Augustdorfs Bürgermeister im Interview: „Menschen dürfen Fehler machen“

Nadine Uphoff

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Augustdorfs Bürgermeister Thomas Katzer ist seit 100 Tagen im Amt. Seinen Arbeitsplatz hat er sich mittlerweile nach seinem Geschmack eingerichtet. - © Gemeinde Augustdorf
Augustdorfs Bürgermeister Thomas Katzer ist seit 100 Tagen im Amt. Seinen Arbeitsplatz hat er sich mittlerweile nach seinem Geschmack eingerichtet. (© Gemeinde Augustdorf)

Augustdorf. Seit November vergangenen Jahres ist Thomas Katzer neuer Bürgermeister der Gemeinde Augustdorf. Die ersten 100 Tage seiner Amtszeit sind also um. Zeit einmal nachzufragen, was er bis jetzt alles gemacht hat.

Herr Katzer, wie ist es Ihnen bislang als Bürgermeister ergangen?

Thomas Katzer: Sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass ich von den Bürgern angenommen worden bin. Das zeigt sich bei Gesprächen, die ich trotz Corona und mit Mundschutz auf der Straße geführt habe. Ich habe außerdem schon viele beeindruckende Persönlichkeiten kennengelernt. Der Job ist hochinteressant und macht viel Spaß. Jeder Bürgermeister sollte trotzdem auch demütig sein, weil man viel Verantwortung trägt.

Von außen betrachtet scheint es so, als ob Corona alles andere überschatten würde. Ist das so?

Katzer: Ja, es nimmt einen großen Teil des Tagesgeschehens ein. Durch Corona kann ich außerdem die Besuche zu Geburtstagen und Ehejubiläen nicht machen. Das ist richtig schade, weil es eine wichtige Würdigung der einzelnen Augustdorfer Bürger ist.

Hat sich durch die Pandemie auch viel im Rathaus verändert?

Katzer: Durch die Schließung für den Publikumsverkehr hat sich viel verändert: Es muss jetzt eine Terminierung vorab erfolgen. Die einzelnen Bürger werden draußen abgeholt. Dadurch ist die Frequentierung geringer, aber es funktioniert sehr gut.

Gibt es immer noch Corona-Krisengespräche?

Katzer: Ja, mittwochs machen wir das und nicht immer, aber manchmal auch montags sowie situationsbedingt.

Die Wahl der stellvertretenden Bürgermeister im November war quasi Ihre erste Amtshandlung. Ärgert Sie es, dass diese gleich mit einem Fehler gestartet ist und neu durchgeführt werden musste?

Katzer: Nein, das ärgert mich nicht. Ich habe mich an die Abläufe in den vergangenen Jahren gehalten und die waren nicht richtig. Das fiel mir zum Glück aber sehr schnell auf und ich habe meinen Fehler eingeräumt. Dazu stehe ich. Menschen dürfen Fehler machen – auch jeder Mitarbeiter dieser Verwaltung. Wir müssen eine Fehlerkultur im Rathaus leben. Das ist eines der Dinge, mit dem ich hier gestartet bin. Ich möchte jemanden nicht sofort zur Rechenschaft ziehen. Nur so können wir uns positiv weiterentwickeln.

Das heißt, diese Fehlerkultur war vorher nicht vorhanden?

Katzer: Meines Wissens nicht.

Haben Sie denn Umstrukturierungen in der Verwaltung geplant, wie zum Beispiel in Barntrup?

Katzer: Die Personalabteilung hat eine Organisationsuntersuchung beauftragt. Es geht im Moment aber nicht darum, dass hier – so wie in Barntrup – aus vier Fachbereichen zwei werden. Das Ziel ist eine bessere, schnellere und sicherere Kommunikation innerhalb der Verwaltung und nach außen. Auf dem Prüfstand stehen außerdem Arbeitsabläufe, Verfahrensweisen und Zuständigkeiten.

Noch mal zurück zur stellvertretenden Bürgermeisterwahl. Waren Sie überrascht, dass das Ergebnis nicht wieder einstimmig war?

Katzer: Ja, absolut. Ich hatte im Vorfeld mit den Fraktionsvorsitzenden gesprochen und war froh, dass es zu einem gemeinsamen Wahlvorschlag kam. Denn ich war unter den Coronabedingungen bemüht, die Sitzung so kurz wie möglich abzuhalten. Es wurde vorab nicht geäußert, dass irgendjemand unzufrieden damit ist. Mit dem Ergebnis konnte ich also nicht rechnen, aber anscheinend muss ich das.

