Barntrup. Nach Dörentrup muss sich nun Barntrup Kritik an den Defiziten gefallen lassen, die die Friedhöfe erwirtschaften: Die staatliche Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) NRW bemängelt, die Gebühren würden nur etwas mehr als die Hälfte der Kosten decken. In anderen Bereichen der Stadtverwaltung sehen die Prüfer aber Positives, etwa im Bereich der Arbeitsorganisation im Rathaus. Die Barntruper Friedhofsgebühren sind nach Ansicht der GPA zu niedrig, wie aus einer Pressemitteilung der Herner Prüfer hervorgeht. Der Betrieb der Trauerhallen sei ebenfalls nicht kostendeckend, und die Aufwendungen für die Grünflächen- und Wegepflege seien im Vergleich sogar hoch. Für GPA-Präsident Michael Esken gibt es einen Ausweg: Die Gebühren müssen hoch. Bürgermeister Borris Ortmeier will diesen Weg jedoch vorerst nicht gehen: „Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust“, sagt er. Zwar gebe es die Maßgabe, dass Gebühren kostendeckend sein sollen. „Aber wenn wir die Gebühren für die städtischen Friedhofskapellen erhöhen, werden noch mehr Bürger zu privaten Anbietern gehen.“ Es sei leicht, Gebührenerhöhungen zu fordern, aber schwierig, solche Empfehlungen umzusetzen. Deshalb schlage die Stadtverwaltung dem Rat fürs Jahr 2026 keine Erhöhung vor. Allerdings: „Wir werden uns im kommenden Jahr in aller Ruhe über das Thema Friedhöfe unterhalten“, sagt Ortmeier. So solle sich eine Arbeitsgruppe mit neuen Bestattungsformen auseinandersetzen. Die Stadt betreibt drei Friedhöfe und drei Trauerhallen. Stadt macht deutlichen Überschuss Die Gemeindeprüfungsanstalt ist eine Einrichtung des Landes. Per Gesetz ist es ihre Aufgabe, die Finanzen, die Gremienarbeit und andere Arbeitsbereiche der Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen regelmäßig unter die Lupe zu nehmen. Barntrup war zuletzt 2020 geprüft worden. Die Ergebnisse der neuerlichen GPA-Untersuchung stellten Präsident Esken und seine Mitarbeiter in der jüngsten Sitzung des Stadtrats vor. Dabei ging es auch um die Finanzen: Die Prüfer attestieren der Stadt eine überdurchschnittliche Verschuldung und eine unterdurchschnittliche Ausstattung mit Eigenkapital. Nach jüngsten Zahlen von Kämmerer Uwe Schünemann liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 2084 Euro (Stand: Ende 2024). Nicht dabei berücksichtigt sind Liquiditätskredite. Die GPA sieht „erhöhten Handlungsbedarf“, um die Haushaltssituation zu stabilisieren. Weil die Stadt zuletzt viele Gebäude saniert habe – beispielsweise das Gymnasium – und das weiter tun wolle, werde die Verschuldung steigen. Auch für Bürgermeister Ortmeier ist der Blick in die Zukunft in finanzieller Hinsicht „nicht rosig“: Für die nächsten Jahre sei die Finanzplanung deutlich negativ. Die Stadt habe ihre Hausaufgaben in verantwortungsvoller Art und Weise gemacht, „doch wir hängen am Tropf von Düsseldorf und Berlin“. Allerdings gibt es auch finanzielle Lichtblicke: So hat die Stadt das Jahr 2024 mit einem Überschuss von 800.000 Euro abgeschlossen – dabei hatte sie mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro gerechnet. „Wir sind zufrieden mit dem Jahresabschluss“, sagt Ortmeier. Schließlich habe es eine Ergebnisverbesserung von mehr als zwei Millionen Euro gegeben. Details zu den Gründen sollen den Kommunalpolitikern in Kürze vorgestellt werden. Stadt hat Arbeitsabläufe im Griff Positiv ebenfalls: Die Prüfer bescheinigen der Stadt, im Bereich Personal, Organisation und IT überdurchschnittlich fit zu sein. Sie habe begonnen, auf Digitalakten umzustellen, und habe die Arbeitsabläufe im Rathaus gut im Griff. Weil in den nächsten zehn Jahren viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, empfiehlt die GPA, noch stärker auf die Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten und -gemeinden zu setzen. Ebenfalls unter die Lupe genommen wurde die Ratsarbeit. Die GPA lobt, dass eine Verschlankung des Rats beschlossen worden war, die allerdings wegen Überhangmandaten bei der Wahl vorerst keine Wirklichkeit wird. Denn die Kosten der Ratsarbeit seien höher als im Durchschnitt. Weil der Prüfbericht Politik und Verwaltung schon länger bekannt war, so Ortmeier, sei die Zahl der Ratsausschüsse in der neuen Wahlperiode reduziert worden. So wurden der Ausschuss für Planung und Verkehr sowie der Ausschuss für Bauen, Klimaschutz und Umwelt zusammengelegt – zum neuen Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt. Außerdem stellen die Fraktionen laut GPA überdurchschnittlich viele Anträge. Diese bedeuten mitunter zusätzliche Arbeit für die Stadtverwaltung. Die Prüfer empfehlen, die Zahl der Anträge gegebenenfalls zu reduzieren. Ob das bei den Kommunalpolitikern auf Zustimmung stößt, ist allerdings fraglich. Schließlich sind die Anträge für sie oftmals der Beleg für aktive Arbeit in den Gremien.