diese zusätzlichen rechnerisch benötigten 120 Park+Ride-Parkplätze hinsollen, ist noch unklar. Jetzt gibt es eine fast brandneue Idee an einer prominenten Stelle. Seit dem Frühjahr drängt sich der ehemalige Standort eines Autohauses nahezu auf. Lange galt, vor allem bei den Brackwedern, der Ausweichparkplatz des Naturbades Brackwede als beste Problemlösung, nachdem es die Verwaltung vor Jahren versäumt hatte, sich eine prädestinierte Fläche direkt neben dem Bahnhofsgebäude an der Eisenbahnstraße zu sichern. Dort stehen seit Langem Großgaragen. Doch eine 90-seitige Studie des Amtes für Verkehr zu bestehenden und möglichen neuen P+R-Anlagen setzte Anfang des Jahres diesem Wunsch ein Ende. Die rund 6000 Quadratmeter große Fläche im Dreieck Ostwestfalendamm, Osnabrücker Straße und Lutterteich sei in allen Plänen – bis hin zum Regionalplan – als Grünfläche beziehungsweise als Bereich zum Schutz der Natur ausgewiesen. Sie sei sehr wichtig fürs Stadtklima als Teil einer wichtigen Luftleitbahn westlich des OWD. Die dort entstehende Kaltluft könne in die südlichen, stark verdichteten Bereiche abfließen. Brackweder pochen auf Baurecht aus dem Jahr 1978 Weil aber die Verwaltung eine Antwort darauf schuldig geblieben ist, wo denn zusätzliche Parkplätze im Bahnhofsumfeld entstehen könnten, stellte die Brackweder CDU-Fraktion Mitte Juni den Antrag, das bestehende Baurecht aus dem Bebauungsplan von 1978 für einen Parkplatz nun zu nutzen. Der zu bauende Parkplatz solle als P+R-Parkplatz ausgewiesen werden. Und: Die Verwaltung möge eine Änderung des alten Bebauungsplans vorbereiten, damit die Fläche des Parkplatzes zukünftig für eine Parkpalette genutzt werden könne – trotz der naturschutzrechtlichen Bedenken. Weil dieser Antrag nicht mehr vor der Sommerpause und der anschließenden Kommunalwahl beschlossen werden konnte, stand er nun in der Dezembersitzung der Bezirksvertretung Brackwede auf der Tagesordnung. Und er wurde auch dieses Mal nicht beschlossen, sondern aufgrund einer Neuentwicklung in Brackwede zurückgestellt. Klaus Feurich-Thobien von den Grünen regte an, einen anderen Standort auf seine Tauglichkeit überprüfen zu lassen: den ehemaligen Standort des Renault- und Dacia-Händlers Bitter an der Ecke Hauptstraße/Gütersloher Straße. Eine Idee, die Leserin Angela Chilvers aus Bielefeld-Quelle übrigens bereits vor Monaten geäußert hat. Nachdem die NW darüber berichtet hatte, dass die Otto Bitter GmbH & Co. KG ihren Neu- und Gebrauchtwagen-Parkplatz aufgegeben hat, machte sie diesen Vorschlag. Tim Wehmeier, Standort- und Verkaufsleiter von Bitter am Stadtring, ist auf der Suche nach einem neuen Pächter. Fast die Hälfte der fehlenden P+R-Plätze könnte auf Renault-Fläche entstehen Ohne Parkpalette wäre auf der Fläche etwa Platz für 50 bis 60 Fahrzeuge. Die Stadtbahnhaltestelle „Brackwede Bahnhof“ liegt schräg gegenüber an der Artur-Ladebeck-Straße. Der Bahnhof ist über die Hüttenstraße, die durch einen Aufzug bald auch barrierefrei zu erreichen ist, ebenfalls nur wenige Minuten Gehzeit entfernt. „Wir halten das Grundstück für wesentlich besser geeignet“, betonte Feuerich-Thobien und schlug einen entsprechenden Prüfauftrag an die Verwaltung vor. Sarah Gevers von den Linken unterstützte dies. „Niemand, der zur Stadtbahn möchte, würde am Naturbad parken“, sagte sie. Rainer Seifert (FDP) fand die Fläche, nach deren Verfügbarkeit er bereits vor vier und zwei Jahren gefragt habe, ebenfalls sehr interessant. Und die CDU hatte keine Probleme, ihren Antrag zurückzustellen. Dieser habe jetzt schon eine so lange Genese – und die CDU habe vorrangig nach einer Fläche gesucht, für die bereits Baurecht bestehe. Wie auf der Wiese westlich des OWD-Tunnels. Dort soll aber auf alle Fälle eine kleine Mobilstation entstehen. In der Bezirksvertretersitzung stellte das Amt für Verkehr die Pläne für zwei Anlagen in Brackwede vor: eine Version der Größe L rechts vom Bahnhofsgebäude an der Eisenbahnstraße und eine der Größe S auf der Queller Seite des OWD-Tunnels. Vorgesehen sind auf der grünen Wiese eine überdachte Abstellanlage für zwölf Fahrräder plus weitere Stellflächen für Bike- und E-Scooter-Sharing. Sobald die Fördermittel zugesagt seien, könne der Bau beginnen.