Erste Monocabs-Testfahrt auf der Extertalbahn ist für den Herbst geplant

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Diese Grafik zeigt, wie die Monocabs aussehen könnten (Stand: 2018). Das Schienenprojekt soll helfen, die Mobilität in Lippe zu sichern. - © Ilja Nowodworski
Diese Grafik zeigt, wie die Monocabs aussehen könnten (Stand: 2018). Das Schienenprojekt soll helfen, die Mobilität in Lippe zu sichern. (© Ilja Nowodworski)

Dörentrup-Humfeld. Die Monocabs haben das Zeug, gemeinsam mit der intelligenten Vernetzung anderer Verkehrsmittel die Mobilität im Nordosten Lippes und damit im ländlichen Raum zu sichern.

Darüber hinaus werden sie bundesweit zur Kenntnis genommen. Das ist das Ergebnis einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Mobilität, die im Rahmen des Regionale-2022-Sommers in der Testhalle des Begaparks in Humfeld stattgefunden hat.

Monocab kommt per App an die Wunschhaltestelle

In der Halle werden gerade die technischen Module der Monocabs getestet, wie die TH OWL mitteilt. Wie berichtet, soll das Eingleissystem nach den bisherigen Planungen ab dem 3. Oktober auch auf der Extertal-Strecke zwischen Bösingfeld und Rinteln präsentiert werden. Bei den Monocabs handelt es sich um Einschienen-Fahrzeuge, die somit auf einspurigen Bahnstrecken im Begegnungsverkehr unterwegs sein können. Ihre Doppelkabine wird durch einen Kreisel stabilisiert. Die Idee stammt von der Landeseisenbahn Lippe, die damit den Deutschen Mobilitätspreis 2018 gewonnen hatte.

Die Monocabs können per App zu einem bestimmten Zeitpunkt am Haltepunkt der Wahl bereitgestellt werden. In einer Einheit haben insgesamt bis zu sechs Menschen Platz, aber auch Fahrräder und Rollstühle. Die Monocabs seien „eines der spannendsten Projekte" des Regionale-Förderprogramms überhaupt, sagte Landrat Dr. Axel Lehmann. Thorsten Försterling, im Team für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, moderierte die Diskussion. Der Ingenieur und Innovationsmanager ist der geistige Vater des Einschienensystems, an dem heute neben der TH OWL die Fachhochschule Bielefeld, das Fraunhofer-Institut und die Landeseisenbahn Lippe gemeinsam arbeiten.

"On demand": Zukunft der Mobilität

Während der Diskussion über die Mobilität der Zukunft wurde dann auch deutlich, dass die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in der ländlichen Region nur in der Vernetzung der Verkehrsarten von der Bahn über den Bus bis hin zu „On-demand-Diensten", also Diensten auf Abruf, liegen könne.

Achim Oberwöhrmeier, Geschäftsführer der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe, machte deutlich, dass in einer Region wie Lippe nicht einfach zusätzliche Verbindungsmöglichkeiten wie in den Metropolen geschaffen werden können. „Dazu fehlen uns die Fahrgäste und das Geld. Wir können nur darauf setzen, über die Vernetzung einen Mix anzubieten, der entsprechend fortschrittlich ist."

Für die Akzeptanz seien auch Gestaltung und Nutzungsqualitäten der Kabine wichtig, sagte Professor Dr. Ulrich Nether von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur der TH. Nether und sein Team zeigten erstmals eine Vorstudie des Designs in Originalgröße. Die Außenhülle soll aus nachhaltigem naturfaserverstärktem Kunststoff bestehen.

Neues Denken

Für den Vize-Präsidenten der TH OWL, Professor Dr. Stefan Witte, geht es beim Monocab-Projekt auch um neues Denken. Die Automatisierung und Digitalisierung mache Verkehrslösungen möglich, die es bisher nicht habe geben können. Dieses neue Denken, ergänzte Jürgen Tuscher, Geschäftsführer des Rail-Campus OWL in Minden, werde in den Studiengängen am Rail-Campus eine große Rolle spielen. „Wir sehen, dass es möglich ist, unsere Ideen technisch umzusetzen", so Professor Dr. Thomas Schulte von der TH OWL, der das gesamte Projekt leitet.

Über die Mobilität der Zukunft diskutierten mit Moderator und Ideengeber Thorsten Försterling (von links) Achim Oberwöhrmeier (Geschäftsführer der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe), TH-OWL-Vizepräsident Professor Dr. Stefan Witte, SPD-Bundestagsabgeordneter Jürgen Berghahn, Professor Ulrich Nether von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, Rail-Campus-Geschäftsführer Jürgen Tuscher und Professor Dr. Thomas Schulte von der TH OWL. - © TH OWL
Über die Mobilität der Zukunft diskutierten mit Moderator und Ideengeber Thorsten Försterling (von links) Achim Oberwöhrmeier (Geschäftsführer der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe), TH-OWL-Vizepräsident Professor Dr. Stefan Witte, SPD-Bundestagsabgeordneter Jürgen Berghahn, Professor Ulrich Nether von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, Rail-Campus-Geschäftsführer Jürgen Tuscher und Professor Dr. Thomas Schulte von der TH OWL. (© TH OWL)

Zuvor hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Berghahn, Mitglied im Verkehrsausschuss, erklärt, dass die Verkehrswende weiterhin eines der wichtigen Zukunftsprojekte der Bundesregierung sei. Landrat Lehmann, Schirmherr der Monocabs, betonte: „Ich freue mich schon auf die Probefahrt, hoffentlich im Herbst".

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