Vorwurf schwerer Vergewaltigung: Ex-Paar aus Schieder und Detmold verurteilt

Nils Middelhauve

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Das Landgericht hat ein Ex-Paar aus Lippe verurteilt. - © Arne Dedert/dpa
Das Landgericht hat ein Ex-Paar aus Lippe verurteilt. (© Arne Dedert/dpa)

Bielefeld. Vor dem Landgericht ist der Prozess gegen ein homosexuelles Ex-Paar aus Lippe zu Ende gegangen, das sich seit gut zwei Monaten mit dem Vorwurf schwerer Sexualstraftaten bis hin zur Vergewaltigung konfrontiert sah. Ein Detmolder (44) und ein Schieder-Schwalenberger (56) mussten sich vor Gericht verantworten. Für einen endete der Prozess mit einer Haftstrafe.

Das Gericht verurteilte nun den 56 Jahre alten Frank P. aus Schieder-Schwalenberg (Namen aller Betroffenen geändert) wegen sexueller Übergriffe, Missbrauchs sowie sexueller Nötigung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. Den ebenfalls angeklagten Bernd J. (44) aus Detmold sprach die Kammer hingegen von den Vorwürfen frei.

Schwerste Vorwürfe lösen sich in Luft auf

Der Vorsitzende Richter Christoph Meiring brach gleich zu Beginn der Urteilsbegründung eine Lanze für die ermittelnden Polizeibeamten: Diese hätten im vorliegenden Verfahren mit viel Engagement ermittelt, hätten sich nach den von vielen Seiten kritisierten Vorkommnissen rund um das Lügde-Verfahren keine Blöße geben wollen. Diese Akribie, so Meiring, habe die involvierten Beamten bis an den Rand der Kapazitäten und ertragbaren Arbeitsbelastung gebracht.

Die Kehrseite habe sich jedoch ebenfalls gezeigt: Wären die Vernehmungsvideos eines Hauptbelastungszeugen nicht erst kurz vor der Hauptverhandlung ausgewertet worden, wäre dieser Komplex wohl gar nicht erst Gegenstand des Prozesses geworden. Andere gegen die Angeklagten erhobenen Vorwürfe hätten sich, so Meiring, „während der Verhandlung deutlich entdramatisiert", die Erkenntnisse, die das Gericht gewonnen habe, seien in einigen Fällen „eher dürftig" geblieben.

Es waren schwere Vorwürfe, die die Bielefelder Staatsanwaltschaft gegen das mittlerweile getrennt lebende Ex-Paar erhoben hatte. Seit etwa 2008 sollten die beiden Männer, teils alleine, teils gemeinsam vorgehend die Hilf- und Wehrlosigkeit mehrerer Kinder, Jugendlicher und Heranwachsender für ihre Zwecke missbraucht haben.

Es kam zu strafbaren Übergriffen

Doch löste sich während der zweimonatigen Gerichtsverhandlung insbesondere der schwerwiegendste Komplex – das Paar soll einen psychisch labilen 19-Jährigen in der damaligen gemeinsamen Wohnung in Bielefeld zu Hausarbeiten und sexuellen Dienstleistungen genötigt haben – in den Worten von Richter Meiring „in Luft auf".

Gleichwohl kam es zu strafbaren Übergriffen: Bei einer Gelegenheit berührte Frank P. einen damals elf Jahre alten Jungen, als dieser ihn besuchte, bei einer Massage im Genitalbereich. Mehrfach wurde der vorbestrafte Angeklagte zwei 18 und 19 Jahre alten Männern gegenüber zudringlich. Das Gericht verurteilte ihn daher zu der genannten Haftstrafe.

Seinen ebenfalls angeklagten Ex-Freund sprach das Gericht jedoch frei, da diesem ein strafbares Verhalten nicht mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit nachzuweisen war.

Information

Der jahrelange Missbrauch von Lügde


Der Missbrauchsfall Lügde hat ganz Deutschland erschüttert. Jahrzehntelang wurden auf dem Campingplatz Eichwald viele Kinder missbraucht. Der Prozess vor dem Landgericht Detmold im Sommer 2019 hat viele Menschen bewegt. Die Hauptverdächtigen wurden zu langen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Alles zum Fall Lügde gibt es hier zum Nachlesen.

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