Lage. Sie möchte mit 56 noch einmal zu neuen Ufern aufbrechen. Pfarrerin Christina Hilkemeier verlässt Lage und übernimmt zum 1. September eine Pfarrstelle in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Johannis in Arbergen am südöstlichen Stadtrand von Bremen. Der Wechsel zu einer lutherischen Gemeinde stellt für die 56-Jährige kein Problem dar. Sie muss nicht konvertieren, sondern sich nur verpflichten, das lutherische Bekenntnis und die etwas andere Gottesdienstordnung der Gemeinde zu achten. „Die Bremer sind undogmatisch und offen“, hat sie festgestellt. Die dortige Pfarrstelle war ein Jahr unbesetzt. Für ihren Wechsel gibt es nach Angaben Hilkemeiers zwei Gründe. Sie hat noch zehn Dienstjahre vor sich, „es ist also eine gute Zeit, etwas Neues zu erleben“. Zudem lebt die Tochter ihres Mannes mit Enkelkind in der Nähe. Bremen sei eine interessante Stadt, sagt die 56-Jährige, die gern Theateraufführungen und Ausstellungen besucht. Die Arbeit dort wird sie sich mit einem Kollegen in ihrem Alter teilen. Er ist Pastor in der benachbarten Kirchengemeinde in Mahndorf. Beide Gemeinden kooperieren eng miteinander. Christina Hilkemeier ist Lipperin durch und durch. Geboren in Spork-Wendlinghausen absolvierte sie das Abitur am Barntruper Gymnasium und studierte anschließend Theologie in Münster und Marburg. Das Virkariat im lippischen Heiden gefiel ihr gut. Das Anerkennungsjahr verbrachte sie in Bega. Dort bereits für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig, kümmerte sie sich auch um die zwei Kindertagesstätten. „Das hat mich gut vorbereitet auf Lage“, resümiert die Pfarrerin im Gespräch. Ihre erste Pfarrstelle besetzte sie von 1998 bis 2010 in Talle. Dort an die dörflichen Gemeinschaften anknüpfen zu können, hat ihr gut gefallen. Dann kam Lage. Die Pfarrstelle II war zuvor ein Jahr vakant gewesen. Starke Gemeinschaft mit 5000 Mitgliedern Sie stieß auf eine starke Gemeinschaft und intensive familiäre Strukturen auf dem Maßbruch. Auch das Dorf Hagen gehörte dazu. Viele Menschen trugen und tragen heute noch die kirchliche Gemeinschaft. Für die Arbeit mit den Konfirmanden fand Christina Hilkemeier einen Kreis von Teamern, die auch die Freizeiten begleiteten. Inzwischen werden die Konfis mit denen der Marktkirche gemeinsam unterrichtet – was die Pfarrerin schade findet, aber die Gruppe wäre ansonsten zu klein. Christina Hilkemeier war auch für den Kindergarten, heute ein Familienzentrum, zuständig. „Große Freude hat mir die religionspädagogische Arbeit gemacht“, zieht die 56-Jährige Bilanz. Ihre Heirat feierte die Pfarrerin im Jahr 1919 in der Kirche mit der Gemeinde. Das Jahr 2020 war für die reformierte Kirchengemeinde Lage in mehrerer Hinsicht ein Umbruch. Die Pfarrer Ernst-August Pohl und Rainer Stecker gingen in den Ruhestand; der Umbau des Gemeindehauses an der Marktkirche wurde geplant. In Folge wurden die drei Pfarrbezirke aufgrund gesunkener Mitgliederzahlen in die Pfarrbezirke West und Ost aufgeteilt, so dass nur noch zwei Seelsorger, Dr. Sven Lesemann und Christina Hilkemeier, für die rund 5000 Gemeindemitglieder zuständig sind, darunter auch fünf große Pflegeheime. Als traurig empfand die scheidende Pfarrerin den Verkauf des Gemeindehauses Hagen im Jahr 2015, das nun als Flüchtlingsunterkunft dient. Die Kontakte seien seitdem geringer geworden, einige Gemeindemitglieder hätten sich nach Sylbach orientiert. „Ich hoffe, dass sich die Aktivitäten hier halten“, meint die Lipperin mit Blick auf den Maßbruch. „Hier ist die Kirche noch nah bei den Menschen.“ Auf dem Maßbruch gebe es einen Generationenwechsel, die kleinen Häuser seien für junge Familien attraktiv. Das sei für die Kirche auch eine Chance. Familienarbeit könne ans Familienzentrum anknüpfen, während die Marktkirche ein kulturelles Forum biete. Ob Kinderkirche, Familiennachmittage, Kochgruppe oder besondere Gottesdienste – Christina Hilkemeier hat alles begleitet. Sie predigt gern, und so fanden Gottesdienste auch im Ziegeleimuseum, Stadion, Freibad oder auf Höfen statt. Dabei wurden beispielsweise Filmausschnitte gezeigt oder Literatur vorgetragen. „Es hat mir Freude gemacht, Neues auszuprobieren“, erzählt sie.Ihre Verabschiedung ist am Sonntag, 22. August, ab 16 Uhr im oder am Gemeindehaus geplant. Den Auftakt bildet ein feierlicher Gottesdienst, dem sich ein Empfang anschließt.