<p class="whitespace-normal break-words">Bad Salzuflen. Ein Acker in der Nähe der Bega vor den Toren von Salzuflen und Schötmar Mitte des 19. Jahrhunderts: Der aus Fürth stammende Heinrich Salomon Hoffmann, heute würde man ihn als Selfmade-Mann bezeichnen, startet seine Karriere als Unternehmer mit einem einzigen Mitarbeiter, einer Dampfmaschine und einem Pferd. Am 29. September 1850, also vor 175 Jahren, werden die „Hoffmann’s Stärkefabriken“ offiziell gegründet. Kaum ein halbes Jahrhundert später war aus den winzig kleinen Anfängen eine Weltfirma geworden. Der Niedergang erfolgte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allerdings in annähernd demselben Tempo.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Doch der Reihe nach: Das rastlose Unternehmerleben forderte beim Firmengründer früh seinen Tribut. Er starb ausgelaugt am 8. Mai 1852. Sein vierter Sohn Eduard, damals gerade mal 20 Jahre alt, übernahm die Firma. Das Unternehmer-Gen hatte er offenbar von seinem Vater geerbt.</p> <p class="whitespace-normal break-words Zwischenzeile" data-semantic="p">Erfolgreicher Sohn des Firmengründers</p> <p class="whitespace-normal break-words">Obwohl vom Charakter her eher als „schüchtern“ beschrieben, verschaffte Eduard Hoffmann (1832-1894) den Stärkefabriken in seiner „Amtszeit“ Weltruhm. Die beinahe logische Folge: Eduards Konterfei ist es, das das Denkmal an der Hoffmannstraße in Höhe des alten Friedhofs gegenüber der heutigen Agentur für Arbeit ziert. Der erfolgreiche Sohn des Firmengründers machte erfolgreich gemeinsame Sache mit seinem Bruder Leberecht Fürchtegott Hoffmann (1827-1895), Teilhaber des Bremer Handelshauses Pokrantz. Hoffmann’s Stärkefabriken entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in atemberaubendem Tempo.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Um sein Lebenswerk an die große Welt anzubinden, sponserte Eduard Hoffmann den Bau der Bahnlinie Herford-Altenbeken mit 20.000 Talern. Vorab kokettierte er öffentlich mit einem Standortwechsel nach Herford, um auch Druck zu erzeugen. Die Konsequenz: Eduard Hoffmann erhielt „seinen“ Gleisstrang nahe der Firma.</p> <p class="whitespace-normal break-words Zwischenzeile" data-semantic="p">Verheerendes Feuer</p> <p class="whitespace-normal break-words">Doch auch der wichtige Bahnanschluss hatte seine Schattenseite: Als der erste Zug am 1. Januar 1881 die Schienen nahe der Fabrik passierte, brach wenig später ein Feuer im Betrieb aus. Funken aus dem Dampf der Lokomotive hätten den Brand entfacht, lautete damals der Verdacht. Das Werk brannte bis auf die Grundmauern nieder. Versicherungen bezahlten die Schadenssumme in Höhe von 2,2 Millionen Mark, eine für damalige Verhältnisse gigantische Summe. Eduard zog seine Lehren aus der Katastrophe und gründete eine Betriebsfeuerwehr.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Hoffmann’s wurde binnen acht Monaten wieder aufgebaut – schöner, größer und moderner. Am 1. Mai 1887 ging die Firma als Hoffmann’s Stärkefabriken AG an die Börse. Der Aufschwung beschleunigte sich rasant. Auch in anderer Hinsicht bewies die Firmenleitung Weitsicht: Lange vor Reichskanzler Bismarcks Sozialgesetzgebung (ab 1881) wurde in Bad Salzuflen eine Betriebskranken- (1871) sowie eine Pensions- und Unterstützungskasse gegründet (1879). Soziale Institutionen für die Arbeiterschar, die damals nahezu Pioniercharakter hatten. Und auch ein Krankenhaus wurde 1900 mit dem Hoffmann-Stift (Abriss 1976) gebaut, das in etwa dort stand, wo sich heute der öffentliche Parkplatz am Rathaus an der Rudolph-Brandes-Allee befindet.</p> <p class="whitespace-normal break-words Zwischenzeile" data-semantic="p">Berühmte Gäste</p> <p class="whitespace-normal break-words">Vor rund 125 Jahren zählten die Hoffmann’s Stärkefabriken etwa 1200 Mitarbeiter und waren damit das mit Abstand größte Unternehmen der gesamten Region. Zum Vergleich: Die Stadt Salzuflen zählte damals um die 5000 Einwohner. Hochgerechnet auf die Jetztzeit müsste ein Unternehmen mit ähnlicher Bedeutung für Bad Salzuflen heute mehr als 13.000 Beschäftigte zählen.