Lemgo. Die Konstellation ist bemerkenswert. Am 1. Advent trennt den TBV Lemgo Lippe vom Deutschen Meister Füchse Berlin lediglich ein Punkt. Vor dem direkten Aufeinandertreffen am Sonntag, um 16.30 Uhr, spricht Füchse-Coach Nikolej Krickau gar von einem „Spitzenspiel“. Die Ausgangssituation: Am Donnerstagabend noch war der Meister hochkarätig in der Champions League gefordert. Ohne Fabian Wiede (Kreuzbandriss), Leo Prantner (Schulter-OP), Lukas Herburger (Rückenprobleme), Nils Lichtlein (Leisten-Verletzung) und Torhüter Dejan Milosavljev (Adduktorenprobleme) feierte er mit 38:34 gegen das ungarische Top-Team von One Veszprem HC im neunten Spiel den neunten Sieg in der Königsklasse. Das sagen die Trainer: Krickau lenkte nach der intensiven Auseinandersetzung gegen die Ungarn sein Augenmerk schnell auf Lemgo: „Es ist kein Zufall, dass sie so weit oben stehen. Das ist eine andere Herausforderung. Du musst viel, viel Geduld haben und musst sehr effektiv sein.“ Respekt klingt andersrum auch aus den Worten von Florian Kehrmann, der „eine gewisse Selbstverständlichkeit“ bei den Berlinern erkennt. „Man gewinnt auch nicht ohne Weiteres gegen Veszprem.“ Der TBV-Coach hat sein Team auf „einen heißen Tanz“ eingeschworen und erwartet „ein sehr hohes Tempo“, was auch für die Verteidigung eine Herausforderung sei. „Wir müssen schauen, wie viele Wechsel wir machen können. Außerdem wollen wir selber Tempo gehen und zusammen sehr gut verteidigen gegen Gidsel und Gröndahl. Auch Andersson dürfen wir nicht zu nah dran kommen lassen.“ Nach dem gewaltigen Bohei um die Trennung von Meistermacher Jaron Siewert und Stefan Kretzschmar hat sich die Lage an der Spree wieder beruhigt. „Wichtig war der Heimsieg gegen den THW Kiel. Da haben sie die Schmeling-Halle emotional angezündet. Doch viel geändert hat sich seitdem bei den Füchsen nicht. Es ist das gleiche Spiel geblieben. Außer, dass sie in Notsituationen auch das Sieben-gegen-Sechs forcieren“, hat Kehrmann beobachtet. Der Vorlauf: Am Mittwoch startete das TBV-Team nach dem Training mit einem Kabinenfest in das knackige Vorweihnachtsprogramm. Nach einem gemeinsamen Essen drückten die Profis ihren Drittligakollegen von THL gegen GWD Minden II die Daumen. „Das kam von den Jungs selbst. Sie wollten unterstützen, was den engen Draht untereinander widerspiegelt“, freute sich Kehrmann über die Reaktion. Gut möglich, dass ein THL-Spieler am Sonntag aufrückt. Da Urh Kastelic krank ist, wird eventuell Linus Borreck mit nach Berlin fahren. Das ist im Ablauf diesmal anders: Da die Phoenix-Contact-Arena durch die niedersächsischen Cheerleading-Meisterschaften belegt ist, absolviert der TBV sein Abschlusstraining am Samstag in Blomberg und fährt von der Ulmenallee aus direkt nach Berlin. „Wir sind der HSG sehr dankbar für diese Möglichkeit. Das ist ein weiteres Zeichen für eine kollegiale Zusammenarbeit“, sagt Florian Kehrmann.