Hanf aus lippischer Produktion

Torben Gocke

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Bianca und Stefan Nölker-Wunderwald bauen Nutzhanf im lippischen Südosten an. - © Torben Gocke
Bianca und Stefan Nölker-Wunderwald bauen Nutzhanf im lippischen Südosten an. (© Torben Gocke)

Schieder-Schwalenberg/Lothe. Seit etwas mehr als sechs Jahren baut Stefan Nölker-Wunderwald auf lippischen Feldern Hanf an. Der Unternehmer hat dazu mehrere Flächen zu seiner Verfügung, unter anderem in Lothe und der umliegenden Peripherie.

„Dieses Feld hier ist noch eines der kleineren", berichtet er vor Ort, kurz bevor sich ein Traktor samt Spezialwerkzeug daran macht, die Pflanzen zu ernten. „Das allein würde sich für uns nicht rechnen, darum haben wir nach und nach weitere Felder in der Umgebung dazu genommen, um auf eine entsprechende Menge pro Jahr zu kommen."

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Von Interesse ist für das Unternehmerpaar Bianca und Stefan Nölker-Wunderwald besonders der obere Teil der Pflanzen, wo die markanten Blätter wachsen. Im eigenen Verarbeitungsbetrieb bei Steinheim werden daraus im Wesentlichen Öle und Lebensmittel hergestellt – Rauschmittel kommen am Ende nicht dabei heraus. „Das ist natürlich auch der Grund, warum wir uns hier im rechtlich erlaubten Rahmen bewegen", erklärt der Unternehmer. „Was wir hier anbauen und was am Ende daraus wird, das ist schon sehr genau vorgegeben, und es wird auch durch die Behörden geprüft."

Tatsächlich kommen Behördenmitarbeiter raus auf den Acker und nehmen Proben von den Feldern, um sicherzustellen, dass hier wächst, was erlaubt ist. Bei den Pflanzen auf dem Lother Acker wird für das geschulte Auge bereits nach einem schnellen Blick deutlich: Rauschmittel werden hier nicht angebaut, dafür sind die Samen der Pflanzen nicht geeignet.

„Man müsste das hier wohl tonnenweise abfackeln, um eine Rauschwirkung zu bekommen", ist sich der Unternehmer sicher. Die Arbeitsschritte auf dem Acker wurden durch die jungen Unternehmer stetig optimiert und der gesamte Ernteprozess somit stark beschleunigt. „Die Erntevorrichtung, die hier an der Spitze des Traktors angebracht ist, das ist eine Spezialanfertigung, die wir extra für unsere Zwecke haben bauen lassen", betont Nölker-Wunderwald.

Was früher Tage dauerte, passiert so heute in wenigen Stunden. Gemeinsam mit Landwirtschaftsprofis aus der Region ist diese Ernte entsprechend schnell eingeholt. Schade ist es aus der Sicht des Unternehmers, dass ein großer Teil der Pflanzen ungenutzt auf dem Acker zurückbleiben muss. „Wir ernten wirklich nur die Spitzen, der gesamte Rest bleibt hier", fasst es Nölker-Wunderwald zusammen.

Und das, obwohl sich gerade aus den unteren Teilen der Pflanzen eigentlich äußerst interessante Rohstoffe gewinnen ließen. Denn die Fasern der Hanfpflanze sind nicht ohne Grund schon immer beliebt gewesen, wenn es darum ging, zum Beispiel feste Seile herzustellen. „Hier in der Gegend fehlt allerdings die nachgelagerte Infrastruktur, die erforderlich wäre, das Ganze zu verarbeiten."

Die nächsten Fabriken dieser Art gebe es tatsächlich erst in den Niederlanden – ein Transport und die Weiterverarbeitung dort wäre schlicht nicht wirtschaftlich.

Legaler Hanfanbau in Deutschland
Grundsätzlich gilt: Hanfanbau ist in Deutschland verboten. Privatpersonen dürfen keinen Nutzhanf anbauen – unabhängig davon, wie hoch oder gering der Rauschmittelgehalt darin ist, und unabhängig davon, ob es sich um männliche oder weibliche Pflanzen handelt. Ein Verstoß wird nach dem Betäubungsmittelgesetz behandelt.

Landwirtschaftliche Unternehmen allerdings können Nutzhanf anbauen. Es dürfen aber nur lizenzierte Sorten angebaut werden, und selbst gewonnenes Saatgut darf nicht wieder ausgebracht werden, da dieses sich automatisch langsam zu einem normalen Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC) zurückkreuzen würde.

Insgesamt stehen 42 von der EU zertifizierte Sorten mit niedrigen THC-Gehalten für den Hanfanbau zur Verfügung. Sie besitzen im Gegensatz zu anderen Sorten einen sehr hohen Faseranteil von 30 bis 40 Prozent. Der Anbau von Faserhanf muss der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung angezeigt werden.

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