In den vergangenen Jahren wurden Konflikte oft öffentlich in Sitzungen ausgetragen. So wie ich Sie kennengelernt habe, sind Sie ein ruhiger und besonnener Mensch. Denken Sie das kommt Ihnen dabei zugute?

Katzer: Ja. Es ist ja auch eines meiner Wahlversprechen gewesen, dass ich als Vermittler innerhalb der Politik und zwischen Politik und Verwaltung auftrete. Und, dass ich im Vorfeld schon Dinge kläre, damit es in den Sitzungen nicht zu endlosen Debatten kommt, die zu nichts führen. Es ist richtig, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und die Vielfalt der Parteien ist wichtig. Nur dann, wenn ich unterschiedliche Sichtweisen habe und diese zusammenführen kann, komme ich zu einem guten Ergebnis. Davon bin ich überzeugt.

Wir haben seit vielen Wochen Beschränkungen wegen der Pandemie. Eine davon betrifft die Gottesdienste. Das Thema kocht hier in Augustdorf mit seinen vielen verschiedenen Glaubensgemeinschaften immer wieder hoch – auch in den sozialen Netzwerken. Dort sprechen die Bürger von Parallelgesellschaften. Wie wollen Sie dieses Problem in den Griff bekommen?

Katzer: Ich kann nur eines machen: Dass ich durch Gespräche mit den Glaubensgemeinschaften eine gemeinsame Basis finde, auf der aufgebaut werden kann. Mit drei Glaubensgemeinschaften habe ich schon Gespräche geführt. Es gibt aber auch hier unterschiedliche Sichtweisen. Ich versuche jetzt zu ermitteln, wo die Schnittmengen liegen. Das wird aber kein einfacher Weg und nicht von heute auf morgen gelingen.

Welche anderen Themen bearbeiten Sie gerade?

Katzer: Ein ganz wichtiges Thema ist der Regionalplan, denn er ist für uns 20 Jahre lang maßgebend. Die Politik und Verwaltung müssen gemeinsam überlegen, wo der Weg hingehen soll. Es geht unter anderem um die Ausweisung von Bauland. Wenn irgendwo ein größeres Baugebiet entstehen würde, hätte das sehr umfangreiche Investitionen zu Folge, zum Beispiel in Schulen, Kitas oder die Kanalisation. Die Verwaltung erarbeitet dafür gerade Entscheidungshilfen für die Politik. Diese ist jetzt gefordert, sich zu positionieren: Wollen wir innerhalb kürzester Zeit stark wachsen oder nicht?

Gibt es noch andere Themen, die Sie derzeit beschäftigen?

Katzer: Zwei ganz große Themen für mich sind die Digitalisierung der Schulen und die Sanierung der Grundschule In der Senne. Für mich hat das Priorität. Allerdings gibt es andere Maßnahmen, die erst abgearbeitet werden müssen, weil dort Fristen dranhängen, wie der Schlingsbruch zum Beispiel. Ich möchte jedoch nicht, dass jetzt wieder andere Vorzeigeprojekte ins Leben gerufen werden.

Thema Kläranlage: Sind Sie zuversichtlich, dass sich bald keiner mehr über üble Gerüche beschweren wird?

Katzer: Ja, ich bin ganz zuversichtlich, dass wir das Thema abschließen können, wenn die Bezirksregierung alles geprüft hat. Es riecht ja schon seit Weihnachten nicht mehr. Und ich bin regelmäßig dort, um mir den Sachstand erklären zu lassen.

Also war es aus Ihrer Sicht richtig, die solare Klärschlammtrocknungsanlage zu bauen?

Katzer: Ja, das war die richtige Entscheidung – auch unter wirtschaftlicher Betrachtung. Denn wir können den Augustdorfer Gebührenzahler dadurch erheblich schonen.

Wie wollen Sie die Bewohner der Siedlung am Dören weiter unterstützen?

Katzer: Das wird durch das Quartiersbüro schon in großem Umfang gemacht. Wenn ich dort regelnd eingreifen möchte, kann ich das nur über das Ordnungsamt. Frau Diekmann vom Ordnungsamt ist sehr häufig am Dören, aber sie kann nicht 24 Stunden vor Ort sein. Das Ordnungsamt ist dafür zu schmal besetzt.

Zum Jahresbeginn sollten drei zusätzliche Mini-Jobber im Ordnungsamt eingestellt werden...

Katzer: Es sind bislang zwei eingestellt worden. Die dritte Stelle wird in Kürze besetzt.

Helfen diese Menschen wirklich, oder sind sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Katzer: Das kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Ich verspreche mir aber von der Einstellung, dass wir eine gute Unterstützung bekommen. Wir haben tolle Mitarbeiter gefunden.

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