Gewalt im Freibad Elverdissen - Festnahmen auf der Liegewiese

Peter Steinert

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Den Badespaß im Freien schien bislang in Elverdissen garantiert. Zuletzt drängten sich jedoch Randalierer und Krawallmacher in der Vordergrund. Die Polizei beendete den Spuk. - © Isabelle Helmke
Den Badespaß im Freien schien bislang in Elverdissen garantiert. Zuletzt drängten sich jedoch Randalierer und Krawallmacher in der Vordergrund. Die Polizei beendete den Spuk. (© Isabelle Helmke)

Herford. Strahlender Sonnenschein. Temperaturen über 30 Grad. 3.000 Gäste tummeln sich im Freibad Elverdissen, wo die Situation an einem Sonntagnachmittag eskaliert. Überforderte Mitarbeiter der Stadtwerke stehen einer aufgebrachten Menge gegenüber und alarmieren die Polizei. Die rückt mit fünf Streifenwagen an, spricht Platzverbote aus und nimmt zwei der Randalierer fest. Die Stadtwerke reagieren jetzt und stellen künftig bei ähnlichem Andrang einen Sicherheitsdienst ein. Badebetriebsleiter Markus Diering: „Das machen wir zum Schutz der Gäste und unseres Personals."

Zeugin des Geschehens ist eine 65-Jährige, die sich mit ihrem zehnjährigen Enkelkind einen schönen Tag im Freibad machen möchte. Mit Mühe ergattert sie einen Platz auf der Rasenfläche. „Bei dem Versuch, mit meiner Enkeltochter ein Eis am Kiosk zu besorgen, gaben wir nach einer Wartezeit von 30 Minuten auf. Der Kiosk war total überfüllt", sagt die Herforderin.

Äußerst aggressive Mitglieder einer Großgruppe suchen Streit

Früher als geplant wollen sich Großmutter und Enkelkind auf den Heimweg machen. „Während des Zusammenpackens wurde es im Bad plötzlich unruhig. Äußerst aggressive Mitglieder einer Großgruppe befanden sich offensichtlich in einem Streitgespräch mit dem Badepersonal. Dabei stellte sich diese Gruppe nicht nur gegen die Mitarbeiter, sondern auch gegen andere Badegäste", sieht die Seniorin und ist froh, als mehrere Polizeibeamte eintreffen.

Die Bad-Besucherin zu dieser Zeitung: „Meine Enkelin und ich, wie auch eine Großzahl der anderen Badegäste, mussten mit Schrecken beobachten, wie Badepersonal, Polizei und Unbeteiligte beschimpft, bedroht und körperlich angegangen wurden. Mehrere Personen wurden in Handschellen abgeführt und uns wurde deutlich, wie gefährlich und unberechenbar das Ganze war."

Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier bestätigt den Einsatz: „Es hat Streitigkeiten zwischen zwei Gruppen Jugendlicher beziehungsweise junger Erwachsener gegeben, bei denen unter anderem Drohungen ausgesprochen wurden. Es kam zu einer Anzeige, ein 20-Jähriger und ein 24-Jähriger wurden auf die Wache zur Feststellung ihrer Personalien gebracht."

Personen widersetzen sich den Anweisungen des Personals

Stadtwerkechef Oliver Daun: „Es ist in der Tat so, dass wir in den letzten Jahren nicht nur nachts zunehmend Besuch, sondern auch tagsüber zunehmend Ärger bekommen. Ich nenne das ungehöriges Verhalten. Diese Personen widersetzen sich den Anweisungen des Personals. Unsere Gäste kommen, um Spaß und Freude zu haben, und nicht um belästigt zu werden. Stellenweise ist das unzumutbar geworden."

Die Stadtwerke betreiben in Herford neben dem Freizeit und Spaßbad H2O auch die beiden Freibäder in Elverdissen und im Kleinen Felde. Aufkeimende Gewalt und Aggressionen seien laut Bäderbetriebsleiter Markus Diering „verstärkt in den vergangenen ein, zwei Jahren" festgestellt worden. Auswüchse wie am Sonntag in Elverdissen wären aber neu, „das war die Spitze der Eskalation".

Bei 30 Grad gehen die Nerven durch

Der Stadtwerke-Mann weiter: „Wenn wir uns der 30 Grad-Marke nähern, dann entsteht eine insgesamt angespannte Situation. Da gehen die Nerven durch. Ich hoffe nicht, dass wir einer gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen müssen. Wenn, dann ginge das nur mit zusätzlichem Personal. Die Schwimmmeister müssen ihre Augen auf dem Badbetrieb haben."

Markus Dierings bitteres Fazit: „Der Wind ist rauer geworden, nicht nur im Becken, sondern auch an den Kassen und den Liegewiesen."

Irrsinn hat die Hansestadt erreicht

Ein Kommentar von Peter Steinert

Stadtwerke-Geschäftsführer Oliver Daun hat Recht, wenn er auf andere Bäder verweist. Auch andernorts pöbelt der Mob, nehmen Konflikte zu, lodern Flammen des Zorns. Und das ohne Rücksicht auf kleine oder große Badegäste, auf alte oder junge Nachbarn. In freier Natur, entspannter Atmosphäre, am kühlenden Wasserbecken. Ein Irrsinn. Der hat nun auch die Hansestadt erreicht.

„Herford ist keine Insel", sagt Daun dazu. Wohl wissend, dass zuletzt die Polizei in Bielefeld Zeugen einer Schlägerei im Wiesenbad suchte. Massen-Krawalle im Düsseldorfer Rheinbad zu einem Großeinsatz der Polizei führten. Und der Betreiber der Campinganlage im lippischen Kalletal den öffentlichen Badebetrieb ganz einstellte, weil auch dort die Lage auf der Liegewiese eskalierte.

Angesichts des Klimawandels, steigender Temperaturen und anhaltender Hitzeperioden ist unwahrscheinlich, dass sich das Problem von alleine löst. Sicherheitsdienste können eine Antwort sein. Oder schnellere und effektivere Strafen.

Damit der zunehmenden Verrohung umgehend Einhalt geboten wird. Damit Freibadbesuche ein Vergnügen bleiben und nicht im Frust enden. Damit die Freiheit des Einzelnen nicht im Freibad baden geht.

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