Lemgo. Nach neun Jahren beim ASV Hamm-Westfalen wechselte Jan Brosch zur Saison 2022/2023 zum Handball-Erstligisten TBV Lemgo Lippe. Für den 30-Jährigen begann damit ein neues Abenteuer, denn zuvor hatte er kein einziges Erstliga-Match bestritten. „Er spielt seit Jahren auf sehr hohem Niveau, ist in Hamm zu einem absoluten Führungsspieler gereift. All das waren für uns entscheidende Kriterien. Und so sind wir sicher, dass Jan sowohl spielerisch als auch menschlich sehr gut zu uns, zu unserem Team und zu unserem Konzept passt", begründeten damals die TBV-Verantwortlichen den Transfer. Auch für Leos Petrovsky sucht der lippische Handball-Bundesligist Ersatz. Jan Brosch unterschrieb für zwei Jahre im Lipperland, verlängerte den Vertrag dann nochmal bis 2025. Doch im Sommer nächsten Jahres ist für ihn Schluss beim TBV Lemgo Lippe. Der 2,05 Meter große Kreisläufer, inzwischen 33 Jahre alt, verlässt den TBV. Im LZ-Gespräch blickt „Broschi" zurück und voraus. Zudem erläutert er die Hintergründe seiner Entscheidung. Wieso hören Sie beim TBV auf? Jan Brosch: Es sind ausschließlich private Gründe. Meine Frau Hannah und ich möchten zurück in die Heimat, wir haben ja ein Haus in Schwerte, das derzeit unbewohnt ist. Dann leben auch unsere Familien wieder in der Nähe. Im Dezember erwarten wir das zweite Kind, unsere Tochter Ida ist inzwischen zweieinhalb. In Lemgo leben wir in einer Wohnung und fahren nur an freien Wochenenden mal nach Hause. Wie kam es zu der Entscheidung? Jan Brosch: Der TBV und ich haben unsere Gedanken ausgetauscht. Ich habe in den Gesprächen signalisiert, dass ich nicht noch einmal verlängern möchte. Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. In den nun fast zweieinhalb Jahren hatte ich ausschließlich positive Erlebnisse in Lemgo. Zum Beispiel? Jan Brosch: Das Final Four in Köln vor knapp 20.000 Zuschauern fällt mir da ein, aber es sind auch die Erlebnisse mit der Mannschaft. Wir haben unglaublich viel Spaß zusammen – auch Abseits des Spielfeldes. Welche Freundschaften bleiben? Jan Brosch: Mit Tim Suton und seiner Familie treffen wir uns regelmäßig, unsere Kinder sind ja im gleichen Alter und verstehen sich gut. Auch mit Lukas Hutecek habe ich viel zu tun. Diese Verbindungen halten hoffentlich über Lemgo hinaus. Wie wollen Sie sich aus dem Lipperland verabschieden? Jan Brosch: Mit dem bestmöglichen Ergebnis. In der Liga sind wir mit 8:4 Punkten sehr gut gestartet, knüpfen damit nahtlos an die Vorbereitung an. Da hatten wir zwar nicht so starke Gegner, sammelten aber viel Selbstvertrauen. Aus der Auftakt-Niederlage gegen Melsungen, als wir chancenlos waren, zogen wir die richtigen Lehren, der Erfolg in Gummersbach war wichtig. Aber auch im Pokal haben wir Ziele. Konkret? Jan Brosch: Wir wollen in Coburg weiterkommen. Aber die anderen Ergebnisse zeigen, dass es gegen Zweitligisten immer schwer ist. Wir sind gewarnt, kennen den Gegner bereits vom Vorbereitungsturnier in Braunschweig. Setzen wir uns durch, wäre es nur noch ein Spiel bis zum Final Four. Vor drei Jahren entschieden Sie sich für den TBV. Wollten Sie immer in Liga eins?Jan Brosch: Ja, aber es hatte sich vorher einfach nicht ergeben. Mit Lemgo passte alles, ich musste nicht lange überlegen. Wir haben alles richtig gemacht. Und nun? Jan Brosch: Ich möchte weiter Profi-Handball spielen – in der ersten oder zweiten Liga. Der Verein muss aber noch näher an Schwerte sein als Lemgo. Spielt auch die berufliche Zukunft eine Rolle? Jan Brosch: Noch nicht. Natürlich möchte ich in einigen Jahren einen Job in der Nähe der Heimat anfangen. Mit meinem Studium „Technisches Management und Marketing" in Hamm bin ich in den letzten Zügen. Doch der Fokus liegt erstmal noch auf dem Handball. Zwei neue Kreisläufer Für den Kreis benötigt der TBV damit gleich zwei neue Center, denn auch bei Leos Petrovsky stehen die Zeichen auf Trennung. „Wir haben uns entschieden, am Kreis zur kommenden Saison noch einmal neue Impulse zu setzen. Leos hat menschlich super in unser Team gepasst und unsere Farben auf dem Spielfeld immer mit vollem Einsatz vertreten", ist TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike überzeugt, dass der 31-jährige Tscheche weiterhin alles für den Erfolg der Mannschaft geben wird. „Es war und ist mir eine Ehre, für einen so traditionsreichen Verein wie den TBV spielen zu dürfen. Entsprechend stolz werde ich ab dem Sommer auf diese Zeit zurückblicken. Bis dahin möchte ich meinem Team bestmöglich helfen, die gesteckten Ziele zu erreichen und mit den tollen Lemgoer Fans noch viele Siege feiern", wird Petrovsky in einer Pressemitteilung zitiert. Transparenzhinweis: In der ersten Fassung hat der letzte Abschnitt "Zwei neue Kreisläufer" gefehlt. Den haben wir nachträglich ergänzt.