Detmold. „Kein sicherer Raum – weißer Jesus und Rassismus in der Kirche“: das war Thema beim Marktplatzgespräch im Gemeindehaus der Erlöserkirche am Markt in Detmold. Theologin und Religionspädagogin Sarah Vecera von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) las aus ihrem aktuellen Buch „Wie ist Jesus weiß geworden? Mein Traum von einer Kirche ohne Rassismus“.
Sarah Vecera ist Initiatorin der „Alle-Kinder-Bibel“, einer diversitätssensiblen Kinderbibel. "Da Kinderbibeln versuchen, Gott greifbar zu machen, wird daran sehr viel deutlich." Als sie ihre dreijährige Tochter gefragt habe, wie sie sich Gott vorstelle, habe sie bemerkt: "In ihrem Kopf war Gott bereits ein alter weißer Mann", heißt es in einem Pressebericht der Lippischen Landeskirche. Das bezeichnet Vecera als ein strukturelles Problem: „Wenn wir durch unsere Kinderbibeln bereits in kleinen Köpfen so ein Gottesbild verfestigen, wird sich nie etwas ändern“, wird sie zitiert.
Die Motivation zu diesem Buch sei ihr im Zuge des Aufschwungs der „Black Lives Matter“-Bewegung nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd gekommen: „Vieles wurde zu dem Thema geschrieben, aber es fehlte noch ein Buch, das sich mit Rassismus in der Kirche beschäftigt.“ Gerade die Kirche müsse aber ein Ort sein, an dem sich alle Menschen willkommen und sicher fühlen. Dass sich weltweit das Bild vom „weißen“ Jesus durchgesetzt habe, zeige die „weiße Dominanz in der Welt“.
Positiver Rassismus
Im Anschluss hätten in der Lippischen Landeskirche Aktive ihre Diskriminierungserfahrungen geschildert, heißt es in der Mitteilung weiter. Aylin Sayin ist in Bentrup-Loßbruch aufgewachsen und studiert nun Theologie auf Pfarramt in Göttingen, ist aber weiter in Lippe kirchlich engagiert. Das Gottesbild vom „alten weißen Mann“ habe auch ihre Kindheit geprägt. Zudem habe sie auch vermeintlich „positiven“ Rassismus in der Kirche erlebt, indem etwa gesagt wurde, dass Gott alle Menschen lieb habe und sie dann konkret angeschaut worden sei. Ihr sei beim Rollenspiel wie selbstverständlich die Figur mit Migrationshintergrund zugewiesen worden oder sie sei als „seltenes Beispiel für gelungene Integration“ exotisiert worden. „Das ist sehr verletzend, und nicht immer hat man die Kraft, etwas zu entgegnen", wird sie zitiert.
Mohsen Amininia lebte im Iran, ehe er 2018 nach Deutschland kam und nun in Lage wohnt. Der Fachinformatiker engagiere sich im Internationalen Bibelkreis der Landeskirche. "Er berichtete, dass er bei der Ausbildungsplatzsuche als Iraner abgewiesen worden sei. Als er eine Anstellung fand, habe er erlebt, dass seine deutschen Kollegen für dieselben kleinen Fehler keinen Ärger bekamen, er aber schon."
„Rassismus kann nur aus der Welt geschafft werden, wenn wir darüber reden“, betonte Sarah Vecera abschließend. Es gehe nicht um Schuldzuweisung, sondern um die schmerzhafte Anerkennung, dass wir alle von Rassismus geprägt seien.