Extertal-Bösingfeld. Bahnverkehr nördlich von Bösingfeld: Wo der Museumszug nicht mehr fährt und sonst nur Draisinen unterwegs sind, werden die Monocabs getestet. Zwischen dem Gelände der Verkehrsbetriebe Extertal und Nalhof gibt es auf der stillgelegten Bahnstrecke zwei zusammen etwa zwei Kilometer lange Testfelder für die elektrisch betriebenen Fahrzeuge. 80 Gäste von der holländischen Grenze haben die kreiselstabilisierte Einschienenbahn dort jetzt in Aktion erlebt. Sie haben ein Interesse an der Technik aus OWL: Die Monocabs könnten dazu dienen, einer zurzeit stillgelegten Bahnstrecke zwischen Kleve und Nimwegen neues Leben einzuhauchen. Die neue Verbindung des Monocab-Projekts zum Niederrhein umfasst auch eine Forschungskooperation mit der Hochschule Rhein-Waal. Die Besucher um Professor Dr. Ralf Klapdor und Andreas Lietschulte vom Unterstützerkreis für die grenzüberschreitende Bahn-Reaktivierung waren deshalb angereist, um die Monocabs in Dörentrup und in Extertal live zu erleben und sich über neue Entwicklungen zu informieren – so ist das Weichenproblem gelöst. Nahezu ununterbrochen startet das für vier bis sechs Fahrgäste konzipierte Monocab „Hermann“ vom Stützpunkt an der Bruchstraße in Bösingfeld aus zu Probefahrten mit Passagieren aus dem Kleverland 150 Meter auf den Schienen Richtung Bahnhof Bösingfeld und zurück; ferngesteuert von Martin Griese aus dem Entwicklerteam. Die Fahrgäste werden vor und nach dem Ausstieg befragt: Wie ist ihr Eindruck? Würden sie auch im Alltag in solch ein fahrerloses Fahrzeug steigen, eventuell auch mit anderen Passagieren? „Es ist oft eine Frage der Wahrnehmung“, sagt Professor Dr. Rald Klapdor von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. „Wir haben solch eine Befragung schon mit den Fahrgästen von selbstfahrenden Bussen gemacht.“ Hochschule Rhein-Waal forscht zur Monocab-Akzeptanz In den Bus von Kleve nach Extertal konnten alle Interessierten steigen, sofern sie bereit waren, sich befragen zu lassen. Zusammen mit Partnern untersuchen Klapdor und Mitarbeiter an ihnen, welches Potenzial die Monocabs für die Bahnstrecke bei ihnen vor der Haustür haben können. Die Akzeptanzforschung soll ermitteln, ob die Menschen an der Strecke die autonom fahrenden Fahrzeuge nutzen würden – auf beiden Seiten der Grenzen. Mit im Boot sitzt deshalb auch Ruben Loendersloot aus Nimwegen, der eine Beratungsgesellschaft für Mobilitätsplanung hat. „Wir finden die Monocabs toll. Aber würden die Menschen an der Strecke sie bei uns annehmen?“, erklärt er den Ansatz. Für das grenzüberschreitende Forschungsprojekt gibt es öffentliche Gelder. Wie die Unterstützer um Andreas Lietschulte hält er die Monocabs für das geeignete Mittel, um die grenzüberschreitende stillgelegte Bahnstrecke von Kleve bis Nimwegen auf einem zwölf Kilometer langen Abschnitt bis Groesbeek in den Niederlanden wieder für den Nahverkehr zu nutzen. Die Strecke wird zurzeit wie in Extertal mit Draisinen befahren. Bahnstrecke führt über den Marktplatz Die fahrerlosen Monocabs seien vielversprechend für eine Reaktivierung, meint Loendersloot: „Schließlich haben wir einen Personalmangel im ÖPNV-Bereich.“ Überdies führe die Strecke im Ort Groesbeek mitten über den Marktplatz. Ein normaler Zug könnte dort nicht fahren, ein kleines Monocab vielleicht schon, meint der Niederländer. Lietschulte, der die Kleverländer auf die ostwestfälisch-lippischen Monocabs aufmerksam gemacht hatte, nennt als Ziel für seine Region, eine Demostrecke zur Landesgartenschau in Kleve 2029 einzurichten. In mancher Hinsicht sind die Bedingungen in der dortigen Grenzregion ähnlich wie in Lippe, wo es die Idee gibt, Monocabs für die stillgelegte Bahnstrecke im Begatal einzusetzen. Barrierefreie Mobilität auf dem Land sei wichtig – für Schüler wie für Senioren.