Lipper machen auf häusliche Gewalt aufmerksam

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Referent Alexander Korittko spricht über das Thema „Umgang nach Gewalt oder Neuanfang ohne Angst?“. - © Kooperationsgremium für Lippe gegen häusliche Gewalt
Referent Alexander Korittko spricht über das Thema „Umgang nach Gewalt oder Neuanfang ohne Angst?“. (© Kooperationsgremium für Lippe gegen häusliche Gewalt)

Detmold. Das Kooperationsgremium „Für Lippe gegen häusliche Gewalt“ hat sein 20-jähriges Bestehen genutzt, um auf eine wichtige Angelegenheit aufmerksam zu machen: Wie stark sind Kinder von Partnerschaftsgewalt betroffen, was macht das Leben mit ihnen, wenn sie in einem gewaltgeprägten Elternhaus aufwachsen und wie wirkt sich eine Trennung auf sie aus? - Fragen, die im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung des Kooperationsgremiums geklärt wurden. Dabei ging Alexander Korittko, ein Referent mit besonderer Fachexpertise, auf das Thema „Umgang nach Gewalt oder Neuanfang ohne Angst?“ ein.

Im Rahmen der Veranstaltung referierte Korittko vor rund 30 Teilnehmern. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie bedeutsam die Thematik ist und dass der Wunsch nach einer vertieften Weiterarbeit besteht. Die fachlichen Impulse im Kooperationsgremium sollen mit den vorhandenen Partnern, darunter Jugendamt, Beratungsstellen und Amtsgerichten, nochmals beleuchtet werden, um herauszuarbeiten, wie betroffenen Kindern besser geholfen werden kann.

Häusliche Gewalt wird nicht toleriert

Als das Gewaltschutzgesetz und die Änderung des Polizeigesetzes 2002 beschlossen wurde, war dies laut Pressebericht ein Meilenstein im Kampf gegen Gewalt an Frauen. Was macht dieses Gesetz für Betroffene von häuslicher Gewalt so wichtig? Gewalt in der Partnerschaft wurde oft bagatellisiert und als „Familienstreit“ abgetan und als Privatsache wahrgenommen, aus der man sich raushalten sollte. Mit den Gesetzesänderungen kam es zur Kehrtwende. Gewalt hinter der verschlossenen Tür wird seitdem nicht mehr toleriert und das Opfer genießt einen besonderen Rechtsschutz. „Wer schlägt, muss gehen!“ lautet der Tenor des Gesetzes.

Alle staatlichen Institutionen und sozialen Einrichtungen sind gefordert, häusliche Gewalt ernst zu nehmen und zu intervenieren, Opfer besser zu schützen und Täter zur Verantwortung zu ziehen. Um die Gesetzänderungen möglichst effektiv in Lippe umzusetzen, wurde im gleichen Jahr das „Kooperationsgremium für Lippe gegen häusliche Gewalt“ gegründet. Die Initiative dazu kam von der Frauenberatungsstelle Alraune, der Kreispolizeibehörde Lippe und den Gleichstellungsstellen des Kreises Lippe und der Stadt Detmold.

„Uns war klar, dass mit diesem Gesetz zwar ein großes Instrumentarium zur Bekämpfung von häuslicher Gewalt zur Verfügung steht, aber es vor allem auf das Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen ankommen wird“, erklärt Regina Homeyer, Gleichstellungsbeauftragte und eine der Initiatorinnen.

Schutz in Gewaltsituationen

Laut Pressebericht ist es der Polizei zum Beispiel möglich, die gewaltausübende Person für eine begrenzte Zeit aus der Wohnung zu verweisen und auch ein Annäherungsverbot auszusprechen. Betroffene werden auf Schutz- und Hilfsmöglichkeiten hingewiesen beziehungsweise wird ein Kontakt zu Beratungsstellen vermittelt. Durch die Gerichte können weitere Schutzanordnungen getroffen werden. Wer Gewalt ausübt wird in Lippe zum Beispiel in das Anti-Gewalt-Training vermittelt.

„In Lippe sind wir, auch was die Datenlage angeht, gut aufgestellt“ so Nicole Krüger, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Lippe. Bei den 450 im vergangenen Jahr polizeilich registrierten Fällen von Gewalt in häuslicher Gemeinschaft handelte es sich in 350 Fällen um Gewalt in der Partnerschaft. Bei Partnerschaftsgewalt waren 91 Prozent der Betroffenen Frauen.“ Kinder sind oft direkt oder indirekt mitbetroffen, sodass in diesen Fällen immer auch das Jugendamt den Betroffenen Hilfe und Unterstützung anbietet und den Kinderschutz sicherstellt, heißt es in der Pressemitteilung. Auf der Homepage www.haeusliche-gewalt-lippe.de sind weitere Informationen für Betroffene zu finden.

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