Bad Salzuflen. Mozart hat nur selten und ohne Begeisterung für Flöte komponiert, und mit der Harfe wusste er wenig anzufangen. Das Doppelkonzert für Flöte und Harfe in C-Dur KV 299, das die Nordwestdeutsche Philharmonie in der Konzerthalle Bad Salzuflen spielte, war ein lukratives Auftragswerk, das der 22-Jährige im Jahr 1778 in Paris für den Comte de Guines schrieb. Konzert in galantem Stil Der vermögende Adlige spielte Flöte, seine Tochter Harfe. Mozart brauchte das Geld. Doch er erfüllte den Auftrag, wie von einem Genie nicht anders zu erwarten. Er ist auf die besonderen Klangmöglichkeiten der Harfe eingegangen und ließ die Flöte die Melodik der Hauptthemen übernehmen. Das Konzert im galanten Stil kommt in einem ungezwungenen Tonfall daher. In schönem Wechselspiel entfalten die beiden Soloinstrumente die Themen im einleitenden Allegro-Satz, nachdem sie das Orchester zunächst vorgestellt hat. Dieser innige Dialog setzt sich in folgenden langsamen Satz – ohne Bläser – zart und spannungsreich fort. Im abschließenden Allegro konzertieren Flöte und Harfe reizvoll mit dem Orchester. Zwei Orchestermitglieder haben sich an diesem Abend solistisch vorgestellt: Johannes Heckmair ist seit 1991 der erste Soloflötist der Nordwestdeutschen Philharmonie. Die junge Catharina Mothes, die schon mit sechs Jahren ihre Liebe zum Harfenspiel entdeckte, ist seit kurzem Soloharfenistin des Orchesters. Fast wie beim Fußball Die blumige Klangpracht der Harfe und der silbrige Flötenton ergänzen sich wunderbar. Mozarts Konzert gehört heute zum Kernrepertoire dieser beiden Instrumente, die beiden Solisten sind Meister ihres Fachs. Das – wohl wegen Fußball – nicht zahlreiche Publikum wusste das zu würdigen und erwirkte mit viel Beifall von den beiden eine Zugabe vor der Pause, „Night Club 1960“, ein Stück des Argentiniers Astor Piazzolla (1921-1992), in dem sie nochmals ihre virtuose Technik zeigen konnten. Nochmals großer Beifall und Begeisterungsrufe – nicht ganz, aber fast wie beim Fußball. Einleitend hatte die Philharmonie auf Mozart eingestimmt: mit der „Hommage à Mozart“ von Jacques Ibert (1890-1962), komponiert im Jahr 1956 zum 200. Geburtstag des großen Österreichers. Flott, federleicht und elegant beginnt das kurze Stück und nimmt das Publikum sofort mit auf eine kleine Reise durch bunte Melodien. Der höchst transparente Gesamtklang des Herforder Orchesters unter der temperamentvollen Leitung der jungen Französin Chloé Dufresne überzeugte vom ersten Takt an. Die mehrfach preisgekrönte Dirigentin begann als Chorleiterin und Sängerin. Sie hat bereits mit dem Orchestre National de France, dem Tokyo Philharmonic Orchestra, dem Hong Kong Philharmonic, den Münchner Philharmonikern, der Deutschen Radiophilharmonie und vielen anderen gearbeitet. Nach der Pause: die „Sinfonietta“ FP 141 von Francis Poulenc (1899-1962), ein Auftragswerk für die BBC, 1948 in London uraufgeführt. Leichte Tanzrhythmen bestimmen diese raffinierte Komposition voller eleganter Melodien. Den Reichtum an Klangfarben ließ die Nordwestdeutsche Philharmonie wirkungsvoll zur Geltung kommen. Chloé Dufresne dirigierte mit Schwung, dabei präzise akzentuiert. Spürbar und hörbar war die musikantische Freude des Orchesters, mal sanft und behutsam, mal wild-wirbelnd. Von dieser kurzweiligen Gute-Laune-Musik ließ sich das Publikum mitreißen und dankte mit lang anhaltendem Applaus.