Vier Komponisten und sechs Musiker vertonen Malerei von Valentin Oman

Barbara Luetgebrune

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Karlheinz Essl ist einer von vier Komponisten, die die Malerei von Valentin Oman vertonen. - © Helmut Wimmer
Karlheinz Essl ist einer von vier Komponisten, die die Malerei von Valentin Oman vertonen. (© Helmut Wimmer)

Detmold/Kärnten. Aus Malerei wird Musik, und zwar in einem groß angelegten Projekt, das die in Detmold lebende Flötistin Dr. Elisabeth Möst initiiert hat. Für einen Beitrag zu einer aktuellen Ausschreibung der Kärntner Kulturstiftung (KKS) lässt sie 14 Bilder von Valentin Oman, einem Kärntner Künstler slowenischer Herkunft, vertonen und zur Aufführung bringen. Dafür hat sie ein vierköpfiges Komponisten-Team sowie sechs Musiker zusammengebracht.

Den Ausschlag zu dem Projekt habe tatsächlich die Ausschreibung gegeben, erzählt Elisabeth Moest. „Die Kärntner Kulturstiftung will damit ein positives Zeichen setzen in dieser Zeit, die gerade für Künstler und Kulturschaffende nicht einfach ist." „Umbrüche" heißt das Thema, eingereicht werden können Projekte, die mit Kärnten zu tun haben, die das Zeug haben, die Region bekannter zu machen und die nachhaltig sind. Die Idee, Kunst und Musik zusammenzuführen, kommt von Elisabeth Möst. „Ich arbeite generell gern spartenübergreifend", sagt die Flötistin.

Auf die 14 Kreuz(weg)bilder von Valentin Oman, die in der Schlosskirche Tanzenberg hängen, ist sie bei einer Recherche im Netz gestoßen. „Im slowenischen Piran wurde er mit dem Balkankrieg konfrontiert. Es war September 1991, als der Krieg vor den Toren dieser beschaulichen Hafenstadt tobte", sagt Elisabeth Möst. „Diese schrecklichen Erlebnisse bringt der Künstler malerisch zum Ausdruck, die klassischste Leidensgeschichte schlechthin, ein Kreuzweg."

Chaos, Blut und Gewalt finden sich auf den ersten 13 Bildern, erst auf der letzten, der 14., Tafel wird der Umbruch von Krieg zum Frieden dargestellt. „Ein TAU, gänzlich in Blau gehalten, das für die wiedergefundene Ruhe steht. Die Qualen sind vorbei", sagt Elisabeth Möst – und erläutert: „TAU ist der letzte Buchstabe im hebräischen Alphabet und steht für das Endgültige. So mancher sieht es als Segenszeichen."

Uraufführung am 18. September

Das Projekt sieht vor, die Vertonung der 14 Tafeln am 18. September 2021 – genau 30 Jahre nach den Kriegserlebnissen Valentin Omans – in der Schlosskirche Tanzenberg, wo die Originale hängen, zur Uraufführung zu bringen, in Anwesenheit des Malers. Außerdem soll es eine Aufzeichnung geben, die über YouTube abrufbar ist – und die Komposition soll auch bei spirituell-musikalischen Festivals zu erleben sein, geplant sind Aufführungen in Österreich, aber auch in Paderborn. Bei diesen Gelegenheiten werden die Bilder von Valentin Oman in digitaler Form präsentiert. „Auf diese Weise wollen wir das Kriterium der Nachhaltigkeit gewährleisten", erklärt die Flötistin und Projektleiterin. Sechs Instrumente kommen bei den Aufführungen in den unterschiedlichsten Formationen vom Solo bis zum Sextett zum Einsatz: Flöte, Klarinette, Horn, Gesang, Cello und Akkordeon.

Aber zunächst entstehen die Vertonungen der 14 Bilder erst einmal. Dazu hat Elisabeth vier Komponisten und Komponistinnen zwischen 25 und 60 Jahre ins Boot geholt. Till Alexander Körber, Jakob Gruchmann-Bernau, Tanja Elisa Glinsner und Karlheinz Essl steuern jeweils drei Vertonungen zu dem Projekt „TAU – Klingende Zeichen des Umbruchs" bei. Das erste und das letzte Bild vertonen alle vier gemeinsam – der dazu notwendige Austausch erfolgt über Zoom-Calls. Das funktioniere gut, berichtet die Projektleiterin.

Ein Gesamtbudget von 36.000 Euro hat das genreübergreifende Projekt, um die Förderung der Kärtner Kulturstiftung haben sich die Kulturmacher beworben. Die Nachricht, ob sie als eins von drei zu unterstützenden Projekten den Zuschlag erhalten, steht noch aus. „Sollten wir nicht unter den Preisträgern sein, wollen wir aber alles daran setzen, die Vertonung dennoch zur Uraufführung zu bringen", sagt Elisabeth Möst. Vermutlich müssten sie dann an der einen oder anderen Stelle Abstriche machen – dennoch: Die Zeichen des Umbruchs sollen zum Klingen kommen.

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