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Den „Saft“ für die Stärkefabriken lieferten neun Dampfmaschinen mit 1500 Pferdestärken. 165.000 Quadratmeter groß war das Firmengelände. Es gab 127 Trockenkammern, 245 Becken, 171 Zentrifugen und 12 Stärkepressen. Die Superlative an der Bega lockten prominente Gäste an: Das lippische Regentenpaar, die Witwe von Kaiser Friedrich III., sie alle kamen zum Besuch nach Salzuflen.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Auch in Bad Salzuflen sind während des Zweiten Weltkriegs Hunderte Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt worden, um den Aderlass an deutschen Männern für die Front auszugleichen. Wie in jedem größeren Unternehmen im „Dritten Reich“ waren nach Angaben des Historikers Franz Meyer bis zu 70 Zwangsarbeiter zeitgleich bei den Hoffmann’s Stärkefabriken im Einsatz – zunächst französische, später russische Kriegsgefangene. Sie lebten in einem schwer gesicherten Lager auf dem Firmengelände.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Das Unternehmen selbst blieb während des Krieges nahezu unversehrt. Da auch keine Demontagen erfolgten und nur Teile des weitläufigen Werkes von den britischen Besatzern beschlagnahmt wurden, lief die Produktion bereits im Sommer 1945 wieder an.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Obwohl in den 60er und 70er Jahren noch bis zu 800 Personen bei Hoffmann’s arbeiteten, war der schleichende Niedergang der Firma nicht zu übersehen, berichteten einst Zeitzeugen der LZ-Redaktion. Dann der Schock: Vor 45 Jahren folgten erste Massenentlassungen, Produktionszweige wurden aufgegeben. 1981 übernahm die Ciba-Geigy AG (Basel) die Aktienmehrheit an dem Salzufler Unternehmen. Die Schweizer wiederum wurden 1985 samt Hoffmann’s von der Reckitt & Colman PLC (London) geschluckt.</p> <p class="whitespace-normal break-words Zwischenzeile" data-semantic="p">Umzug nach Hamburg</p> <p class="whitespace-normal break-words">Der Produktion an der Bega blieb eine fünfjährige Galgenfrist: 1990 verließ die letzte in Bad Salzuflen gefertigte Ware das Werk. Aus dem einst riesigen Betrieb war 1993 eine reine Marketing- und Vertriebsgesellschaft mit knapp 100 Beschäftigten und 80 Außendienstmitarbeitern geworden. Den Umzug nach Hamburg machten im selben Jahr rund 30 Salzufler Mitarbeiter mit. Die Firma hieß fortan Reckitt & Colman Deutschland. Der Name Hoffmann’s überlebte nur auf einigen Produkten – das allerdings bis heute.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Was in Bad Salzuflen bleibt, sind das Firmenarchiv (heute im Besitz des Stadtarchivs), unzählige Forschungsergebnisse und vor allem die Erinnerung an das Firmenlogo: die sich putzende Katze. Sie wurde 1876 in das Markenregister des Amtsgerichts Salzuflen eingetragen. Seit 1922 ist die Katze als Produktsymbol weltweit geschützt.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Rund um den Globus machten die Hoffmanns mit ihr Werbung: auf Kartons, Dosen und Säcken. Aber auch auf Postkarten, Plakaten oder Werbemarken. Eine Skulptur der weißen, sich putzenden Katze (sollte für Reinheit stehen) steht heute vor der Agentur für Arbeit in der Hoffmannstraße. Früher befand sich das Werk des bekannten Künstlers Fedor Flinzer (1832–1911) vor dem Stadt- und Bädermuseum in der Langen Straße (Fußgängerzone). Dieses wurde jedoch vor rund 15 Jahren aus Kostengründen geschlossen.</p> <p class="whitespace-normal break-words">Schräg gegenüber der Katze „wacht“ die Büste von Eduard Hoffmann über das ehemalige Firmengelände, das nach dem Produktionsende 1990 und erst recht nach dem Umzug nach Hamburg drei Jahre später in weiten Teilen verwaist war und sichtbar zerfiel. Ab 1994 wurde der heutige Hoffmannspark mit Gesundheitszentrum, Einzelhandel und Dienstleistungen entwickelt. Heute sind rund um die Hoffmannstraße rund 1.200 Menschen beschäftigt, in etwa so viele wie vor 125 Jahren.</p>