Zum Gedenken eines Holocaust-Überlebenden aus Detmold

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2020 sind in der Karlstraße fünf Stolpersteine in Gedenken an die Familie Herzberg vor ihrem ehemaligen Wohnhaus verlegt worden. - © Archivfoto: Yvonne Glandien
2020 sind in der Karlstraße fünf Stolpersteine in Gedenken an die Familie Herzberg vor ihrem ehemaligen Wohnhaus verlegt worden. (© Archivfoto: Yvonne Glandien)

Detmold. Heute vor 100 Jahren, am 11. Juni 1921, ist Fritz (später Fred) Herzberg in Detmold geboren worden. Als Mensch jüdischen Glaubens ist er während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt worden, überlebte aber den Holocaust.

Fred Herzberg etwa ein Jahr vor seinem Tod in St. Louis. - © Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Detmold
Fred Herzberg etwa ein Jahr vor seinem Tod in St. Louis. (© Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Detmold)

Die Detmolder Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz nimmt den Jahrestag zum Anlass, aus Fred Herzbergs Leben zu berichten.„Zwei Jahre vor Fritz Herzbergs Geburt hatten seine Eltern Moritz und Johanna ein Konfektionswarengeschäft in der Langen Straße 71 übernommen", weiß Mitschke-Buchholz. „Die Herzbergs gehörten zur jüdischen Gemeinde Detmold, in deren Vorstand sich Moritz Herzberg engagierte."Mit der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 setzten auch für Fritz und seine Familie Ausgrenzung, Anfeindungen und Diffamierungen ein.

Kindertransport nach England

Ein Stolperstein erinnert in der Karlstraße an Fred Herzberg. - © Yvonne Glandien
Ein Stolperstein erinnert in der Karlstraße an Fred Herzberg. (© Yvonne Glandien)

Für seine Eltern bedeuteten die Novemberpogrome 1938 nicht nur das Ende ihres Betriebes und damit den Verlust der wirtschaftlichen Existenz. Moritz Herzberg wurde in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er vier Wochen später als alter und gebrochener Mann entlassen wurde. Mit dem Wissen, das es nun ums Überleben ging, betrieben auch die Herzbergs verzweifelt ihre Flucht aus Deutschland. Fritz erhielt durch familiäre Verbindungen die Chance, mit einem der Kindertransporte nach England zu gelangen. Er verließ Detmold im Februar 1939 mit dem uneinlösbaren Auftrag, auch seine Familie zu retten. Zahlreiche Auswanderungsversuche der in Detmold gebliebenen Familie scheiterten.

Im Juli 1942 erreichte Fritz, der sich nun schon länger Fred nannte, ein Brief über das Rote Kreuz, in dem ihm sein Vater mitteilte, dass ihr „Wohnsitz" nun wahrscheinlich nach Theresienstadt verlegt würde. Erst im Oktober 1945 erfuhr Fred Herzberg das volle Ausmaß dieser Katastrophe, die sein Leben zerriss und zutiefst beschädigte. Sein Vater und seine Großmutter waren in Theresienstadt umgekommen, seine Mutter und seine Schwester Gerda waren in Auschwitz ermordet worden. Insgesamt vierzehn Mitglieder der einst großen Familie Herzberg waren Opfer des Völkermordes geworden. 1947 wanderte Fred Herzberg zu seinem Onkel und seiner Tante in die USA aus.

Nie wieder deutschen Boden betreten

In St. Louis, Missouri arbeitete er in dessen Schmuckgroßhandel, den er später übernahm. 1950 heiratete er Lotti Jacobsthal, die ebenfalls Überlebende war. 1956 wurde ihr Sohn Michael geboren. Nach Lottis frühem Tod, heiratete Fred ein zweites Mal. Lore Müller kam ursprünglich aus Hamburg. 1961 kam ihre Tochter Joanne zur Welt. Am 31. Januar 2008 starb Fred Herzberg schwer herzkrank in St. Louis. Sein Versprechen, nie wieder deutschen Boden zu betreten, hatte er stets eingehalten. Seine Tochter Joanne verließ allerdings vor wenigen Jahren die USA, wählte Detmold als ihren Wohnort und nahm damit die abgerissenen Wurzeln ihrer Familie wieder auf.

Im vergangenen Jahr wurden in Detmold zum Gedenken an die Familie Herzberg fünf Stolpersteine verlegt.

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