Lemgo. Der Klassentrakt am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium (EKG) wird zum Schuljahresbeginn vorläufig gesperrt. Bei Raumluftuntersuchungen in den Sommerferien seien erhöhte PCB-Werte ermittelt worden, in einem Klassenraum seien die Konzentrationen gar deutlich erhöht gewesen. Bis weitere Ergebnisse vorliegen, wird der gesamte Trakt nicht genutzt. Für die Schule bedeutet das, dass 16 Klassen in anderen Räumen unterkommen müssen. Das aber ist nach Aussagen der Stadt gelungen.
Im vergangenen Schuljahr war in dem betroffenen Gebäude die Raumluft in einigen Räumen auf ihre PCB-Konzentration untersucht worden. Dabei waren die Werte laut Messung im Juni in zwei Räumen geringfügig erhöht. Als Sofortmaßnahme wurden diese Klassenzimmer daraufhin verstärkt belüftet und gereinigt, weitere Messungen sollten dann in den Ferien folgen.
Messungen in zweiter Ferienhälfte
Die haben nun in der zweiten Ferienhälfte stattgefunden. Die Klassenräume waren zu diesem Zeitpunkt sommerlich warm und wochenlang ungelüftet, so Tanja Schröder, Pressesprecherin der Stadt. Das Ergebnis: Sechs Räume wurden untersucht, in drei Räumen waren die Werte unbedenklich, in zwei Klassen gab es wieder eine Überschreitung des Vorsorgewertes und in einem Raum wurde ein deutlich erhöhter PCB-Wert gemessen. Der liege oberhalb des sogenannten Interventionswertes (3000 Nanogramm pro Kubikmeter), so Tanja Schröder. Das heißt, die Stadt muss unverzüglich reagieren.
Und das hat sie getan: So wird aufgrund des Wertes der gesamte Klassentrakt zum Start des Schuljahres gesperrt. Weitere Messungen für die übrigen zehn Klassenräume, Abstellflächen, Flure und Treppenhäuser in dem Gebäude laufen. Dafür ist die Stadt auf Messgeräte von externen Firmen angewiesen. Die aber seien schwer zu bekommen. Wann die Ergebnisse der Messungen vorliegen, sei daher noch nicht zu sagen. Die Stadt geht von Wochen aus, erst danach könnte geklärt werden, ob und welche Teile des Gebäudes weiterhin genutzt werden können.
Erst Werte, dann Sanierungsplan
Möglich wäre es dann gegebenenfalls, die Konzentration in den wenig belasteten Räumen durch kurzfristige Maßnahmen, wie sie vor den Sommerferien praktiziert wurden, zu minimieren. Dieser Schritt orientiere sich an der PCB-Richtlinie des Landes NRW und an vergleichbaren Fällen an Schulen im Regierungsbezirk, so die Stadt. Der verstärkt belastete Raum und gegebenenfalls auch weitere Räume mit vergleichbaren Konzentrationswerten würden dann erst nach weiteren Maßnahmen wieder in Betrieb genommen.
Als Ursache für die Belastung geht die Stadt derzeit davon aus, dass die Fugenmasse in den betroffenen Räumen mit PCB verunreinigt ist und ausdampft - das aber müsse noch mit weiteren Untersuchungen bestätigt werden. Betroffen von den Maßnahmen ist auch eine kleine Sporthalle in dem Trakt. Sie kann ebenfalls vorerst nicht weiter genutzt werden. Betroffene Vereine seien von der Stadtverwaltung informiert worden. Aufgrund der kurzfristigen Berichterstattung konnte die LZ die Schulleitung am Dienstagnachmittag leider nicht mehr erreichen.
PCB steht im Verdacht, krebserregend zu sein
Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind langlebige chlorierte Kohlenwasserstoffe, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. PCB sind seit den 1950er Jahren im Bauwesen in vielen Bereichen eingesetzt worden, unter anderem auch als Weichmacher in Anstrichstoffen, Dichtungsmassen und Kunststoffen. In den meisten Ländern ist der Einsatz von PCB seit den 1980er Jahren verboten.