Den Kita-Trägern in OWL steht das Wasser bis zum Hals. Darauf haben AWO, Deutsches Rotes Kreuz, Falken, Kirchenkreise, Katholische Kitas und viele andere mehrfach in Brandbriefen hingewiesen. Insofern ist der Notsparkurs, Kitas nur noch mit Mindestbesetzung zu betreiben, kein überraschender.
Treffen wird er Eltern deshalb nicht minder heftig. Denn dann sind die letzten Reserveflicken weg, mit denen die ohnehin zu kurze Personaldecke in den Einrichtungen bislang noch verlängert wurde. Der Herbst wirft damit schon jetzt seine Schatten voraus, spätestens dann werden Infektwellen dafür sorgen, dass noch mehr Betreuungszeit ausfällt, mehr Gruppen oder gleich ganze Einrichtungen geschlossen werden. Schon in diesem Jahr haben sich diese Zahlen in OWL verdreifacht.
Das Ende der Fahnenstange ist damit aber nicht erreicht. Mehr als deutlich haben die freien Träger angekündigt, dass ein Teil der Betreuungslandschaft endgültig wegbrechen wird, wenn die Finanzierung nicht vollumfänglich auf andere Füße gestellt wird.
Ausbaden werden diese Krise die Frauen
Doch nicht nur Eltern sollten sich wappnen. Es ist dringend an der Zeit, dass Arbeitgeber und Wirtschaft sich endlich in die Debatte einschalten und helfen, den Druck zu erhöhen. Eine entsprechende Umfrage unter mitarbeiterstarken Unternehmen in OWL förderte aber nicht viel mehr zutage als Schweigen im Walde. Diese Passivität ist unverständlich. Denn wenn die Kinderbetreuung wegbricht, brechen die dringend benötigten Arbeitnehmer mit Kindern gleich mit weg.
Ausbaden werden diese Krise vor allem die Frauen. Sie, das hat die Pandemie deutlich gezeigt, werden ihre ohnehin meist in Teilzeit ausgeübten Berufe noch stärker reduzieren oder ganz aufgeben müssen, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Potentielle Fachkräfte sind dann für Jahre von der Bildfläche verschwunden. Auch das Thema Altersarmut, von der schon jetzt jede fünfte Frau ab 65 betroffen ist, wird damit ein Dauerbrenner bleiben.
Dabei ist die Lösung einfach und naheliegend. Das ist immerhin die gute Nachricht in der ganzen Misere. Viele junge Menschen interessieren sich für den Beruf des Erziehers. Selbst kleine Träger aus OWL berichten, dass sie pro Jahr 35 Fachkräfte auf den Markt bringen könnten. Der vielfach beschworene Fachkräftemangel könnte so innerhalb einiger Jahre immerhin deutlich abgemildert werden. Der politische Wille, die entsprechenden Weichen dafür zu stellen, ist derzeit aber nirgends zu erkennen.