<p data-end="514" data-start="0">Bad Salzuflen. Es gibt Firmen, die verschwinden – und es gibt Firmen, die bleiben, obwohl sie längst nicht mehr produzieren. Hoffmann’s Stärkefabriken gehören zu letzterer Sorte. Das Unternehmen verließ Bad Salzuflen 1993, die Produktion sogar schon drei Jahre zuvor. Doch im Stadtarchiv sind Artefakte aus anderthalb Jahrhunderten erhalten. Von ihnen berichten wir in diesem Sonderteil unserer Serie „Fundstücke“. Die Gegenstände erzählen eindrucksvoll, wie aus Alltagsstärke ein Weltprodukt wurde und wie tief diese Marke in den Wohnzimmern, Schaufenstern und Klassenzimmern der Region verankert war.</p> <p data-end="745" data-start="516">„Hoffmann’s war weit mehr als eine Fabrik“, sagt Lukas Tuschewitzki vom Stadtarchiv Bad Salzuflen. „Es war ein Unternehmen, das die Stadt geprägt hat – mit seiner Beschäftigtenzahl, mit seiner Architektur und mit seiner Werbung.“</p> <p data-end="1356" data-start="747">Besonders ins Auge fallen die sogenannten Schaufenster-Katzen. Seit 1893 standen sie in Läden, später auch als Kalender in den Haushalten. Zwei Pappteile, ausklappbare Hinterbeine, damit die Katze stehen konnte. Es gab sie weiß oder braun-getigert, immer mit einem Werbeschild um den Hals. „Diese Katzen waren das Markenzeichen der Firma, weil sie Reinheit und Häuslichkeit symbolisierten“, erklärt Tuschewitzki. Die Katze tauchte bereits ab 1876 in Werbematerialien auf und blieb über Jahrzehnte das Gesicht der Marke. Bis in die 1950er Jahre prägten die Figuren das Stadtbild und das Zuhause der Kundschaft.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Aus Reis hergestellt</h2> <p data-end="2075" data-start="1358">Ein weiteres Objekt aus dem Archiv ist ein Hoffmann’s-Stärkekarton aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Stärke wurde ab 1870 aus Reis hergestellt und in fertigen Kartons verkauft – eine moderne Idee, die das Abwiegen im Laden überflüssig machte. „Besonders waren die sogenannten Chromos“, sagt Tuschewitzki.</p> <p data-end="2075" data-start="1358">„Das waren kleine farbige Bildchen, die bei uns im Archiv noch auf den Packungen kleben.“ Sie zeigen idyllische Szenen, etwa eine Winterlandschaft mit Schlitten im Schnee. Kundinnen und Kunden sammelten diese Bilder, teils lange nachdem die Kartons geleert waren. Auf dem Rahmen stehen die Produktnamen auf Englisch, Französisch und Italienisch. „Hoffmann’s exportierte seine Stärke weltweit“, so Tuschewitzki.</p> <p data-end="2828" data-start="2077">Aus dem Firmenarchiv stammen auch Werbematerialien, die heute fast vergessene Alltagsgegenstände zeigen, etwa Schreibmappen. Es handelte sich um Blankoblätter mit Logo in der Kopfzeile und beigefügtem Löschpapier. „Die Umschläge zeigen Werkansichten und kunstvoll gestaltete Alltagsszenen“, sagt Tuschewitzki.</p> <p data-end="2828" data-start="2077">Manche stammen vom Künstler Hans Meyer-Kassel, der die Hoffmann’s-Werbung mit Jugendstilrahmen illustrierte. Im Inneren finden sich Werbetexte und Rezepte, die auf den praktischen Nutzen von Stärke im Haushalt hinweisen. Die Schreibmappen richteten sich vor allem an Frauen, die Stärke fast täglich verwendeten, in der Küche oder für die Bügelwäsche. Die Löschblätter dienten zudem dazu, Tinten- oder Wachsflecken aus Textilien zu entfernen.</p> <p data-end="3173" data-start="2830">Einen besonders nostalgischen Blick in die Firmenwelt ermöglichen Neujahrskarten um 1900, ebenfalls gestaltet von Meyer-Kassel. „Postkarten waren damals ein Massenmedium, und Hoffmann’s nutzte das sehr geschickt“, sagt Tuschewitzki. Zu sehen sind kolorierte Motive mit Wichteln, Kobolden oder Winterlandschaften – und stets die Katze im Blick.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Neun Dampfmaschinen</h2> <p data-end="3829" data-start="3175">Wer heute durch den Hoffmannspark geht, ahnt kaum noch etwas vom früheren Ausmaß der Fabrik. Die Werksfläche umfasste 165.000 Quadratmeter, es gab neun Dampfmaschinen mit 1500 PS, 127 Trockenkammern und 245 Becken. Um 1900 beschäftigte Hoffmann’s so viele Menschen wie kein anderes Unternehmen in der Region. Das Fürstenpaar Lippe und weitere prominente Gäste kamen zu Besuch.</p> <p data-end="3829" data-start="3175">Gegründet wurde das Unternehmen 1850 von Heinrich Salomon Hoffmann auf einem Acker vor der Stadt. Produziert wurde zunächst mit Kartoffeln, später mit Reis. Der Aufstieg verlief rasant, der Brand von 1881 war verheerend, doch die Fabrik wurde binnen acht Monaten neu aufgebaut.</p> <p data-end="4445" data-is-last-node="" data-is-only-node="" data-start="3831">Später setzte der Niedergang ein. Ab 1980 kam es zu Entlassungen, aus einst 800 Beschäftigten wurden gut 100. 1993 zog die Firma nach Hamburg um. Geblieben sind das Archiv, die Produkte – und die Katze. Die Fundstücke zeigen, wie die Werbewelt von Hoffmann’s funktionierte: mit Bildern, Sammelobjekten und durchdachtem Alltagsdesign. Die Katze wurde zum Symbol eines Unternehmens, das Bad Salzuflen über Jahrzehnte prägte. „Es sind kleine Dinge, aber sie erzählen große Geschichte“, sagt Lukas Tuschewitzki. „Sie zeigen, wie eng das Leben der Menschen mit Hoffmann’s verbunden war – im Geschäft, zuhause, überall.“</p>