Missbrauchsfall Lügde: Mario S. soll voll schuldfähig sein

Janet König und Erol Kamisli

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Die Parzelle von Mario S. auf dem Campingplatz "Eichwald" lag rund fünf Gehminuten von Andreas V. entfernt. Inzwischen sind beide Parzellen leer geräumt worden. - © Archivbild: Bernhard Preuss
Die Parzelle von Mario S. auf dem Campingplatz "Eichwald" lag rund fünf Gehminuten von Andreas V. entfernt. Inzwischen sind beide Parzellen leer geräumt worden. (© Archivbild: Bernhard Preuss)

Lügde. Die Anklage seines Mandanten hält Rechtsanwalt Jürgen Bogner aus Blomberg noch nicht in den Händen, dafür liegt inzwischen das psychologische Gutachten von Mario S. vor. Der Steinheimer muss sich gemeinsam mit Andreas V. und Heiko V. voraussichtlich Ende Juni im Lügder Missbrauchsprozess verantworten.

Laut Bogner habe die Sachverständige beim 34-Jährigen keine Anzeichen, die für eine verminderte Schuldfähigkeit sprechen könnten, festgestellt. Darüber hinaus lehne die Gutachterin eine Sicherungsverwahrung, die Mario S. bei einer Verurteilung droht, strikt ab, zitiert Bogner aus dem Schriftstück. Knapp 100 Seiten umfasse das Gutachten, in dem Mario S. auch keinerlei psychische Störungen attestiert würden.

"Er war kein Mitläufer"

Der Steinheimer soll 18 Kinder missbraucht haben, sein Verteidiger ging bisher von rund 180 Einzeltaten aus. „Doch mit der Anklage werden wahrscheinlich noch weitere Taten hinzukommen", vermutet Bogner. Er sei überrascht „von der hohen Zahl der sexuellen Übergriffe, da Mario S. anfangs eher als Mitläufer wahrgenommen wurde", sagt Bogner. Davon könne inzwischen nicht mehr die Rede sein. Die Vorwürfe, die schon in den Ermittlungsakten aufgelistet seien, ließen allein wegen der enormen Anzahl der Taten wenig Zweifel zu. „Auch wenn nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt", fügt der Rechtsanwalt zu. Er setze daher auf die Aussagebereitschaft seines Mandanten, um den Opfern eine Aussage im Prozess zu ersparen.

Ein Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit lehnt Rechtsanwalt Johannes Salmen für seinen Mandanten Andreas V. nach wie vor ab. Inzwischen habe der 56-Jährige jedoch gegenüber der Polizei Angaben zu seiner Person und seinem Werdegang gemacht.

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